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Flughafen Frankfurt-Hahn : Ryanair streicht 30 Prozent der Flüge

Flugzeuge von Ryanair werden nicht mehr so oft am Flughafen Frankfurt-Hahn zu sehen sein. Bild: AP

Wegen der von der Bundesregierung beschlossenen Luftverkehrssteuer, die zu Ticketaufschlägen je Richtung zwischen acht und 45 Euro führt, rechnen die Iren alleine für den Flughafen im Hunsrück mit einem Schwund von rund einer Million Passagiere.

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          Oft sind die Kapriolen von Ryanair-Chef Michael O’Leary das Spektakulärste an Pressekonferenzen der Billigfluglinie. Diesmal sorgten die blanken Zahlen für großes Aufsehen, denn die Iren streichen 30 Prozent der Flüge an ihrem wichtigsten Standort in Deutschland, am Flughafen Frankfurt-Hahn.

          Jochen Remmert
          Flughafenredakteur und Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Der fürs operative Geschäft von Ryanair verantwortliche Michael Cawley begründete am Mittwoch in Frankfurt den Schritt: Wegen der von der schwarz-gelben Bundesregierung beschlossenen Luftverkehrssteuer, die zu Ticketaufschlägen je Richtung zwischen acht und 45 Euro führt, rechnen die Iren alleine für den Flughafen im Hunsrück mit einem Schwund von rund einer Millionen Ryanair-Passagieren. Statt zuletzt 3,9 Millionen Fluggästen erwarten sie dort 2011 nur mehr 2,9 Millionen. Die Airline hat deshalb die weniger lukrativen Strecken kurzerhand aus dem Sommerflugplan gestrichen, darunter auch die Verbindungen nach Berlin, Danzig, Göteborg, Prag, Sevilla, Breslau und Santiago de Compostella. Berlin deshalb, weil dort bei Hin- und Rückflug gleich zweimal der Aufschlag fällig würde. Obwohl gut ausgelastet, würde sich so auch die Hauptstadtstrecke nicht mehr rechnen, sagte Cawley.

          Kein Kommentar von den Behörden

          Alles in allem wird es so vom Sommer an 30 Prozent weniger Ryanair-Flüge in der Woche am Flughafen Frankfurt-Hahn geben. Drei der elf dort stationierten Flugzeuge werden abgezogen und 150 Jobs gestrichen, bei den Piloten, der Kabinencrew und den Technikern. Im Umfeld des Flughafens sieht Cawley 1000 Arbeitsplätze in Gefahr.

          Das unmittelbar zuständige Bundesfinanzministerium wie auch das Kanzleramt wollten sich am Mittwoch nicht zur Luftverkehrssteuer äußern, weil das entsprechende Haushaltsbegleitgesetz am Donnerstag endgültig den Bundestag passieren soll. Auch der entschiedene Protest des größten Teils der Luftverkehrbranche konnte die Bundesregierung nicht davon überzeugen, dass diese nationale Abgabe eine Branche trifft, die sich gerade erst von den für sie besonders dramatischen Folgen der Finanzkrise erholt.

          „Das ist Irrsinn, was da gerade passiert“

          Dabei hat allerdings auch eine erhebliche Rolle gespielt, dass eben nicht alle Vertreter der Luftverkehrswirtschaft, deren Wort in Berlin Gewicht hat, mit derselben Vehemenz Einspruch erhoben haben, wie das beispielsweise der Lufthansa-Vorstandsvorsitzende Wolfgang Mayrhuber getan hat. So sorgte beispielsweise der Vorstandsvorsitzende des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport, Stefan Schulte, mit seiner frühzeitigen Einlassung, dass er die Steuer für falsch, aber verkraftbar halte, für heftigen Unmut in der Branche, ganz besonders beim Fraport-Hauptkunden Lufthansa.

          Jörg Schuhmacher, Sprecher der Geschäftsführung des Flughafen Frankfurt-Hahn, ist da mit seiner Einschätzung zur neuen Steuer deutlich weniger duldsam als der Mann an der Spitze des großen Nachbarn: „Das ist Irrsinn, was da gerade passiert“, schimpfte er im Gespräch. Auch der rheinland-pfälzische Wirtschafts- und Verkehrsminister Hendrik Hering (SPD) zeigte sich empört und sprach von einer unsinnigen Abgabe des Bundes.

          Große Abhängigkeit von den Iren

          Für viele Strecken, sagte Schumacher weiter, die gerade noch profitabel seien, wirke diese Steuer „absolut tödlich“. Ryanair-Manager Cawley rechnete vor, dass das auch für einige Strecken seiner Airline gelte: Bei einem durchschnittlichen Ticketpreis von 35 Euro führe ein Aufschlag von mindestens acht Euro zwangsläufig dazu, dass sehr viel weniger Passagiere ein Ticket kauften. „Viele fliegen dann eben nicht“, sagte Cawley. Das Geschäftsmodell von Ryanair basiere ganz überwiegend auf dem knapp kalkulierten Preis. Sein Haus schaue nicht ohne Grund unentwegt nach den Buchungszahlen und senke sofort die Preise, wenn die Kauffreude der Kunden nachlasse. Eine zusätzliche Steuer raube den Spielraum für diese rasche Reaktion auf das Buchungsverhalten. Wie knapp die Iren dabei kalkulieren, lässt sich daran ablesen, dass sie 2009 den Angaben zufolge je Passagier 1,75 Euro verdient haben.

          Dass der Flughafen Frankfurt-Hahn auf Gedeih und Verderb vom Großkunden Ryanair abhängt, ist kein Geheimnis. Flughafenchef Schumacher schloss auf Nachfrage aber trotzdem aus, dass die Flughafengesellschaft, deren Anteile Rheinland-Pfalz zu 82,5 Prozent hält und Hessen zu 17,5, diese Lasten übernehmen werde. Ein anderer Regionalflughafen hat das schon angeboten, wie es bei Ryanair hieß.

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