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Flughafen-Ausbau : Konkurrenz soll Klage sponsern

Fraport kritisiert die „politische Agitation” des Anwalts Bild: ddp

Die Geschäftsidee des Rechtsanwalts Peter Hoffmann ist einfach. Die Konkurrenten des Frankfurter Flughafens sollen Klagen gegen den Flughafen-Ausbau mitfinanzieren. Fraport ist empört.

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          Die Konkurrenz soll Klagen gegen den Ausbau des Frankfurter Flughafens mitfinanzieren: Das ist die Geschäftsidee des Wiesbadener Rechtsanwalts Peter Hoffmann. In seinem Schreiben, das er vor rund einer Woche unter anderem nach Hamburg, München, London, Paris und Amsterdam schickte, sieht er nichts Anstößiges, beim Betreiber des Frankfurter Flughafenbetreibers ist man dagegen empört. Kommunikationschef Dieter Weirich spricht von einer „politischen Agitation, die eines Rechtsanwalts unwürdig“ sei.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein ungewöhnliches Vorhaben erfordere ungewöhnliche Methoden, wehrt Hoffmann die Kritik ab. Fraport erzürnt vor allem, daß in dem Brief recht deutlich darauf hingewiesen wird, die mögliche Verzögerung oder gar Verhinderung des Baus einer neuen Landebahn in Frankfurt liege im Interesse der Konkurrenz, mithin sei der Rechtsstreit in ihrem Sinne. Er verweist auf Überlegungen etwa des Frankfurter Großkunden Lufthansa, schon jetzt wegen fehlender Kapazitäten in Frankfurt auf andere Drehkreuze auszuweichen.

          Bislang keine Antworten auf den Bittbrief

          Die Suche nach Sponsoren begründet der Anwalt damit, daß in Deutschland, wo im Gegensatz zu den Vereinigten Staaten keine Sammelklagen zulässig sind, Kosten der juristischen Auseinandersetzung für private Ausbaugegner zu hoch seien. Sein Vorgehen sei mit Bürgerinitiativen abgesprochen, im Januar soll eine Internetseite geschaltet werden. Es gehe ihm in erster Linie darum, wie er die Interessen der Anwohner möglichst gut vertreten könne, sagt Rechtsanwalt Hoffmann. Wenn die neue Landebahn vielleicht auch nicht zu verhindern sei, so könnten am Ende einer intensiv geführten juristischen Auseinandersetzung schärfere Lärmschutzauflagen herausspringen.

          Bisher hat die Kanzlei keine Antworten auf den Bittbrief erhalten, jedoch sorgt er offenbar schon für einigen Wirbel in den Chefetagen der deutschen Flughäfen, die zum Teil in der Luftverkehrsinitiative verbunden sind. Ingo Anspach, der Sprecher des Münchner Flughafens, sagte auf Anfrage, man werde „einen Teufel tun“ und Klagen in Frankfurt unterstützen. Der Airport in der bayrischen Landeshauptstadt verstehe sich als Partner Frankfurts, dessen gemeinsames Anliegen der Ausbau der Kapazitäten in Deutschland sei.

          Den ganz großen Wurf hat Rechtsanwalt Hoffmann im übrigen nicht gewagt: Nach Dubai, wo derzeit der weltgrößte Flughafen als möglicher starker Widerpart der Europäer im Interkontinentalverkehr entsteht, hat er nicht geschrieben.

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