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Neue Erstaufnahmeeinrichtung : Im Herbst sollen die Flüchtlinge einziehen

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Umzugsfertig im Herbst: In die ehemalige Kaserne in Büdingen sollen in einem halben Jahr Flüchtlinge einziehen. Bild: Rainer Wohlfahrt

Die ehemalige Kaserne in Büdingen in der Wetterau soll zu einer Flüchtlingsunterkunft werden. Doch nach Informationen der F.A.Z. haben auch chinesische Investoren Interesse an dem Areal.

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          Das Regierungspräsidium in Gießen geht nach wie vor davon aus, spätestens im Oktober auf dem Gelände der ehemaligen Armstrong-Kaserne in Büdingen eine Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge zu eröffnen. Dies gelte unabhängig von den Interessen der potentiellen Investoren für das Kasernenareal, sagte Behördensprecherin Gabriele Fischer auf Anfrage.

          Noch bis Ende März können Investoren, die Interesse an dem 17,7 Hektar großen Areal haben, ihre verbindlichen Kaufangebote bei der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) abgeben. Die Bima ist Eigentümerin der ehemaligen Kaserne der amerikanischen Streitkräfte, die seit 2007 nicht mehr genutzt wird.

          In den dreißiger Jahren war die Kaserne für die deutsche Wehrmacht errichtet worden. Das Gelände befindet sich südwestlich der Büdinger Kernstadt. Nördlich und westlich grenzt es an Gewerbegebiete, südlich und östlich an Wohngebiete an. Auf dem Gelände zwischen der Lorsbacher und der Orleshäuser Straße stehen mehrere Zweckbauten, ehemalige Wartungs- und Lagerhallen sowie sechs Mehrfamilienhäuser mit 96 Wohneinheiten.

          Investoren aus China wollen Areal kaufen

          Nach Angaben der Behördensprecherin sind Vertreter des Regierungspräsidiums in einem ständigen Kontakt mit der Stadt, dem Wetteraukreis und den potentiellen Investoren. Nach Informationen der F.A.Z. wollen Geschäftsleute aus China auf dem Areal ein Distributionszentrum für Bekleidung mit einer Wäscherei etablieren. In dem Verkaufsprospekt der Bima heißt es, dass das Nutzungskonzept der Stadt eine Flüchtlings- und Asylbewerberunterbringung auf dem ehemaligen Kasernengelände ausdrücklich zulasse, explizit verlangt wird die Einrichtung aber nicht.

          Anfang Februar hatte der Landtag in Wiesbaden beschlossen, einen Teil der Armstrong-Kaserne und eine weitere Konversionsfläche im mittelhessischen Neustadt (Kreis Marburg-Biedenkopf) als Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge zu nutzen, um die bisherige zentrale Aufnahmeeinrichtung in Gießen zu entlasten. Das Land hat für beide Projekte im Haushalt 54 Millionen Euro bereitgestellt.

          150Mitarbeiter für Außenstelle gesucht

          An beiden Standorten sollen nach Angaben von Regierungspräsident Lars Witteck (CDU) jeweils maximal 800 Flüchtlinge untergebracht werden. Witteck hatte jedoch im Januar auf einer Informationsveranstaltung in Büdingen geäußert, dass geplant sei, die Einrichtungen nur zu 75 Prozent zu belegen, um Familien zusammen unterbringen zu können und um Konflikte zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen möglichst zu vermeiden.

          Sowohl in Neustadt als auch in Büdingen sollen jeweils etwa 150 Beschäftigte arbeiten. Ein Teil der dort zu erledigenden Dienstleistungen will das Regierungspräsidium an externe Anbieter vergeben. Die Behörde sucht inzwischen in Stellenausschreibungen nach Ärzten, Fachangestellten und Sozialarbeitern für die beiden geplanten Flüchtlingsaufnahmestellen in der früheren Kreisstadt im Osten der Wetterau sowie in Neustadt.

          Wir Behördensprecherin Fischer sagt, ist die Zahl der Flüchtlinge aus dem Kosovo in den vergangenen Wochen deutlich zurückgegangen. Die meisten Flüchtlinge, die neu in Gießen aufgenommen werden, kommen derzeit aus Albanien, Syrien und Serbien.

          Um die ehemalige Kaserne künftig als Flüchtlingsunterkunft nutzen zu können, muss die Stadt jedoch einen Bebauungsplan erstellen. Einen entsprechenden Beschluss hat die Stadtverordnetenversammlung, wie berichtet, allerdings noch nicht getroffen. Mit dem Thema wird sich demnächst der Bauausschuss beschäftigen.

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