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Flüchtlinge in Hessen : Eine eigene Wohnung als großes Ziel

  • -Aktualisiert am

Angekommen: In der Flüchtlingsunterkunft am Alten Flugplatz in Frankfurt-Bonames (Archivbild) Bild: Lucas Bäuml

Die Zahl der Flüchtlinge, die nach Hessen kommen, steigt wieder. Vielerorts beginnen die Vorbereitungen, um die Menschen auch unter Corona-Regeln unterbringen zu können.

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          Hessens Erstaufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge stoßen an ihre Kapazitätsgrenzen. Und das hat gleich mehrere Gründe. So haben beispielsweise die Corona-Maßnahmen Einfluss auf die Unterbringungsform. Es gilt: mehr Platz für weniger Menschen. Aber auch die Zahl derer, die in Deutschland Asyl beantragen, steigt nach Angaben des Landes seit einigen Monaten wieder an. Gleichzeitig können viele Schutzsuchende, deren Antrag abgelehnt wurde, nicht ausreisen. Auch in diesen Fällen lautet die Begründung wie so oft: Corona.

          Während sich in den insgesamt zehn Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes die Situation schon seit einigen Wochen wieder zuspitzt, merken die Landkreise und kreisfreien Städte davon bisher noch wenig. Der scheinbare Widerspruch wird durch das „Geordnete-Rückkehr-Gesetz“ verursacht: Dieses regelt, dass Flüchtlinge die Einrichtung erst verlassen dürfen, wenn ihr Bleibestatus geprüft wurde und sie mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Bleibeperspektive erhalten. Der Aufenthalt von Familien kann auf Grundlage des Gesetzes bis zu sechs Monate in einer Erstaufnahmeeinrichtung andauern, allein reisende Männer müssen damit rechnen, bis zu 18 Monate in den Unterkünften bleiben zu müssen, bis sie einer Stadt oder einem Landkreis zugewiesen werden. Ein Überblick über die Lage im Land:

          „Suche Wohnung, biete Prämie bei erfolgreicher Vermittlung“: Wie groß die Verzweiflung Wohnungssuchender in Frankfurt ist, wird spätestens bei einem Stopp an einer der vielen Innenstadtampeln deutlich. Zettel mit Telefonnummern hängen da – und an ihnen die Hoffnung derer, die sie angebracht haben. Der Wohnungsmarkt ist hart umkämpft. Flüchtlinge mit Bleibestatus, die versuchen, die Unterkünfte zu verlassen, berichten immer wieder, dass sie kaum Chancen auf dem freien Wohnungsmarkt hätten. Und auch die Stadt kann ihnen nur selten ein passendes Angebot machen. Denn es kommen nur wenige geeignete Wohnungen auf den Markt.

          Unterkünfte schließen

          Die Flüchtlinge konkurrieren mit mehr als 20000 Frankfurtern, die ebenfalls das Recht auf eine Sozialwohnung haben. Suche etwa eine Großfamilie nach einer passenden Bleibe, könne es Jahre bis zur erfolgreichen Vermittlung dauern, sagt eine Sprecherin des Sozialdezernats, das noch von Daniela Birkenfeld (CDU) geleitet wird. Die neue Römerkoalition aus SPD, Grünen, Volt und FDP hat zwar angekündigt, Gemeinschaftsunterkünfte für Geflüchtete nicht mehr als „dauerhafte Lösung“ anbieten zu wollen. Wo aber die Menschen unterkommen sollen, die derzeit in den mehr als 100 Einrichtungen in der Mainmetropole, darunter auch Hotels, leben, darauf gibt es noch keine Antwort. Etwa 4360 Geflüchtete sind aktuell in den Übergangsunterkünften in Frankfurt untergebracht. Jede Woche weist das Land der Stadt acht weitere Flüchtlinge zu. Vor einem Jahr waren es noch elf. Aktuell werde daran gearbeitet, die Unterkünfte zu schließen, in denen die Küche oder die Sanitäranlagen gemeinsam genutzt werden, sagt die Sprecherin.

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          Auch in Darmstadt, wo derzeit wöchentlich zirka fünf und nicht mehr wie zu Spitzenzeiten bis zu 100 Neuankömmlinge eintreffen, wird die dezentrale Unterbringung priorisiert, da sie beste Chancen für eine gelingende Integration biete. Aktuell könne dieses Angebot 452 Betroffenen gemacht werden, teilt Bürgermeisterin Barbara Akdeniz (Die Grünen) mit. Darüber hinaus seien knapp 950 der insgesamt etwa 1270 Plätze in sechs Erstwohnhäusern belegt. Vor einigen Jahren habe man noch rund 2300 Plätze in acht Flüchtlingsunterkünften vorgehalten.

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