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Illegales Angeln : Ausräubern mit Haken, Reusen und Sprengkörpern

  • -Aktualisiert am

Ein Angler am Rheinufer bei Oestrich-Winkel: Wenn er legal geangelt hat, war alles in Ordnung. Aber an vielen Gewässern tummeln sich Schwarzfischer (Archivbild) Bild: Cornelia Sick

Fischwilderei ist ein zunehmendes Problem. Was dagegen getan werden kann und warum die Täter viel zu oft ungeschoren davon kommen, beschreibt der Geschäftsführer des Verbands der hessischen Fischer, Günter Hoff-Schramm, im Interview.

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          Herr Hoff-Schramm, Sie haben dieser Tage die Verbreitung von Fischwilderei in Hessen beklagt. Welches Ausmaß hat sie?

          Wie häufig Fischwilderei in Hessen genau vorkommt, kann man nicht sagen. Die Straftaten werden nicht registriert, aber es kommt immer wieder zu Anzeigen durch unsere Fischereiaufseher oder Fischzüchter.

          Wie gehen Schwarzangler vor?

          Die Täter haben unterschiedliche Methoden. In erster Linie arbeiten Schwarzangler mit Fangschnüren. Das sind Schnüre, an denen mehrere Angelhaken befestigt sind. Mit Brot, Mais oder Fleisch werden die Schnüre beködert, in den See geworfen und am Ufer befestigt. Nachts kontrollieren die Schwarzangler die Fangschnüre und ziehen sie aus dem Wasser. Eine andere Methode sind Reusen, die aus Hasendraht gebaut werden. Auch Sprengkörper werden von Schwarzanglern verwendet. Durch die Explosion im Wasser platzen die Schwimmblasen der Fische. Die Fische schwimmen dann an der Oberfläche und werden einfach abgesammelt.

          Das muss doch auffallen.

          Die Schwierigkeit bei der Fischwilderei ist, dass solche Methoden in Teichen und Seen in Naturschutzgebieten angewendet werden. Fischereiaufseher dürfen diese Gebiete nicht betreten. Schwarzangler können den See dort in Ruhe ausräubern. Anders ist das bei bewirtschafteten Gewässern. Dort ist eine Kontrolle möglich. Finden Fischereiaufseher etwa Fangschnüre, wird Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Manchmal kommt auch die Polizei und lauert den Tätern auf.

          Wer fischt illegal und warum?

          Es gibt organisierte kriminelle Banden, die in Fischzuchtanlagen einbrechen. Mit Bettlaken und Sprengsätzen nehmen die Banden die Fische massenweise aus den Teichen. Das geht ruck, zuck. Was dann mit den Fischen passiert, weiß man nicht. Auch eine Fischzucht in einem Stadtteil von Eppstein war Anfang des Jahres betroffen. Die Täter wurden gefasst, aber aufgrund mangelnder Beweise wieder freigelassen. Die andere Seite von Fischwilderei betrifft die Flüsse. Dort gehen Schwarzangler mit Angelgeräten oder Schnüren vor. Manche haben auch einen Angelschein, aber keine Erlaubnis für das betreffende Gewässer. Sie setzen aufs Spiel, ihre Fischereiberechtigung zu verlieren. Auch das ist Fischwilderei. Außerdem gibt es Angler, die die Schonzeit und die Schonmaße nicht beachten. Ein Fisch muss eine bestimmte Größe erreicht haben, bevor er aus dem Wasser genommen werden darf. Auch diese kleineren, milderen Tatbestände kommen zur Anzeige. Aber meistens wird das Verfahren von der Staatsanwaltschaft eingestellt, wegen geringfügigem öffentlichem Interesse.

          Welcher Schaden entsteht durch illegale Fischerei?

          Meistens geben Fischzüchter einen Schaden zwischen 5000 und 10 000 Euro an. Alle Gewässer sind in Hessen verpachtet und werden gepflegt. Sie unterliegen der staatlichen Hege-Verpflichtung.

          Günter Hoff-Schramm ist Geschäftsführer des Verbands hessischer Fischer.

          Was bedeutet das?

          Das heißt, es müssen ganz bestimmte heimische Fischarten darin gehalten werden und Laichfische, damit eine Reproduktion stattfinden kann. Ist ein heimischer Genpool vorhanden, muss dafür gesorgt werden, dass dieser bestehen bleibt. Fange ich als Angler eine große Forelle, die im Laich ist, muss ich sie wieder zurücksetzen. Es gibt also Kriterien, die ein Wilderer gar nicht beachtet. Der ganze Fischbestand kommt durcheinander und das Ökosystem geht kaputt, das mühsam aufgebaut wurde.

          Was unternehmen Sie gegen den illegalen Fischfang?

          Außer die Menschen aufzuklären und Anzeige zu erstatten, können wir nicht viel machen.

          Wie kann er verhindert werden?

          Fischereiaufseher können dabei helfen, Fischwilderei einzudämmen. Sie werden in der Fischereischule in Hessen ausgebildet und offiziell eingetragen. Die Aufseher sind für bestimmte Gewässer zuständig, zum Beispiel für den Main. Sie machen dann ihre Runden, kontrollieren und fragen nach den Papieren. Das machen sie ehrenamtlich. Und wir haken bei der Staatsanwaltschaft nach, wenn ein Verfahren eingestellt wurde, obwohl eindeutig Fischwilderei vorliegt. Die Wasserschutzpolizei hat gar keine Lust, Angler zu kontrollieren, weil sie genau weiß, dass Schwarzangler sowieso wieder freikommen.

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