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Finanzierung des Eigenheims : Niedrige Zinsen helfen nicht

  • -Aktualisiert am

Grundstücke sind teuer: Vor allem für junge Familien sind die eigenen vier Wände schwer zu verwirklichen. Bild: dpa

Obwohl die Banken mit attraktiven Zinsen werben, liegt die Eigentümerquote in Wiesbaden nur bei 24 Prozent. Besonders jungen Familien fällt es schwer, ein Eigenheim zu finanzieren.

          3 Min.

          Die Banken werben mit niedrigen Zinsen für die Finanzierung des Eigenheims. Doch das verlockende Angebot können nur wenige annehmen, weil gleichzeitig die Grundstücks- und Baupreise ein hohes Niveau erreicht haben und die Eigenkapitalanforderungen der Kreditinstitute gestiegen sind. Mit diesen Faktoren erklärt das Amt für Statistik und Stadtforschung, dass in Wiesbaden die Eigentümerquote bei 24 Prozent aller Haushalte verharrt. Während diese Quote seit dem Jahr 2006 für Haushalte mit Personen im Alter von mehr als 65 Jahren um neun Punkte auf 36 Prozent zulegte, sank sie unter den jüngeren Haushalten um drei Punkte auf nur noch zehn Prozent. Für junge Familien ist die Eigentumsbildung also besonders schwer.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Das geht aus der jüngsten Studie zur Wohnraumnachfrage in der Landeshauptstadt hervor, die von den Zahlen der Bevölkerungs- und Haushaltsentwicklung bestimmt wird. Demnach legte Wiesbadens Bevölkerung in den vergangenen 20 Jahren um rund 23.500 auf 291.100 Personen zu. Schon in wenigen Jahren soll die Schwelle von 300.000 Einwohnern überschritten sein. Seit dem Jahr 2000 wurde in Wiesbaden ein Plus von rund 13.500 Haushalten verzeichnet. Immer mehr Bürger leben in Einpersonenhaushalten oder in Haushalten, deren Bewohner älter sind als 65 Jahre. Bevölkerungsschwerpunkte sind in den Ortsbezirken Biebrich, Dotzheim und Nordost. Die stärksten Zuwächse gab es allerdings im Rheingauviertel, im Westend, in Kastel und im Bezirk „Mitte“.

          Nach Angaben der kommunalen Statistiker nahmen die Zu- und Fortzüge über die Stadtgrenze hinweg stetig zu, während innerstädtische Umzüge seit dem Jahr 2000 um rund 20 Prozent zurückgegangen sind. Das könne als Indiz für einen „sich verengenden Wohnungsmarkt“ interpretiert werden, in dem ein Teil der Haushalte aus Gründen der Finanzierbarkeit oder des Fehlens passender Angebote länger in der aktuellen Wohnung wohnen bleibe, heißt es in der Studie.

          „Herausforderung, eine Wohnung zu finden“

          Rückläufig ist das Marktsegment der öffentlich geförderten Wohnungen für Bürger mit niedrigen und mittleren Einkommen. Jedes Jahr fallen solche Wohnungen aus der Mietpreis- und Belegungsbindung. Mit 9281 geförderten Wohnungen hatte dieses Segment im Jahr 2019 einen Anteil von nur rund sechs Prozent am gesamten Wohnungsbestand. Allerdings hatten sich rund 3400 Bewerber für den Bezug einer solchen Wohnung registrieren lassen. Rund zehn Prozent der Wiesbadener Haushalte beziehen Grundsicherungsleistungen („Hartz IV“), die Arbeitslosenquote lag Ende 2019 bei 6,3 Prozent. Aus diesen Daten schließen die Statistiker, dass „die Herausforderung, eine adäquate Wohnung zu finden, nicht für alle Bevölkerungs- und Einkommensgruppen gleich ist“.

          Das bestätigt auch Wohnungsdezernent Christoph Manjura (SPD), obwohl durch die enge Kooperation des Stadtentwicklungs- und des Wohnungsdezernates mit den städtischen Wohnungsgesellschaften viel erreicht worden sei. Manjura verweist dazu auf die kommunale Mietpreisbremse, auf die Aufstellung zahlreicher neuer Bebauungspläne und die Erstellung von Wohnbedarfspotentialstudien. Bei großen Neubauvorhaben privater Investoren müssten 22 Prozent geförderte Wohnungen entstehen, bei Projekten städtischer Gesellschaften sogar 30 Prozent.

          Hoffnungen für die Zukunft setzt Manjura in die Konzeptvergabe städtischer Grundstücke: Demnach werden diese nicht mehr nur nach Höchstpreis vergeben, um gemeinschaftlichen oder genossenschaftlichen Wohnbauprojekten eine Chance zu geben. Für Manjura steht neben der Errichtung von bezahlbarem Wohnraum die Quartiersentwicklung im Fokus, denn „funktionierende Nachbarschaften sind und bleiben Ziel der Stadt“. Die Quotierung des geförderten Wohnungsbaus fördere in neuen Wohngebieten die „soziale Mischung“ und wirke Segregationsprozessen entgegen.

          Laut Manjura wurden dank dieses kommunalen Engagements in den vergangenen fünf Jahren die Voraussetzungen für den Bau von 5680 Wohnungen geschaffen. Neuer bezahlbarer Wohnraum bleibe „eine der drängendsten Aufgaben unserer Zeit“. Notwendig sei, die geltenden Förderquoten zu erhöhen, genossenschaftliches Wohnen zu fördern und eine Erhaltungssatzung auf den Weg zu bringen. Das soll nach Ansicht von Manjura die Aufwertung und Verteuerungen von Wohnungen und damit die Veränderung ganzer Stadtquartiere verhindern. Notwendig sei auch, gegen spekulative Leerstände eine Zweckentfremdungsverordnung zu erlassen.

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