https://www.faz.net/-gzg-1273k

Filmfestival Go East : Osteuropa zwischen Gestern und Morgen

Szene aus „Tatarak” von Andrej Wajda, zu sehen bei „Go East” Bild: Go East

Zeiten des Umbruchs und der Krisen, positiver wie negativer, spielen seit jeher eine Rolle beim Filmfestival Go East. Vom 22. bis 28. April sind in Wiesbaden und Frankfurt 110 Kurz- und Langfilme zu sehen, die nicht nur die Filmlandschaft Mittel- und Osteuropas präsentiert.

          2 Min.

          Zeiten des Umbruchs und der Krisen, positiver wie negativer, spielen seit jeher eine Rolle beim Filmfestival Go East. Ist es doch aus dem Umbruch in Mittel- und Osteuropa entstanden: Als es im Jahr 2000 von der Direktorin des Deutschen Filminstituts (DIF), Claudia Dillmann, ins Leben gerufen wurde, war das reiche Filmschaffen dieser Länder eine Art weißer Fleck auf der Landkarte auch begeisterter Kinogänger. Daran dürfte sich, auch dank Go East, einiges geändert haben, mag Nadja Rademacher, die seit September 2008 nach der langjährigen Leiterin Christine Kopf dem Festival vorsteht, auch bedauern, dass viele immer noch glaubten, Wiesbaden liege näher an Madrid als an Kiew.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Vom 22. bis 28. April sind im Wiesbadener Kino Caligari, im Kino Alpha und im Kino des Deutschen Filmhauses, in Frankfurt im Kino des Filmmuseums, 110 Kurz- und Langfilme zu sehen, die nicht nur die aktuelle und vielfältige Filmlandschaft Mittel- und Osteuropas präsentieren. Gestern und Morgen mit Blick auf die Zukunft zu zeigen, sieht das vom DIF veranstaltete Festival als seine Aufgabe.

          Dazu gehören stets mehrere Rückblicke: zum einen die Go-East-Hommage, die der russischen Filmautorin Kira Muratova gewidmet ist, die während der ganzen Festival-Woche in Wiesbaden zu Gast sein wird. In der Reihe „Porträt“, die jüngere Filmemacher vorstellt, die den Umbruch 1989 bewusst erlebt haben, wird der Tscheche Jan Svrk vorgestellt, der 1989 den Studenten-Oscar und 1996, für „Kolja“, den Oscar gewonnen hat. Einen weiteren Rückblick gewährt die Filmreihe zu dem wissenschaftlichen Symposion, das sich 20 Jahre nach dem Mauerfall mit „Filmischen Vorboten der Wende“ befasst und außergewöhnliche, politische Filme aus den achtziger Jahren zeigt. Für die Zukunft stehen wieder der Hochschulwettbewerb und Reihen hiesiger und osteuropäischer Filmstudenten; außerdem wird zum dritten Mal der Förderpreis für deutsch-osteuropäische Koproduktionen der Robert-Bosch-Stiftung vergeben. Dillmann sagte, alle Unterstützer seien dem Festival treu geblieben, trotz der derzeitigen Wirtschaftskrise.

          Im Herzen des Festivals steht der Wettbewerb um den besten Spiel- und Dokumentarfilm, außerdem werden die beste Regie und künstlerische Originalität ausgezeichnet. Swetlana Sikora hat als künstlerische Leiterin das opulente Programm aus mehr als 20 Ländern und auch, aus Hunderten von Einsendungen, den Wettbewerb zusammengestellt. Die Jury, der unter anderem die Schauspielerin Julia Jentsch angehört, und der mit Jerzy Stuhr einer der renommiertesten polnischen Schauspieler und Regisseure vorsitzt, dem die diesjährige Matinee gewidmet sein wird, muss sich, ebenso wie die Jury der internationalen Filmkritik FIPRESCI, zwischen zehn Spiel- und sechs Dokumentarfilmen entscheiden. Einige der Regisseure sind zum zweiten oder dritten Mal bei Go East vertreten, so der Russe Aleksej Balabanov mit „Morphin“ oder der Kasache Rustem Abbdrashov mit „Geschenk an Stalin“. Ein Zeichen, sagt Sikora, dass Go East bei den Filmleuten Osteuropas auf immer größeres Interesse stößt. Mehr als 200 Gäste kommen zum Festival, das eine Ausstellung, Musik, Lesungen und tägliche Filmgespräche im Bellevue-Saal einschließt. Bisher sind auch jedes Jahr mehr Zuschauer gekommen: Im vergangenen Jahr waren es 9500.

          Weitere Themen

          Das große Raunen

          Sisters of Mercy in Wiesbaden : Das große Raunen

          Bei ihrem Auftritt im Wiesbadener Schlachthof spielen The Sisters of Mercy zum ersten Mal sei fast dreißig Jahren neue Songs. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Band völlig außer Form ist.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.