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Urlaub daheim mit Kindern : Auf geht’s in den heimischen Wilden Westen!

  • -Aktualisiert am

„Schau mal, dahinten!“: Weil das Gelände der Alten Fasanerie in Hanau mehr als 100 Hektar groß ist, sind nicht alle Tiere stets aus nächster Nähe zu sehen. Bild: Alex Westhoff

Auge in Auge mit Wolf und Wisent: Ein Ausflug mit den Kleinen in die Wildparks von Wiesbaden und Hanau kann eigentlich kaum misslingen. Ein Tipp zum Zeitvertreib in den Sommerferien.

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          Da steht er in voller Pracht in seinem Revier, den mächtigen Kopf leicht geneigt. Fast eine Tonne bringt der Bulle auf die Waage. Nicht despektierlich gemeint: Aber das sieht man ihm auch an, dem Wisent. Was für ein Waldkoloss! „Boah“, flüstern sich die beiden beeindruckten Fünfjährigen zu. Die beiden Achtjährigen sind wie in einen Bann gezogen von der Herde. „Das“, sagt einer von ihnen, „sind Büffel, wie früher bei den Indianern im Wilden Westen.“ Und nun stehen sie im wilden Hessen? Nicht ganz. Die Wisente, auch Europäischer Bison genannt, leben im Wildpark Alte Fasanerie in Hanau/Klein-Auheim. Als eine von 35 einheimischen Arten, die dort in großen, naturnahen Gehegen gehalten werden.

          Man kann festhalten: Ein Ausflug dorthin kann eigentlich kaum misslingen. Weil es für Eltern und Kinder mitten in einem Mischwald viel zu sehen und zu entdecken gibt. Weil es von Spielplätzen bis hin zum Ponyreiten genug Abwechslung gibt, über das reine Erspähen der Wildtiere hinaus.

          Die Alte Fasanerie ist, zumal an Wochenenden, sicher kein Geheimtipp für Ausflügler. Die Kennzeichen auf dem großen Parkplatz verraten, dass hier nicht nur Hanauer Waldspaziergänger angezogen werden, sondern auch Familien aus ganz Rhein-Main Kind und Kegel aus ihren Autos laden. Doch im Park hat man nie das Gefühl, dass man sich gegenseitig auf den Füßen steht. Dafür sorgt schon das schiere Ausmaß des Geländes mit mehr als 100 Hektar und mehr als 15 Kilometer Wanderwegen. Das Areal ist eben und überwiegend schattig, was an heißen Sommertagen angenehm ist.

          „Luchs, komm raus. Wo bist Duuuu?“

          Tipp: Für die Kleinen ein Laufrad mitbringen. Denn in der Alten Fasanerie geht es nicht wie im Zoo von einem Gehege direkt zum nächsten. Die Areale für die Tiere sind so weitläufig, dass dazwischen stets ein Fußmarsch nötig ist. Was die Kleinen schon mal zum Quengeln veranlasst. Zumal das Glück den kleinen Waldläufern und Wildspähern nicht immer hold ist, weil die Tiere ausreichend Gelegenheit haben, sich zurückzuziehen und vor den Besucherblicken zu verbergen. Bei unserem Besuch an einem sonnigen Samstag haben wir mal Glück: Elchkuh Jule verbringt den Mittag mit zaunnahem Äsen – die Kinder können aus der Nähe staunen über ihre enorme Schulterhöhe. Und mal Pech: „Luchs, komm raus. Wo bist Duuuu?“

          In Wiesbaden ist das Füttern der Tiere auch in Corona-Zeiten erlaubt.
          In Wiesbaden ist das Füttern der Tiere auch in Corona-Zeiten erlaubt. : Bild: Alex Westhoff

          Die Großen zieht es dann flugs weiter zu den Wölfen. Die Alte Fasanerie beherbergt neben den grauen Europäischen Wölfen auch Polarwölfe. Seit in Hanau im Jahr 2004 mit der Aufzucht dieser Unterart mit dem weißen Fell begonnen wurde, hat der Wildpark einen gehörigen Schub an Popularität erfahren. Nun sollte man nicht unbedingt damit rechnen, Auge in Auge mit dem vermeintlich bösen Wolf zu stehen. Aber einen Blick auf die Tiere erhascht man beim Marsch entlang des Zauns irgendwann eigentlich immer. Wobei die Polarwölfe sich im Wald freilich farblich besonders gut abheben vom Untergrund.

          Glück benötigt man derzeit noch, um die beiden Neuzugänge kennenzulernen. Das Brüderpaar mit den historisch klangvollen Namen Romulus und Remus hat Ende Juni eine Reise durch Hessen unternommen. Aus dem Wildpark Edersee nach Klein-Auheim zu ihrer Adoptivmutter Leyla, die sich der beiden fremden Welpen sofort liebevoll angenommen hat. Die fürsorgliche Mutter hält die Brüder meist noch versteckt.

          Coronabedingt finden aktuell keine Fütterungen statt, denen Besucher beiwohnen können. Auch wird kein Tierfutter mehr verkauft. Einen Besuch lohnt die Falknerei im Park (Extraeintrittsgebühr, www.falknerei-hanau.de), auch wenn die Flugvorführungen mit dem engagierten Falkner derzeit nicht stattfinden können.

          Den Kindern gefällt's

          Nach der Stärkung vom Imbisswagen, aus dem die Bratwürste mit Pommes im hohen Takt gereicht werden, soll aus dem reinen Tierebeobachten ein aktives Tierereiten werden. Für sportliche vier Euro je Kind im Sattel können Eltern ein Pony auf einem kleinen Rundkurs führen. Immerhin: Die Jungs an der Pony-Station sind cool drauf und achtsam mit den Tieren. Und ja, den Kindern gefällt’s. Zum Abschluss noch ein letztes Mal zurück zu den Wildschweinen. Ein lustiges Bild, wenn die Frischlinge den Bachen mitten durch die Suhle folgen und ihnen das Wasser fast bis zum Halse steht.

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