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Frankfurt weiter Covid-Hotspot : „Auf Halloween-Umzüge in Corona-Zeiten besser verzichten“

Virulent: Das Offenbacher Rathaus rät von Halloween-Umzügen in Corona-Zeiten ab Bild: dpa

Im deutschen Corona-Hotspot Frankfurt verharrt das Infektionsgeschehen auf sehr hohem Niveau. Offenbach verzeichnet einen Sprung nach oben. Für ganz Südhessen gilt mit einer Ausnahme die höchste Warnstufe.

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          In Offenbach vollführt der zentrale Corona-Kennwert, die Sieben Tage-Inzidenz, wilde Bewegungen. Nach zwischenzeitlich fast 180 neuen Covid-19-Fällen innerhalb von sieben Tagen unter 100.000 Einwohnern ging es laut Robert-Koch-Institut jüngst abwärts bis auf knapp 130, nun aber schreibt sich die Stadt selbst einen Wert von 205,7 zu. Das ist deutlich mehr, als das in der Seuchenbekämpfung federführende Robert-Koch-Institut für die Stadt am Morgen ausgewiesen hat. Zudem liegt die Inzidenz wieder leicht höher als in Frankfurt. Die Stadt Offenbach rät dringend davon ab, dass Kinder in diesem Jahr an Halloween von Haustür zu Haustür ziehen, um Süßigkeiten einzusammeln. Auch die Martinsumzüge sollten nur dann stattfinden, wenn die Teilnehmer Masken tragen.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zwölf Prozent der am Dienstag neuen bestätigten Covid-19-Fälle im Bund entfallen auf Hessen. Das folgt aus den aktuellen Daten des Robert-Koch-Instituts. Der Anstieg um 1349 Corona-Neuinfektionen in Hessen ist stärker, als der Bevölkerungsanteil dieses Bundeslandes vermuten ließe. Dieser beträgt acht Prozent. 1349 ist der zweithöchste gemeldete Wert seit Beginn der Pandemie im März.

          In Frankfurt, dem Hotspot unter den deutschen Metropolen, bewegt sich das Infektionsgeschehen weiter auf sehr hohem Niveau. Die Kennziffer, die die binnen Wochenfrist gemeldeten neuen Fälle unter 100.000 Einwohnern ausweist, ist über Nacht von knapp 200 wieder über diese Marke gestiegen. Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz beträgt nun 202 und liegt knapp unter dem bisherigen Rekord von 205. Nach Angaben des RKI hat Frankfurt 6813 Infektionen seit März gemeldet, nach 6658 zu Wochenbeginn. Um die Einhaltung der Corona-Regeln besser kontrollieren zu können, hat die Stadt am Montag die Bundespolizei um Hilfe gebeten.

          Aschaffenburg noch unter 50

          Das RKI weist für Offenbach einen Inzidenzwert von  162 nach 178 aus. Die Kluft zu den neuen Angaben der Stadt erklärt sich damit, dass das Bundesinstitut die Angaben aus den einzelnen Kommunen doppelt prüft und erst dann die Daten veröffentlicht. So oder so bleibt die Frankfurter Nachbarstadt aber ebenso auf  der höchsten Warnstufe nach dem Eskalationskonzept des Landes (siehe Grafik). Das gilt jetzt auch für ganz Südhessen außer dem Kreis Bergstraße. Die Landeshauptstadt Wiesbaden hat gut 147 neue Fälle binnen Wochenfrist unter 100.000 Einwohnern zu Buche stehen, Darmstadt fast 141 und der Main-Kinzig-Kreis mit Hanau im Zentrum 122,5. Mainz kommt auf knapp 103.

          Im Main-Taunus-Kreis beschränken Kindergärten angesichts der allgemein steigenden Neuinfektionen für Eltern und Großeltern den Zugang. Nur im Werra-Meißner-Kreis liegt der Inzidenzwert noch unter 50. Das gilt auch für Aschaffenburg.

          Sechs weitere Todesfälle in Verbindung mit der Pandemie gibt es offiziell zu beklagen. Laut des kurz RKI genannten Bundesinstituts zur Seuchenbekämpfung sind bisher 617 der insgesamt 34.200 gemeldeten Infizierten an den Folgen von Corona gestorben. Zu Monatsbeginn waren nur gut 19.000 Infektionen seit März und 551 Corona-Opfer in Hessen bekannt. Diese Zahlen zeigen die Dynamik der Pandemie in den vergangenen Tagen.

          Erfreulicher neuer Höchstwert

          Das wirkt sich aber auch auf die Gruppe der Genesenen aus. Das RKI geht nun von 22.600 Personen aus, die ihre Covid-19-Infektion hinter sich haben. Das sind 500 mehr als am Vortag. Zuvor war die Zahl der Genesenen über Nacht meist in Hunderter- oder Zweihunderter-Schritten gestiegen. Dass die Zunahme nun Fahrt aufnimmt, liegt an dem starken Anstieg der Neuinfektionen seit Anfang Oktober. Eine Infektion gilt nach gut zwei Wochen als ausgestanden. Wer dann nicht ärztlich betreut wird, wird laut RKI unter den Genesenen geführt. Das Institut schätzt ihre Zahl; amtlich erhoben wird sie nicht. Rechnerisch kommen 37,2 Genesene auf ein Corona-Opfer, ein neuer Höchstwert.

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