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Familienunternehmen Dielmann : Auf Frauen ist Verlass beim Schuhkauf

  • -Aktualisiert am

„Wir wollen in Zukunft jedes Jahr eine neue Filiale eröffnen”: Markus und Thomas Dielmann (rechts), Geschäftsführer des Schuhandels Dielmann in Darmstadt Bild: Marcus Kaufhold

Jedes Jahr eine neue Filiale: Der Schuh-Filialist Dielmann aus Darmstadt besteht seit 75 Jahren. Das Unternehmen feiert aber ohne goldenen Lorbeerkranz auf dem Schaufenster.

          Nach 75 Jahren Schuhe verkaufen steht eine schon immer vermutete Erkenntnis fest: Auf Frauen ist Verlass. Wie lange Thomas und Markus Dielmann das schon wissen, ist nicht bekannt – dessen ungeachtet werden sie vermutlich nie davon abrücken, in ihren Schuhgeschäften den Damenabteilungen den meisten Platz zu geben. Denn: „Entweder kommen Frauen allein zum Schuhe schauen, oder sie begleiten ihre Kinder oder Männer“, sagt Thomas Dielmann. Was die Lichtgeschwindigkeit im Weltall ist, sind Frauen für den Schuhhandel: eine unveränderliche Konstante.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Das freut Thomas Dielmann und seinen Bruder Markus. In der dritten Generation führen sie gemeinsam den gleichnamigen Schuhfilialisten aus Darmstadt. Dass nun ein Dreivierteljahrhundert hinter dem Unternehmen liegt, hat sie nach eigener Aussage überrascht. Deswegen wollten sie „kein großes Ding“ daraus machen. Und für Thomas Dielmann ist die Vorstellung, dass auf allen Schaufensterscheiben ein goldener Lorbeerkranz die Jubiläumszahl umrahmt, ganz furchtbar.

          Boykottiertes Schuhhaus Speyer übernommen

          Die Großeltern der heutigen Geschäftsführer übernahmen 1935 das boykottierte Schuhhaus Speyer in der Ludwigstraße 16 in Darmstadt von einer jüdischen Familie, die noch rechtzeitig nach Amerika auswandern konnte. Mit der Zeit entstanden neue Filialen, nie weiter als 150 Kilometer von Darmstadt entfernt. So ist es auch noch heute. „Wir wollen in Zukunft jedes Jahr eine neue Filiale eröffnen“, sagt Markus, der jüngere der beiden Brüder. Dieses Jahr kamen ein Geschäft in Heidelberg und eines im Hessen-Center in Frankfurt dazu. Mit insgesamt 24 Standorten zählt Dielmann immerhin zu den 15 größten Schuhhandels-Unternehmen in Deutschland.

          Wachsen will das Unternehmen außerdem durch Übernahmen. Zur Dielmann-Gruppe gehören auch Schuh Braun und die Sportgeschäfte Hübner, bis vor einigen Jahren eigenständige Unternehmen.

          Outsourcing kein Thema

          Die Brüder haben sich einmal „fanatische Zentralisten“ genannt – was nicht nur auf ihren kleinen Verbreitungsradius bezogen werden kann, sondern auf die gesamte Struktur des Unternehmens. Von Outsourcing hält der ältere Bruder „überhaupt nichts“. Schon als Dielmann die Reinigung der Schuhgeschäfte an einen anderes Unternehmen vergeben habe, habe es Schwierigkeiten gegeben.

          Doch alles in den eigenen Händen zu belassen erfordert viel Zeit und Wissen. Das ist der Hauptgrund, weshalb es zwar einen Internetauftritt von Dielmann gibt, aber keinen Online-Shop. Dabei hat man dank der Werbung des Konkurrenten Zalando das Gefühl, dass Schuhe heute hauptsächlich über das Internet verkauft werden. Grundsätzlich sind die Geschäftsführer nicht gegen ein virtuelles Schuhgeschäft. „Für uns ist die Kommunikation mit dem Kunden sehr wichtig. Dass auch im Internet umzusetzen ist eine große Herausforderung“, sagt Markus Dielmann.

          Mit Eigenmarken flexibler auf Trends reagieren

          Und dann sind da vielleicht doch auch noch die Bedenken eines Schuhliebhabers. Schließlich könne man Schuhe, die man im Internet sehe, nicht anfassen und nicht fühlen, ob das Leder weich oder die Sohle hart ist.

          Ein Hobby, das die Brüder noch als Kinder hatten, nämlich das Zuordnen eines Kunden zu einem Schuhtyp, funktioniere heute nicht mehr. Mittlerweile sei die Schuhmode zu unterschiedlich. Trotzdem bestehe die Gefahr, dass sich dank großer Marken das eigene Sortiment zu wenig von dem des Konkurrenten 100 Meter weiter unterscheide. Aus diesem Grund, und weil das Unternehmen erklärtermaßen flexibler auf Trends reagieren will, gibt es längst sechs Schuheigenmarken von Dielmann.

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