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Offene Fragen im Fall Lübcke : Noch nicht vorbei

Wie oft wird der Hammer im Fall Lübcke klopfen müssen? Die Hintergrunddetails werfen Fragen auf. Bild: dpa

Ein tröstlicher Gedanke: In Zeiten der hochtechnologisierten Kriminalwissenschaft ist es schwierig geworden, unerkannt ein Verbrechen zu begehen. Nun gibt es im Fall Lübcke ein Geständnis. Und trotzdem wirft der Blick auf die Hintergründe noch viele Fragen auf.

          Die Akte des mutmaßlichen Mörders Stephan E. ist noch nicht geschlossen. Auch nach dem Geständnis nicht, das er inzwischen abgelegt hat. Für die Ermittler beginnt nun die schwierige Phase der Verifizierung. Und die spannendste Frage lautet: Handelte der 45 Jahre alte Verdächtige, der die Tat offenbar über lange Zeit penibel geplant und vorbereitet hatte, wirklich allein? Es bleiben Zweifel.

          Umso beachtenswerter ist es, dass die polizeiliche Arbeit offenbar funktioniert. Innerhalb weniger Wochen scheint dieser Fall, in dem anfangs alles möglich schien, nahezu geklärt. Viele hatten schon spekuliert, dass der Täter, sofern es sich um eine politische Tat handelt, möglicherweise niemals gefasst wird. Am Ende war es wie in vielen anderen Fällen die Kriminalwissenschaft, die den Durchbruch brachte. Eine Hautschuppe hat ausgereicht, um Stephan E. als mutmaßlichen Täter in den Fokus der Ermittler zu rücken.

          Allein das zeigt, wie schwierig es in Zeiten der hochtechnologisierten Kriminalwissenschaft geworden ist, ein Verbrechen zu begehen. Das ist ein tröstlicher Gedanke. Die Zeiten, in denen ein Täter einen Tatort verlassen kann, ohne irgendeine Spur zu hinterlassen, sind offenbar vorbei. Zwar wird vor keinem Gericht ein DNA-Abgleich allein zur Verurteilung führen. Wohl aber kann er, wenn die Spur richtig gedeutet wird, den Weg in die richtige Richtung weisen.

          Es wird weiter zu klären sein, wie die Tat im Detail geplant worden ist und wann. Wenn es stimmt, dass Stephan E. schon seit 2015, seit der umstrittenen Äußerung Walter Lübckes zur Flüchtlingspolitik auf der Bürgerversammlung in Lohfelden, den Regierungspräsidenten im Fokus hatte und gegen ihn hetzte, so stellt sich die Frage, warum das niemandem aufgefallen ist. Eigentlich sollte so jemand, zumal mit einer derart gewalttätigen und extremistischen Vergangenheit, doch ganz oben auf der Liste jener Personen stehen, die die Behörden im Blick haben. Waren seit 2009 wirklich keine Aktivitäten mehr von Stephan E. zu verzeichnen, wie es in den vergangenen Tagen immer wieder hieß, oder hat man sie nur nicht gesehen? Vieles in dem Fall ist weiterhin ungeklärt.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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