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F.A.Z. Bürgergespräch in Mainz : Am neuen Stadtteil scheiden sich die Geister

Mainzer Kandidatenriege: Michael Ebling (SPD, von rechts), Nino Haase (parteilos) und Tabea Rößner (Die Grünen) neben F.A.Z.-Redakteur Markus Schug Bild: Cornelia Sick

Beim Bürgergespräch der F.A.Z. zur Mainzer Oberbürgermeisterwahl werden klare Unterschiede deutlich. Auch die Rathaussanierung bleibt umstritten.

          4 Min.

          Oberbürgermeisterwahlen sind Persönlichkeitswahlen, aber den Bürgern fällt ihr Votum umso leichter, wenn sich die Kandidaten nicht nur in Auftritt und Habitus, sondern auch mit ihren Meinungen und Positionen deutlich voneinander abgrenzen. Solche Differenzen gab es reichlich bei dem vom Mainzer Korrespondenten dieser Zeitung, Markus Schug, moderierten Bürgergespräch. Geladen waren die drei aussichtsreichsten Kandidaten für die Abstimmung am 27.Oktober: Tabea Rößner, (Die Grünen), Nino Haase (parteilos) und Amtsinhaber Michael Ebling (SPD). Sie lieferten sich in der „Kulturei“ an der Zitadelle einen munteren Schlagabtausch, der den fast 200 Zuhörern die Wahlentscheidung deutlich erleichtert haben dürfte.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Streitpunkt Rathaus: Der von Arne Jacobsen entworfene Bau ist nach Ansicht von Haase das falsche Haus am falschen Platz. Er hält die zwischenzeitlich beschlossene Sanierung für das risikoreichste Projekt der nächsten Jahre und würde die Verwaltung gern andernorts unterbringen, weil er das denkmalgeschützte Bauwerk aus den Siebzigern für „denkbar ungeeignet“ hält, um eine moderne Stadtzentrale unterzubringen. Sein Wunsch, dem künftigen Oberbürgermeister, der das Amt offiziell erst im April 2020 antreten wird, noch Einflussmöglichkeiten zu geben, wird sich aber nicht erfüllen.

          Sanierung des Rathauses soll im nächsten Jahr beginnen

          Laut Ebling wird die mit Kosten in Höhe 65 Millionen Euro veranschlagte Sanierung im nächsten Jahr beginnen; die Verwaltung wird übergangsweise in die ehemalige Westdeutsche Immobilienbank an der Großen Bleiche ziehen. Das findet auch die Zustimmung von Rößner, die Deutschlands erste Oberbürgermeisterin werden will, die den Grünen angehört. Sie misst dem 45 Jahre alten Rathaus eine „kulturhistorische Bedeutung“ zu und gibt nicht dem Bau selbst den Status „besonderer Hässlichkeit“, sondern dem „Waschbetonplatz drumherum“. Weiche dieser Platz einer grünen Wiese, könne das Rathaus nicht länger als hässlichen Entlein, sondern als schöner Schwan wahrgenommen werden. Ein Schwan, der laut Ebling und Rößner Verwaltungssitz bleiben wird und soll. Wie geteilt die Stadt in dieser Frage ist, zeigte die Abstimmung im Saal: Knapp zwei Drittel stimmte Ebling und Rößner zu, gut ein Drittel könnte mit dem Verkauf gut leben.

          Während in Sachen Rathaus also Fortschritte zu erwarten sind, geht es mit dem Gutenberg-Museum nicht voran. Ebling widersprach der Einschätzung des Moderators nicht, dass der Bürgerentscheid gegen den Bibelturm den Tiefpunkt seiner achtjährigen Amtszeit markierte. „Nun ist alles auf Null gestellt“, sagte Ebling. Er will auf den Konsens warten, den eine „Arbeitswerkstatt“ aller Beteiligten finden soll. Rößner hält den gegenwärtigen Zustand für ein „Trauerspiel“ und der Landeshauptstadt für „unwürdig“. Sie hoffe auf Impulse durch eine Mainzer Bewerbung als Europäische Kulturhauptstadt, was Ebling jedoch als ferne Vision abtat. Haase warb dafür, das Projekt „neu zu denken“ und Gutenberg in die Moderne zu holen. Ebling will vor allem ein überzeugendes Konzept, um Bund und Land als Träger miteinzubeziehen. Gutenberg steht jedenfalls, das wurde deutlich, noch eine längere Hängepartie bevor.

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