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F.A.Z. Bürgergespräch in Mainz : Am neuen Stadtteil scheiden sich die Geister

„Noch viel Luft nach oben“ beim Radverkehr

Deutlich größer waren die unterschiedlichen Akzente bei der Stadtentwicklung am Beispiel Ludwigstraße. Während Haase dafür plädierte, erst von Seiten der Stadt Konzepte zu entwickeln und dann Investoren zu suchen, um ihnen klare Vorgaben zu machen, nannte Ebling das naiv. „Was nützen Vorgaben, wenn sich niemand findet, um sie zu realisieren?“, fragte der Rathauschef. Eine funktionierende Einkaufstraße zu entwickeln sei nicht die Aufgabe der Stadt. Rößner kritisierte, dass dann am Ende Konzepte verwirklicht würden, die nicht überzeugten. Sie stellte die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines Hotels an diesem Standort und hakte rhetorisch nach: „Wären dort Wohnungen nicht sinnvoller gewesen?“ Die Sache scheint entschieden. Ebling zufolge wird mit dem ersten Bauabschnitt noch in diesem Jahr begonnen.

Und wie kommen die Bürger aus den Ortsteilen in die Innenstadt? Hoffentlich mit dem Fahrrad, darin waren sich die drei Kandidaten weitgehend einig. Dass die Stadt bislang zu wenig getan habe, um ein gutes Radwegenetz zu etablieren, wie Rößner und Haase kritisierten, gab Ebling unumwunden zu. In den vergangenen Jahren habe der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs Vorrang gehabt. Beim Radverkehr sei „noch viel Luft nach oben“. Ob das auch für die Kaiserstraße gilt, in der sich Rößner eine Radspur wünscht, blieb umstritten, denn für Haase ist das Radeln dort „Mist“.

Darüber hinaus gehört der Nahverkehr schon wegen der Citybahn zu den bewegenden Themen. Rößner will unbedingt die Verbindung von Mainz über Wiesbaden in den Untertaunus und sieht sogar positive Wirkungen für den Verkehr auf der Theodor-Heuss-Brücke, was im Publikum ein ungläubiges Raunen provozierte. Für Haase hingegen geht die Citybahn an den Mainzer Bedürfnissen vorbei, zumal es schon eine „Citybahn“ gebe: „Das ist die S8.“ Für 70 Meter lange Straßenbahnzüge sei in Mainz kein Platz, die 100 Jahre alte Straßenbahntechnik sei nicht zukunftsgewandt.

Ganz anders sieht das Ebling. „Die Schiene hat Zukunft“, sagte der Oberbürgermeister und verwies auf die Renaissance der Tram in vielen Kommunen Europas. Auch wenn Mainz auf den Bürgerentscheid in Wiesbaden warten muss, zeigte sich Ebling zuversichtlich: In acht Jahren werde die Tram über die Brücke nach Wiesbaden fahren.

Beidseitig des Rheins bleibt die Wohnungsfrage eine drängende. Braucht Mainz ebenso wie Wiesbaden und Frankfurt neue Stadtteile? Rößner zeigte sich skeptisch, sie will eher weiter verdichten und keinesfalls Mainz von der Kalt- und Frischluftzufuhr abschneiden. Haase und Ebling halten neue Quartiere für unerlässlich: Haase den „Layenhof“, eine 15 bis 20 Hektar große Fläche an der Grenze zum Kreis Mainz-Bingen, was eine Kooperation nahelege. Ebling hält in den nächsten Jahren den Bau von bis 9000 Wohnungen schon jetzt für möglich. Die Nachverdichtung, auf die Rößner auch durch die Aufstockung von Einkaufsmärkten setzt, ist aus seiner Sicht an ihre Grenzen gekommen. Auf lange Sicht gibt er einem Quartier zwischen Ebersheim und Hechtsheim den Vorzug, will den Layenhof aber „vorurteilsfrei“ prüfen.

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