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Exotische Schädlinge : Unerwünschte Krabbler im Frachtraum

  • -Aktualisiert am

Ungebetener Gast: Der Maiswurzelbohrer aus Mittelamerika macht sich in Europa breit Bild: Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Heute in China, morgen in Frankfurt: Der rasend schnelle globale Warenstrom bringt auch exotische Schädlinge als „blinde Passagiere“ in alle Welt. Die Landwirtschaft kostet das jährlich Milliarden.

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          Sie heißen „Auberginenbohrer“ oder „Plötzliches Eichensterben“ und kommen mit Fluggesellschaften wie Air India oder South African Airlines. Manche fliegen auch mit der Lufthansa, sitzen in Nischen großer Pakete oder Containern. In Pflanzen, Früchten oder in Holzspänen, die zum Warentransport benötigt werden, warten exotische Käferlarven, kleine Fliegen oder Pilze, bis sie wieder aus den Frachträumen ins Freie kommen. Auch sie sind gewissermaßen Gewinner der Globalisierung: Wo Flugzeuge oder Schiffe sie in kurzer Zeit hinbringen, wären sie früher nie gelangt. Feinde haben sie in der neuen Umgebung meist nicht, und so können sie sich ungestört ausbreiten. In der Landwirtschaft verursachen diese Schädlinge in einigen Ländern jährlich Schäden in Milliardenhöhe.

          Karl Gese kennt das Problem. Der Wissenschaftler steht im Labor des hessischen Pflanzenschutzdienstes am Frankfurter Flughafen und sieht aus dem Fenster auf die beiden Landebahnen. Zwei Flugzeuge haben an der Rückseite des Perishable Center geparkt, worin der Dienst untergebracht ist. Der Flughafen ist eine Außengrenze der Europäischen Union. Mehr als 25.000 Lieferungen von Früchten und Pflanzen aus fernen Regionen treffen dort jährlich ein. Das seien nicht so viele wie in großen Seehäfen, dafür sei die Ware aber hochwertiger, sagt Gese. Zwar sollte gemäß internationalen Abkommen schon bei der Ausfuhr kontrolliert werden, aber nicht überall auf der Welt seien die Prüfer gleich streng.

          In der Landwirtschaft geht die Angst um

          Fast 2700 Tonnen Früchte, mehr als 7600 Tonnen Schnittblumen: Lastwagen transportieren die Importware vom Flughafen ins In- und Ausland weiter. Im Perishable Center werden die Lieferungen registriert und kontrolliert. „Wir funktionieren wie ein Flaschenhals“, sagt Gese, der die „Phytosanitäre Grenzkontrollstelle Frankfurt am Main-Flughafen“ leitet, wie der in Gießen angesiedelte Hessische Pflanzenschutzdienst den Posten nennt.

          Zwei Kühlschränke, einige Mikroskope, Computer und wenige Quadratmeter Arbeitsfläche: Die Mittel des Labors wirken bescheiden. Aus den Massen an Gewächsen, die in den großen Lagerräumen einige Stockwerke weiter unten ankommen, könne man nur Stichproben nehmen, sagt Gese. Nach der Landung sollen die Waren binnen drei bis fünf Stunden auf einen Lastwagen verladen werden, so die Vorgabe der Transportunternehmen. Die Händler von Blumen, Pflanzen und Früchten bestehen auf frischer Ware. Den Kontrolleuren bleibt wenig Zeit, um die Lieferung auf Schädlingsbefall zu untersuchen. Auf der Arbeitsfläche des Labors am Flughafen stehen Schnittblumen und Kürbisse aus Asien, auf einem Brett liegen zerschnittene Auberginen aus Afrika. Eine Mitarbeiterin prüft winzige Fliegen in einem Glasgefäß. In der Regel können solche Schädlinge in einem Hunderte Seiten starken Register der EU nachgeschlagen werden. Neulich aber seien seine Mitarbeiter bei der Kontrolle einer Lieferung aus Ghana auf den Auberginenbohrer gestoßen, der bislang noch nicht aufgelistet sei, berichtet Gese. Demnächst werde auch dieser Falter im Schädlingskompendium stehen.

          Zwar kann tropisches Ungeziefer wie der Auberginenbohrer in Mitteleuropa nur in Gewächshäusern überleben, andere Arten fühlen sich hierzulande aber schnell heimisch und überleben auch den Winter. Nach dem immensen Schädlingsbefall in Amerika und in Südosteuropa in den vergangenen Jahren geht in der Land- und Forstwirtschaft die Angst um, auch in Deutschland könnte sich exotisches Ungeziefer dauerhaft ansiedeln.

          Bäume im Central Park in New York befallen

          Ein Schädling, der den Bauern im europäischen Ausland seit Jahren Probleme macht, ist der Maiswurzelbohrer. Ursprünglich stammt er aus Mittelamerika. Experten nehmen an, dass er zu Beginn der neunziger Jahre mit einer Maislieferung aus den Vereinigten Staaten nach Serbien eingeschleppt wurde. Inzwischen hat er sich vor allem in Süd- und Südosteuropa ausgebreitet und frisst sich dort als Larve oder ausgewachsener Käfer durch Wurzeln, Blätter und Früchte. In Europa verursacht er jährlich Schäden von mehreren hundert Millionen Euro, in den Vereinigten Staaten liegt der Schaden bei rund einer Milliarde Dollar. Und im vergangenen Sommer haben Wissenschaftler den Schädling auch in Niederbayern und in Südbaden gesichtet.

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