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Eva Briegel (“Juli“) : Die Tochter vom Karl-Heinz

„Juli”-Sängerin Eva Briegel Bild: F.A.Z. - Thomas Brill

„Es gibt Leute, die sich zu unserer Musik kennengelernt haben und ihr Kind ,Juli' nennen wollen“, sagt Eva Briegel. Im Interview berichtet die Sängerin, welche Kuriositäten sie auf Tour sonst noch erlebt und wie sie mit gehässigen Kommentaren umgeht.

          3 Min.

          Das Lied „Die perfekte Welle“ spülte die Gießener Band in die Spitze der Hitparaden. Derzeit tourt die Gruppe durch Deutschland und Österreich. Im Interview spricht Sängerin Eva Briegel über mitreisende Fans, gehässige Kommentare und die Treue zu sich selbst.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Sie touren jetzt wieder quer durch die Republik. Wie geht es Ihnen dabei?

          Och, ganz gut. Etwa 50 Prozent der Konzerte sind seit längerem ausverkauft, und für die übrigen werden die restlichen Karten an der Abendkasse verkauft.

          Bambi für die Band „Juli” (2006)

          Hat auch „Juli“ Fans, die der Gruppe so treu sind, dass sie ihr nachreisen?

          Ja, das gibt's. Bei den meisten Konzerten steht ein Mädchen in der ersten Reihe. Die ist etwa 17 und gibt ihr Erbe dafür aus, dass sie uns sehen kann.

          Wie bitte?

          Ja, die gibt ihr Erbe aus. Das hat sie uns gesagt, als wir sie einmal gefragt haben, wie sie sich das leisten kann und ob sie nicht zur Schule gehen muss. Da hat sie uns gesagt, dass sie geerbt und die Schule abgebrochen hat und uns hinterherfährt.

          Klingt abenteuerlich. Wie denken Sie darüber, wenn jemand für eine Band sein Geld auf den Kopf haut?

          Einerseits ist das schmeichelhaft, andererseits machen wir uns schon Sorgen. Jeder von der Band hat schon versucht, das Mädchen davon zu überzeugen, dass es das nicht sein kann, was sie macht. Ich glaube, das Mädchen sucht bei unseren Konzerten Kontakte und trifft für einen Abend Gleichgesinnte, „Freunde“ - dass das also ihre Motivation ist.

          Tragen Sie solche Geschichten länger mit sich herum?

          Auf jeden Fall. Ich bin immer wieder schockiert, welche Verantwortung wir in die Hände gegeben bekommen, die wir gar nicht wollen. So gibt es Leute, die sich zu unserer Musik kennengelernt haben und ihr Kind „Juli“ nennen wollen. Oder manche möchten, dass ich beim Konzert ihren Heiratantrag moderiere. Das mache ich aber nicht. Das ist mir viel zu viel. Auch wenn ich es schön finde, wenn Leute unsere Geschichten weiterdrehen.

          Ihr derzeitiger Erfolg zeigt, dass „Juli“ kein „one hit wonder“ ist, was Sie aber vor der Veröffentlichung des zweiten Albums nicht wissen konnten. Wie haben Sie dem Druck standgehalten, wieder Hits schreiben zu müssen?

          Zunächst einmal bin ich sehr erleichtert, dass es geklappt hat. Auch wenn es manche so nicht merken: Bei uns intern hat sich seit dem ersten Album ein Wandel vollzogen.

          Inwiefern?

          Wir schreiben nun mehr Lieder zusammen. Jonas (Jonas Pfetzing, einer der beiden Gitarristen, Anm. d. Red.) hat mehr geschrieben. Dazu haben wir versucht, uns in den Texten ein bisschen von den Naturbildern zu entfernen, die auf dem ersten Album vorhanden sind und die man uns angekreidet hat. Das ist uns bei Stücken wie „Bist du das?“ oder „Wenn du mich lässt“ auch ganz gut gelungen, finde ich.

          Sie schreiben nun deshalb andere Texte, weil sie für die alten kritisiert worden sind?

          Wegen der Kritik haben wir das nicht gemacht - nee. Der Simon (Simon Triebel, der andere Gitarrist, Anm. d. Red.) hätte auch noch zweimal so etwas wie „Die perfekte Welle“ schreiben wollen. Aber wir haben gesagt, dass wir nicht versuchen wollen, den ersten Hit zu kopieren. Wir machen das meiste aus unserem persönlichen Geschmack heraus. Dabei muss man beachten, dass wir drei Texter in der Band haben. Ich habe zuletzt versucht, weg von der Allgemeinbezüglichkeit zu gehen und spezieller zu werden, also auch Sachen zu schreiben, mit denen nicht jeder etwas anfangen kann.

          Kommen die Stücke in den Konzerten dennoch an?

          Ja, auf jeden Fall. Es gibt zwar unter den Fans mehr Liebhaber der Stücke von Simon, aber ein Teil fährt auf die anderen ab.

          Sie sind das Gesicht von „Juli“ und erfahren nicht nur Beifall. So sind Sie mal als „nervigste Person Deutschlands“ tituliert worden. Nehmen Sie das als für das Metier normal hin?

          Nein, so etwas geht mir nahe, und das hört wahrscheinlich auch nie auf. Obwohl ich weiß, dass es Mechanismen in den Medien gibt, die nichts mit einem persönlich zu tun haben. Solche Kommentare treffen einen auf eine ganz fiese Art und Weise, weil man nämlich viel darüber nachdenkt und es nicht einfach abhakt.

          Glauben Sie, dass Sie sich treu geblieben sind?

          Ja, ich denke schon.

          Woran machen Sie das fest?

          Nun, es wird von Bands zum Beispiel ein einheitliches Erscheinungsbild erwartet. Dass man sich so und so kleidet, auch wenn man unterschiedliche Geschmäcker hat. Aber das machen wir nicht. Ich weiß, dass das manchen Leuten nicht gefällt, weil sie nicht wissen, wo sie uns hinstecken sollen und was unsere „message“ ist. Aber wir sind fünf verschiedene Leute, und da geht es nicht, sich von einem Stylisten verkleiden zu lassen. So etwas vermeiden wir bewusst.

          „Juli“ hat es trotz gegenteiligen Rats ja auch standhaft abgelehnt, sich als Berliner Band auszugeben. Sie heben hervor, aus Gießen zu kommen. Können Sie dort noch auf die Straße gehen, ohne von Fans belagert zu werden?

          Ja, das mache ich sehr gerne. Und die Leute in dem Dorf, in dem ich wohne, behandeln mich in erster Linie als die „Tochter vom Karl-Heinz“. Viele sind zwar aufgekratzt, manche auch stolz auf uns und wollen sich darüber unterhalten. Aber viele Leute kennen mich schon seit der Kindheit, und das ist schön. Denn das, was so in den Medien passiert, hat mit der Person Eva Briegel nur sehr entfernt zu tun.

          Gleichwohl: Hat Ihnen schon einmal jemand vorgeworfen, den Star raushängen zu lassen?

          Ich bekomme dann und wann mit, dass Leute gesagt haben, ich sei aber arrogant geworden. Das sind aber meist Leute, die mich nicht vorher gekannt haben. Und ich nehme mir heraus, mich mit Leuten, die ich doof oder langweilig finde, nicht zu sprechen. Das war aber früher auch schon so. Für mich hat das nichts mit Arroganz zu tun.

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