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Eschborns neuer Bürgermeister : Frühaufsteher und Familienmensch

Eschborn um Bürgermeister Adnan Shaikh ist einer von vielen Gläubigern der insolventen Greensill-Bank. Bild: Wolfgang Eilmes

Eschborns neuer Bürgermeister hat einen soliden Tagesablauf und viele Pläne für seine Amtszeit. Doch vorerst sieht er sich als „erfahrenen Lehrling“. Von irrationalen Anfeindungen lässt er sich nicht ablenken.

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          Wer bei Adnan Shaikh mithalten will, muss früh aufstehen. Um 4.20 Uhr endet seine Nachtruhe. Dann werden von ihm zunächst Katze und Hund gefüttert, um Punkt 5.45 Uhr tritt der 46 Jahre alte Schulleiter der Heinrich-von-Kleist-Schule zum Frühsport mit Kollegen und Freunden an. An seinem straffen Zeitplan hat der ehrenamtliche CDU-Stadtrat gestern auch nach seinem Sieg im ersten Wahlgang gegen Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) und Fritz-Walter Hornung (Die Linke) nichts verändert. „Sport ist mir wichtig – ich brauche das“, sagt er. In einem von eigener Hand gebügelten weißen Hemd mit dunkler Krawatte nimmt sich der künftige Rathauschef von acht Uhr an genau eine Schulstunde Zeit für Fragen – dann beginnt sein Alltag mit einem Unterrichtsbesuch.

          Heike Lattka
          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Der frühere Basketballer, dem in sozialen Netzwerken unterstellt wurde, seine beim evangelischen Regionalverband beschäftigte Frau Susanne müsse zu Hause ein Kopftuch tragen, hat als Gastarbeiterkind der ersten Generation die preußischen Tugenden ganz und gar verinnerlicht: Er setze in seinem Leben immer auf Fleiß und Disziplin, sagt er. Sein Motto laute: „Einsatz zahlt sich aus, und Erfolg macht glücklich.“ Nur seine Ordnungsliebe scheitere zu Hause regelmäßig vor den Türen der Zimmer seiner Kinder. Aber bisher widerstehe er dem Drang, bei Teenager Laura oder dem elfjährigen Lennart aufzuräumen.

          Vorbild sei sein Vater, ein Pakistani, der eine Sauerländerin heiratete und sich am Frankfurter Airport zum Leiter der Frachtabteilung einer Fluggesellschaft hocharbeitete. Shaikh wuchs im Frankfurter Stadtteil Höchst auf und fühlte sich dort nach eigenem Bekunden nie als Ausländer. Im Gegenteil. Weil er sich an einem Kiosk beim Kauf eines Kaugummis so besonders höflich bedankte, schwärmten die dort leicht alkoholisierten Thekensteher: „Ach wie schön, endlich mal ein echt deutscher Junge mit gutem Benehmen.“ Mit dem Heimatland des Vaters fremdelte er von Anfang an: „Ich kann auf Urdu nur bis drei zählen“. Bei den wenigen Verwandtenbesuchen in Pakistan habe er unter der Hitze gelitten und keine Unterhaltung verstanden, berichtet er. Erst mit 13 habe er sich auf Englisch mit den Verwandten unterhalten können. Dass im Netz während des Wahlkampfs immer wieder hämisch unterstellt wurde, der „Moslem“ werde in Eschborn Tabula rasa machen, der „Satan“ gar die Stadthalle und das Rathaus abreißen, machte den konfessionslosen Shaikh betroffen.

          „Vielleicht wird er noch Bundeskanzler“

          Von diesem offen geäußerten Rassismus lasse er sich aber nicht beirren. „Ich habe keine Angst“, sagt er. Vielmehr werde er seinen mit Teflon beschichteten Sicherheitsanzug ablegen und offen auf alle – auch seine Kritiker – zugehen. Gerade im Rathaus wolle er zunächst ein „lebenserfahrener Lehrling sein“, der Abläufe, Strukturen, Stärken und Schwächen der Verwaltung zunächst kennenlernen und analysieren müsse. Mit Ausnahme seiner Sportaffinität erinnert Shaikh in seiner schnellen Auffassungsgabe und der wortgewandten Rhetorik an einen anderen bekannten Eschborner, der im Hintergrund kräftig am Erfolg mitarbeitete: Roland Koch (CDU).

          Der frühere hessische Ministerpräsident bot sich Shaikh im Wahlkampf als „Außenkoordinator“ an, wie Shaikh verrät. Koch habe sich ihm nie aufgedrängt, aber sei ihm stets eine große Stütze gewesen. Der künftige Bürgermeister schwärmt geradezu von dem jungen CDU-Team und der Unterstützung der Mitstreiter aus den Reihen von SPD und Grünen. Diesen Schwung gelte es mitzunehmen, erhofft er sich. Doch er werde sicher auch einmal „nein“ sagen müssen. Er sei kein Mann, der Partikularinteressen fördere. Weder versetzte er Schüler mit Fünfern im Zeugnis, weil die Eltern ihm sympathisch seien, noch werde er Grundstücke zu Baugebieten machen, nur weil es einer aus dem Kreise der Stadtverordneten oder dem Magistrat fordere. „Recht muss ausgesprochen in einem klaren Kurs transparent für alle werden“, lautet Shaikhs Botschaft.

          Nachvollziehbar sollen die Abläufe der Verwaltung werden, Bürger und Stadtverordnete allesamt in den Prozess zur Zukunftsgestaltung der Stadt einbezogen werden, wünscht sich der gewählte Bürgermeister. In Eschborn biete sich eine unglaubliche Chance, die Wirtschaftskraft zum Wohle der Menschen zu nutzen. Seine Aufgabe sei es nun, das Bündnis von CDU, SPD und Grünen zusammenzuhalten und den Schwung der gewonnenen Wahl mitzunehmen in die erste Amtszeit. Geht es nach Shaikh, wird Eschborn in der Region wieder eine größere Rolle spielen, und die Kontakte in die Unternehmensetagen werden wieder verstärkt. Seine Präsenz in Eschborn jedoch stehe an erster Stelle. Und noch herrscht Informationsbedarf: Als einige Schüler auf dem Gang Shaikh zum Wahlsieg gratulieren, ist einer nicht ganz im Bilde. „Der ist doch jetzt unsere Bürgermeister“, wird dem Fünftklässler zugeraunt und ein anderer flüstert: „Passt nur auf, vielleicht wird er noch Bundeskanzler.“

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