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Eschborn : Mehr als nur eine Stadt des Geldes

  • -Aktualisiert am

Dauerbaustelle Eschborn: Die Stadt will mit einem Entwicklungsplan auch die Infrastruktur wie Straßen, U-Bahnanschlüsse und Grünflächen ausbauen. Bild: Helmut Fricke

Eschborn will einen Masterplan 2030 plus als Regiebuch für die Realisierung von geplanten Projekten erstellen. Wert wird dabei auf weiche Standortfaktoren gelegt.

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          Eine neue Stadthalle, ein Notfallzentrum, die Umgestaltung der Neuen Mühle, das renovierungsbedürftige Rathaus sowie zahlreiche Verkehrs- und Straßenbauprojekte: Über die aktuelle Beschlusslage zu den zahlreichen Vorhaben in Eschborn lässt sich leicht den Überblick verlieren. 32 Projekte listete Bürgermeister Mathias Geiger (FDP) einmal auf und fügte hinzu, dass die erforderlichen Millionenbeträge, die zur Finanzierung für die von den Stadtverordneten auf den Weg gebrachten Projekte nötig seien,sogar die Rücklagen der gut gefüllten Eschborner Stadtkasse sprengen würden.

          Heike Lattka

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Taunus-Kreis.

          Doch Papier ist in der Boomtown Hessens geduldig, an der Realisierung hapert es ohnehin zumeist. Bauten die Nachbarn in Schwalbach schon ein neues Naturbad, so wurden die Ideen für die Wiesenbad-Erweiterung in Eschborn gerade wieder umgeworfen. Eine zweite Schwimmhalle soll nun die Begehrlichkeiten der Bürger besser erfüllen. Eine klare Richtschnur für die städtebauliche Entwicklung erhofft sich Planungsdezernent Adolf Kannengießer (SPD) nun von einem Masterplan.

          „Sollen wir 70000 Euro für eine Stauverlagerung bezahlen?“

          Um das insbesondere von den Sozialdemokraten lange ersehnte Regiebuch, das 2014 eigentlich schon beschlossen war, gab es zunächst zwei Jahre politisches Hickhack. Nun konnte die eigens dafür eingestellte Spezialistin für Stadtentwicklung, Sandra Zenk, ihre Arbeit aufnehmen. Sie bereitete den Entwicklungsplan mit einem Schwächen-Stärken-Profil vor und präsentierte einen 66Seiten starken Status-Bericht. Er soll die Grundlage für die Beauftragung von externen Städteplanern sein.

          Denn schließlich wolle man „nicht nur im eigenen Saft schmoren“ und sei durchaus gewillt, die Vorschläge, die externe Planer machten, für Eschborn zu beherzigen, sagte Kannengießer. Alle Aspekte der Stadtentwicklung vom Verkehr bis zu Wohnungsbau, spezielle Angebote für Kinder und Senioren, die Gewerbegebiete und die Verbesserung der Lebensqualität und Grünflächen, sollten Bestandteil dieses Konzepts sein, erläuterte Kannengießer. Schwerpunkt aber müssten „die weichen Standortfaktoren“ sein, hob er hervor.

          Der Hinweis kommt nicht von ungefähr, denn die Kleinstadt zwischen den Bürotürmen, in die sich täglich 33000Pendler hineindrängen, hat Nachholbedarf. Auf 130Hektar Gewerbefläche reihen sich immerhin mehr als 4000Unternehmen aneinander. Die Stadt präsentiert sich aber schon heute viel lebenswerter als es ihr Ruf verheißt: Es gibt den alten Fachwerk-Kern rund um den Eschenplatz, die städtischen Ecken entlang der Westerbach-Aue, die Ruhezonen im Skulpturenpark und die Anne-Frank-Grünanlage.

          Zenk erkennt jedoch auch die Defizite: Dem Eschborner Wohnquartier am Stadtpfad bescheinigt sie in ihrer Bestandsaufnahme zum Beispiel eine ruhige Lage trotz der angrenzenden Landesstraße. Aber es gebe unattraktive versiegelte Stellplatzflächen. Es fehle obendrein an Treffpunkten für die Bewohner, auch seien die Gebäude für die älteren Menschen nicht barrierefrei.

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          In Eschborns Mitte mit Rathaus, Stadthalle und Stadtbücherei fehle es an Geschäften, der Einzelhandel sei gefährdet. Eine Stärkung der Fußgängerachse zum Südbahnhof schlägt die Fachfrau deshalb vor. Ein Potential für mehr Grün in der Stadt böte die derzeit versteckt und abgezäunt liegende Grünfläche südlich des Rathauses.

          Wer das Eschborner Regiebuch auch erstellen wird, muss den Blick zudem auf den Verkehr und die Gewerbegebiete richten. Viele Ideen dafür, wie die teure Verbindung der Gewerbegebiete Süd und Ost mittels einer Trasse, liegen in der Schublade der Verwaltung. Kannengießer sieht derzeit aber keine Chance für dieses Projekt: „Sollen wir 70000 Euro für eine Stauverlagerung bezahlen?“, fragt er. Denn ohne den Ausbau des Nadelöhrs Nordwestkreuz werde der Stau nur ein Stück weiter geschoben.

          In den Gewerbegebieten indes gibt es Handlungsbedarf: So fehle dem Camp Phönix in Arboretum-Nähe jegliche räumliche Verbindung zur Innenstadt. Im Gewerbegebiet Helfmann-Park gebe es keinen Anschluss an den öffentlichen Nahverkehr und eine mangelhafte Verbindung zur restlichen Stadt, bemängelte Zenk. Nicht zuletzt verwies sie auf die Leerstände im Gewerbegebiet Süd und West.

          Während sich Kannegießer in diesem Sommer noch damit abmühte, die Belastungen für die Autofahrer wegen des Baus zweier Kreisel auf der Hauptstraße möglichst gering zu halten, wurde ihm eine andere Sorge abgenommen. Die Frankfurter Immobilien- und Projektentwickler nehmen sich der Leerstände im Gewerbegebiet Süd an. Für 100 Millionen Euro soll auf 54000 Quadratmetern das Quartier „Börsenplatz Eschborn“ mit Büros, Hotel, Einzelhandel und Gastronomie entstehen. Diese Aufgabe können die künftigen Entwickler von Eschborn 2030 plus demnach von ihrer langen Aufgabenliste streichen.

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