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„Escape-the-room“-Spiel : Eine Stunde bis zum tödlichen Stromschlag

  • -Aktualisiert am

Plötzlich entdeckt Lisa etwas. Im Bücherregal steht ein Buch auf dem Kopf. Das muss die erste heiße Spur sein. Vorsichtig zieht sie den Brockhaus-Wälzer hervor. „Hier drüben, der Spiegel“, ruft Clarissa von der anderen Seite des Raums. Und tatsächlich, etwas hat sich verändert. Der Spiegel reflektiert nicht mehr nur mein eigenes Spiegelbild. Wir haben den ersten Hinweis gefunden.

Jetzt heißt es: clever kombinieren. Nach und nach finden wir verschiedene Kombinationen für Zahlenschlösser. Eine Lösung führt zum nächsten Rätsel. Wir wühlen uns durch den Raum. Es ist wie ein Puzzle, ein Teilchen fügt sich an das andere. Und die Uhr tickt weiter. „Thirty minutes left“, flüstert die Fistelstimme wieder. Mein Puls beschleunigt sich. Wir müssen dieses Rätsel lösen.

Zwischendurch kommen wir nicht weiter. Tick, tack, tick, tack. Der Blick auf die Uhr bringt uns alle ganz schön ins Schwitzen. Da ertönt die Stimme des Game-Masters Julien Sotir aus dem Off. Er weist uns an, die Aufgabe mit Köpfchen zu lösen. Der Tipp klingt so logisch wie kryptisch, hilft dann aber tatsächlich.

„Das ist der Schlüssel zum Ausgang“

Manchmal sind die Rätsel ziemlich schwierig und kompliziert. Oft fehlt uns aber nur der richtige Ansatz, um schon vorhandene Hinweise richtig zu kombinieren. Gleich zu Anfang finden wir drei Fotos mit seltsam angeordneten Punkten. Doch erst nach einer guten halben Stunde erkennen wir, wozu sie benötigt werden.

Die „Exit Experience“ verlangt viel Konzentration. Wir müssen taktisch kombinieren, logisch denken und vor allem miteinander kommunizieren. „Viele Firmen nutzen die ,Exit Experience‘, um das Teamwork ihrer Mitarbeiter zu schulen“, sagt Sotir. Bei uns im Team klappt das bislang ganz gut.

Vor einer echten Herausforderung stehen wir allerdings nach Minute 52. Trotz spärlicher Technikkenntnisse sollen wir ein grünes Tastentelefon wieder funktionsfähig machen. Die einzigen Hilfsmittel sind ein Schlüssel und eine Zahlenkombination. „Wählt die letzte Nummer mit Bedacht“, wirft der Game-Master ein. Wir tauschen beklommen Blicke. Mit zittrigen Fingern drücke ich die letzte Zahl. Es kracht, alles wird dunkel. Saskia entfährt ein spitzer Schrei. Wie Angsthasen kauern wir uns in einer Ecke des Raumes zusammen. Denn auf der anderen Seite . . . Doch sorry: Mehr darf nicht verraten werden.

Nach 55 Minuten sind wir weit gekommen. Doch den Schlüssel für den Ausgang haben wir noch nicht entdeckt. Enttäuschung beschleicht uns. Nur drei von zehn Gruppen schaffen das Mainzer Escape-the-Room-Spiel in der vorgegebenen Zeit. Wir wollen aber immer noch dazugehören. Kurz bevor die Uhr abläuft, mobilisieren wir noch mal alle grauen Zellen.

„Two minutes left“ – Adrenalin durchflutet unsere Körper. Plötzlich hält Clarissa triumphierend einen silbernen Gegenstand in die Höhe: „Das ist der Schlüssel zum Ausgang.“ Puh, wir haben es doch noch rechtzeitig geschafft. Die Tür geht auf. Nervlich sind wir alle ziemlich am Ende. Trotzdem liegen wir uns in den Armen. Beim nächsten Mal wollen wir die Rätsel schneller lösen. Lisa hat ja bald Geburtstag.

Ein Video zur Reportage finden Sie unter www.faz.net/escaperoom.

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