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Coronavirus-Fall in Hessen : „Es besteht kein Grund, in Panik zu verfallen“

  • Aktualisiert am

Auch in Hessen ist nun eine Infizierung mit dem Coronavirus aufgetreten. Bild: dpa

Im hessischen Lahn-Dill-Kreis wurde der Erreger Sars-CoV-2 bei einer Person bestätigt. Der Gesundheitszustand des Mannes ist stabil. Bei einem Ehepaar im Rhein-Taunus-Kreis bestätigte sich der Verdacht nicht.

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          „Der Patient hat alles richtig gemacht“, sagte Wolfgang Schuster (SPD), der Landrat des Lahn-Dill-Kreises, in der Pressekonferenz zum ersten bestätigten Fall einer Ansteckung mit dem Coronavirus in Hessen. Danach war der einunddreißigjährige Mann aus Wetzlar am Sonntag von einem dienstlichen Aufenthalt in der Lombardei zurückgekehrt und begab sich am Montag wieder an seinen Arbeitsplatz im acht Kilometer von Wetzlar entfernten Hüttenberg.

          Aufgrund von leichten Symptomen meldete er sich „im Laufe der Tage“ beim Gesundheitsamt in Wetzlar, wie dessen Leiterin Gisela Ballmann mitteilte. Der Test im Universitätsklinikum Marburg habe einen positiven Befund ergeben. Als „Spekulationen“ bezeichnete die Pressesprecherin des Kreises später Berichte, nach denen der Mann erst von seinem Chef und seinen Kollegen aufgefordert worden sei, sich testen zu lassen.

          Sein gesundheitlicher Zustand sei stabil, berichtete Schuster in der Pressekonferenz im Wetzlarer Kreishaus. Er liege in einem Isolierzimmer in der Uniklinik. Der Kreis verfüge über einen aussagekräftigen Pandemieplan, der das standardisierte Verfahren vorgegeben habe. Schuster sei selbst Träger einer eigenen Klinik und gut vorbereitet, um wirksam, schnell und zeitnah handeln zu könne. „Es besteht kein Grund, in Panik zu verfallen“, so der Landrat. Gegenwärtig würden mehr als zwanzig Kontaktpersonen befragt. Man sei aber noch dabei, weiter Menschen zu ermitteln, die womöglich mit dem Patienten in Berührung gekommen seien.

          Verdachtsfälle werden laufend getestet

          Man befolge die Richtlinien des Robert-Koch-Institutes. Danach gehörten der ersten Kategorie Personen an, die in direktem Kontakt zum Patienten gestanden hätten. Für sie sei zunächst einmal eine häusliche Quarantäne vorgesehen. Wer möglicherweise infiziert sei, zähle zur zweiten Kategorie. Ballmann bestätigte, das laufend Verdachtsfälle getestet würden. Ein Ergebnis liege nach vier Stunden vor.

          Der Kreis habe „sehr professionell gehandelt“, meinte Stephan Becker, Direktor des Instituts für Virologie der Universität Marburg. Der erste Patient werde nicht der letzte sein. Auch der hessische Gesundheitsminister Kai Klose (Die Grünen) zeigte sich zufrieden: „Es ist alles beispielhaft gut abgelaufen, wie wir uns das in einem solchen Fall vorstellen.“ Der Politiker forderte die Bevölkerung auf, sich mit Erkrankten solidarisch zu zeigen.

          Falscher Alarm bei Ehepaar

          Nicht bestätigt hat sich laut Gesundheitsamt ein Corona-Virus-Verdacht bei einem Ehepaar im Rheingau-Taunus-Kreis. Das Paar hatte in jenem Hotel auf Teneriffa seinen Urlaub verbracht, das derzeit unter Quarantäne steht. Das Paar war zudem einige Tage zeitgleich mit einem Hotelgast in der Anlage, der positiv auf das Corona-Virus getestet worden war.

          Nach ihrer Rückkehr hatten der Mann und seine Ehefrau über Husten, Schnupfen und Halsschmerzen geklagt. Laut Gesundheitsamt reagierten sie „sehr verantwortungsbewusst und vorbildlich“: Die seien in ihrem Haus geblieben und hätten Gesundheitsamt und Hausarzt informiert. Der Hausarzt habe außerhalb der regulären Sprechzeit Abstriche genommen. Die Laboruntersuchung habe ergeben, dass das Corona-Virus nicht nachweisbar und eine häusliche Quarantäne nicht notwendig sei.

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          Deutschlandweit mehren sich die Fälle von Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2, das die Lungenkrankheit Covid-19 auslösen kann. Die meisten Betroffenen haben nur leichte Erkältungssymptome mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine. Doch 15 von 100 Infizierten erkranken laut Robert Koch-Institut (RKI) schwer. Dann drohen Atemprobleme oder eine Lungenentzündung.

          Aktuell gibt es in Deutschland mehr als 50 Coronavirus-Fälle. Daneben waren vor mehr als zwei Wochen 16 weitere Sars-CoV-2-Infektionen gemeldet worden - diese Menschen gelten inzwischen alle als virusfrei. Der deutschlandweit erste Fall des neuen Coronavirus war Ende Januar in Bayern nachgewiesen worden.

          Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rechnet hierzulande mit einer Ausbreitung des Coronavirus. „Wir befinden uns am Beginn einer Corona-Epidemie in Deutschland“, sagte der CDU-Politiker.

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