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Giftanschlag : Ermittlungen wegen versuchten Mordes an TU Darmstadt

  • Aktualisiert am

Einsatz: Rettungskräfte und Ermittler auf dem Uni-Gelände in Darmstadt Bild: dpa

Sieben Personen werden Opfer eines mutmaßlichen Giftanschlags. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes. Die Polizei hat eine 40-köpfige Sonderkommission gebildet.

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          Nach den Vergiftungserscheinungen bei mindestens sieben Menschen an der Technischen Universität Darmstadt ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes. „Im Rahmen der Ermittlungen konnten durch Spezialisten des Hessischen Landeskriminalamts, unter anderem in von der Polizei am Tatort sichergestellten Lebensmitteln, Stoffe nachgewiesen werden, deren Aufnahme zu den bei den Geschädigten aufgetretenen Symptomen geführt haben könnten“, teilte die Darmstädter Polizei mit. Um welche Stoffe es sich handelt, geben sie nicht preis. „Manche Dinge können und wollen wir nicht veröffentlichen“, hieß es bei den Ermittlern über mögliches Täterwissen.

          Die Polizei habe eine aus 40 Personen bestehende Mordkommission namens „Licht“ gebildet. Wie es weiter heißt, haben sich keine weiteren Betroffenen mit entsprechenden Symptomen oder Vergiftungserscheinungen bei den Ermittlern gemeldet. Es liege auch keine akute Gefährdung vor.

          Zuvor sprach die Universität von einem mutmaßlichen Giftanschlag. „Wir sind erschüttert angesichts der offensichtlichen Straftat, die sich an unserer Universität ereignet hat“, teilte die Präsidentin der Hochschule, Tanja Brühl, am Dienstag mit. Die sieben Opfer mussten wegen zum Teil schwerer Vergiftungserscheinungen ärztlich behandelt werden; eine Person schwebte sogar zeitweise in Lebensgefahr. Die Ärzte konnten den Zustand aber am Abend stabilisieren, wie das Polizeipräsidium Südhessen mitteilte. Eine weitere Person konnte das Krankenhaus schon wieder verlassen.

          Stoff in Milch- und Wasserbehältern?

          „Ich werde so schnell wie möglich mit ihnen persönlichen Kontakt aufnehmen, sofern es ihr Zustand erlaubt“, sagte Brühl. Wie das Polizeipräsidium Südhessen mitteilte, seien die Symptome in dem TU-Gebäude „L201“ an der Alarich-Weiß-Straße aufgetreten. Es wird vermutet, dass ein gesundheitsschädlicher Stoff in mehreren Milch-Packungen und Wasserbehältern vorhanden war. Um welchen Stoff es sich handelt, sollten Laboranalysen zeigen. Die Behälter seien nach derzeitigem Stand zwischen Freitag und Montag mit dem Stoff versetzt worden. Besonders auffällig sei „der beißende Geruch der betroffenen Flüssigkeiten“.

          Einsatzkräfte durchsuchten bis in die Morgenstunden des Dienstags alle Räume des Gebäudes, in dem der Fachbereich Materialwissenschaft untergebracht ist, nach Lebensmitteln und Getränken. Für labortechnische Untersuchungen seien zahlreiche Proben genommen worden. Die Polizei und das Präsidium der TU raten, keine Lebensmittel und Getränke zu essen oder trinken, die im mutmaßlichen Tatzeitraum in Räumen des Campus Lichtwiese gelagert waren. Wer am Montag im Gebäude L201 etwas getrunken oder gegessen habe und sich unwohl fühle oder wessen Extremitäten nun bläulich verfärbt seien, solle umgehend ärztliche Hilfe suchen. Im Fall von Verfärbungen solle man sich möglichst nicht bewegen und sofort den Notarzt anrufen. Auch über die App Katwarn wurden am Abend die Menschen in Hessen gewarnt, die an der TU Darmstadt gegessen haben.

          Am Montag waren nach Angaben der Polizei mehrere Menschen mit Vergiftungserscheinungen wie Unwohlsein und Verfärbungen in Kliniken gebracht worden. Der Fokus der Ermittler hatte zunächst auf einer „Art Teeküche“ gelegen, in der auch Gegenstände gelagert würden – zum Beispiel in einem Kühlschrank. Diese Räumlichkeiten seien frei zugänglich.

          Hinweise an die Polizei

          Für Hinweise an die Polizei ist die Rufnummer 06151 / 969-42191 eingerichtet.

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