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Ein Darmstädter am Kap : Erleuchtung aus dem Einmachglas

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„Als ich die Solar-Laterne in Johannesburg sah, wusste ich gleich, dass das der Inbegriff des Erfindergeistes ist“: Stefan Neubig Bild: Privat

Ein Absolvent der Hochschule Darmstadt vermarktet erfolgreich eine Solarlampe – und er hat noch mehr Ideen. Das alles hat viel mit Johannesburg in Südafrika zu tun.

          Der Bestseller ist eigentlich ein schlichtes Einmachglas. Ein Gefäß der Marke Consol, das in Südafrika jedes Kind kennt. Marmeladen oder Früchte werden darin aufbewahrt. Mit denkbar einfachen Veränderungen wird daraus eine Neuheit, die sich zurzeit selbst bei Amazon gut verkauft – dank Stefan Neubig.

          Nach Abschluss seines Digital-Media-Studiums an der Hochschule Darmstadt reiste Neubig nach Südafrika. In einer Fabrik in Johannesburg, nicht mehr als eine alte Halle, stieß er auf die damals kleine Produktion von Consol Solar Jar. Männer und Frauen aus den Townships fertigten dort aus den transparenten Einmachgläsern Solar-Leuchten. Das Prinzip ist einfach: Der Deckel besteht aus einem Schraubverschluss mit Solarelementen. Ein kleiner Klappbügel bringt die Laterne zum Leuchten, sobald das Metall die blau schimmernden Photovoltaik-Module berührt.

          Inbegriff des Erfindergeistes

          Stefan Neubig, 31 Jahre alt, ist neugierig, und er hat Phantasie. Schon in seinem 1. Semester in Darmstadt entwickelte er mit einem Freund eine App namens Aboalarm, die ihre Nutzer auf Abo-Fristen hinweist und bei Vertragskündigungen hilft. Die Idee war so erfolgreich, dass sie ihm das restliche Studium finanzierte. „Als ich die Solar-Laterne in Johannesburg sah, wusste ich gleich, dass das der Inbegriff des Erfindergeistes ist“, sagt er. „Ein Großteil der afrikanischen Bevölkerung hat keinen oder kaum Zugang zu Elektrizität und Licht. Hinzu kommen häufige Stromausfälle. So eine einfache Solarleuchte ist eine tolle Innovation.“

          Die Laterne hat er mit nach Darmstadt gebracht. In seinen vollen Kalender hat er zwischen Terminen in München, Berlin, Südafrika und China einen Besuch in seiner alten Hochschule eingebaut. Mit Alumni-Referentin Christine Haller berät er über Möglichkeiten der Zusammenarbeit: Neubig sieht sich jetzt als „Social Entrepreneur“.

          Die Fabrik in Südafrika unterstützt er. „Während meines Studiums in Darmstadt habe ich ein breites Grundverständnis entwickelt für digitale Medien, für Marketing, IT oder auch Betriebswirtschaft.“ Er erkannte das Potential der Solarleuchte und ihren sozialen Wert. „Ich wollte daraus ein langfristiges Projekt machen und die Idee nach Europa bringen.“

          Erfolg durch Hartnäckigkeit

          Anfangs konnte sich in der Fabrik in Johannesburg niemand vorstellen, „dass so eine einfache Laterne jemand in Europa haben will“, erinnert sich Neubig. Doch er blieb hartnäckig. Er benannte die Laterne in Sonnenglas um, und weil er keinen preisgünstigen Vertrieb fand, vermarktete er die Leuchte auf einer Internetseite einfach selbst.

          Der direkte Verkauf wurde ein Erfolg – wohl auch, weil der Fairtrade-Gedanke dahintersteht. „Die Produktion in Südafrika mit Arbeitern und Arbeiterinnen aus den Townships ist unser Rückgrat“, sagt er. Es gehe nicht um Profit, sondern um den „positiven Effekt für alle Beteiligten“. 2013 produzierten rund 15 Beschäftigte 10.000 Laternen. Heute, nach Neubigs Einstieg, fertigen 75 Arbeiter rund eine halbe Million Leuchten im Jahr, wovon die Hälfte in Afrika bleibt und die andere in den weltweiten Export geht – bis nach Japan und die Vereinigten Staaten. Zwei Millionen Laternen hat die Fabrik seit 2013 hergestellt.

          Mittlerweile gibt es auch rund 20 Auslands-Angestellte in Tokio, Toronto und Berlin. Den größten Absatz finde das Sonnenglas auf dem deutschsprachigen Markt, sagt Neubig. Umgerechnet zwölf Euro kostet die Laterne in Südafrika, 30 Euro im Export. Für das Ausland bekommen die Modelle einen USB-Anschluss. So lässt sich die Leuchte auch mit dem Handy-Ladegerät aufladen.

          Praktikum in Johannesburg

          Neubig arbeitet derweil schon zusammen mit Hochschulen an neuen Ideen. Mit einer Ausgründung der TU München etwa tüftelt er an einem preisgünstigeren Charity-Modell der Laterne. Vom Sommer an sollen weitere Solarprodukte dazukommen. Mittlerweile konzentriert Neubig seine Arbeit und Zeit ganz auf Johannesburg. Seine erste Firma Aboalarm hat er im Januar verkauft; die „gedankliche Doppelbelastung“ sei ihm zu viel geworden, sagt er. Für das Sonnenglas und die Beschäftigten in Südafrika fühlt er sich verantwortlich. „Ich bin zwar nicht der biologische Vater der Solar-Laternen, aber doch so eine Art Stiefvater.“

          Beim Treffen in Darmstadt wirbt Alumni-Referentin Haller für gemeinsame Projekte mit der Hochschule. Möglich ist eine Zusammenarbeit mit den Industriedesignern auf der Mathildenhöhe oder den Wirtschaftswissenschaftlern auf dem Campus Dieburg. Denkbar wäre auch, dass Neubig einen Lehrauftrag für Soziales Unternehmertum bekommt. Studenten könnten in der Fabrik in Johannesburg ein Praktikum machen. „Das wäre eine tolle Erfahrung“, meint sie. Stefan Neubig ist aufgeschlossen. Weitere Treffen sind geplant.

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