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Erlenseee : Einstiger Fliegerhorst als Logistik-Zentrum

Überbleibsel: Die meisten Gebäude auf dem Fliegerhorst bei Erlensee sollen abgerissen werden. Bild: Rainer Wohlfahrt

Vor drei Jahren hat die amerikanische Armee den Flugplatz bei Erlensee aufgegeben. Jetzt ist ein Konzept für die künftige Nutzung vorgelegt worden.

          Wie kann der ehemalige Fliegerhorst in Erlensee sinnvoll genutzt werden? Dieser Frage geht eine Machbarkeitsstudie nach, die von der Gemeinde Erlensee in Abstimmung mit der Stadt Bruchköbel in Auftrag gegeben wurde. An der Finanzierung der Untersuchung des Büros Arge Firu – Arcadis (Forschungs- und Informations-Gesellschaft für Fach- und Rechtsfragen der Raum- und Umweltplanung) beteiligte sich neben dem Land Hessen die Eigentümerin des Areals, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima).

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Der Fliegerhorst, der von der amerikanischen Armee als Flugplatz für Kampfhubschrauber genutzt wurde, ging im Oktober 2007 nach der Aufgabe der militärischen Nutzung in das Eigentum der Bima über. Das Areal umfasst 245 Hektar, davon liegen rund 155 Hektar auf der Gemarkung der Gemeinde Erlensee, etwa 90 Hektar gehören zur Stadt Bruchköbel. Im Süden grenzt das Gelände an Hanau an. Seit dem Abzug der Amerikaner wird über die künftige Nutzung der Fläche diskutiert und spekuliert. Eine Möglichkeit schloss die Gemeinde Erlensee von Anfang an aus: Flugzeuge und Hubschrauber sollten dort nicht mehr starten oder landen. Dafür hatten die Bürger in der Gemeinde lange genug unter dem Lärm der Flugmaschinen gelitten. Für Aufsehen sorgten vor einigen Monaten die Pläne eines Investors, auf rund 100 Hektar einen Freizeitpark einzurichten. Dieses Vorhaben zerschlug sich schnell. Das Vorhaben des Allgemeinen Deutschen Automobilclubs (ADAC), auf der ehemaligen Landebahn eine Teststrecke einzurichten, ist ebenfalls vom Tisch. Vorgesehen ist nun, die Asphaltdecke der Landebahn zu entfernen. Als Besonderheiten des Fliegerhorsts nennt die Studie die Größe des Areals, den Abstand zu bewohnten Gebieten und die gute Anbindung an den überörtlichen Verkehr, vor allem an das Autobahnnetz.

          Keine vergleichbare Fläche im östlichen Rhein-Main-Gebiet

          Das Bild, das der Fliegehorst derzeit bietet, ist sehr unterschiedlich. Etwa 87 Hektar sind bebaut, darunter Bunker und Hangars sowie eine „Housing Area“. Eine Weiternutzung schätzt das Fachbüro als problematisch ein. Weitere rund 46 Hektar nehmen die Start- und Landebahn sowie Abstellflächen ein. Die Wald- und Freiflächen liegen im westlichen und nördlichen Teil und erstrecken sich über etwa 107 Hektar. Eine künftige Bebauung soll sich auf die schon jetzt bebauten Teile konzentrieren.

          Die Machbarkeitsstudie, wie sie am Mittwoch Vertretern der Bima, von Hessenforst, der Stadt Hanau und den Medien präsentiert wurde, schlägt als Hauptnutzung den Betrieb von Logistik vor. Im östlichen Teil des Rhein-Main-Gebiets gebe es keine vergleichbare Fläche der hier gebotenen Größenordnung. Für Logistik sei ein Betrieb rund um die Uhr notwendig, was angesichts der Entfernung der Wohnbebauung hier möglich werde, vorausgesetzt, die Erschließung werde fernab der Markwald-Siedlung geregelt. Außerdem lägen der Gemeinde Erlensee schon mehrere Anfragen von Logistikern vor. Für machbar hält das Gutachten auf einem Areal von höchstens bis zu 60 Hektar eine Freizeitnutzung wie einen „Indoorspielplatz“ oder einen Kletterwald sowie einen kleinen See mit Wassersportmöglichkeiten. Für den Kletterwald gibt es die Anfrage eines Investors. In diesem Zusammenhang könnte auch ein Einzelhandelsangebot entstehen für entsprechende Freizeit- und Sportartikel. Weiteren Einzelhandel schließen die Bürgermeister von Erlensee, Stefan Erb (SPD), und Bruchköbel, Günter Maibach (CDU), aus. Weite Teile des Fliegerhorsts sollen der Natur vorbehalten bleiben. Renaturierungs- und Wiederaufforstungsarbeiten will die Deutsche Bahn als Ausgleich für den Bau der Neubaustrecke Rhein/Main-Rhein/Neckar übernehmen.

          Erste Bauarbeiten frühestens Ende nächsten Jahres

          Die Kosten und das Ausmaß von Bodenverunreinigungen hat das Büro nicht untersucht. Auszugehen sei von ausgelaufenen Ölen. Ungefähre Ausdehnung und Lage seien bekannt, akuter Handlungsbedarf bestehe nicht. Alle Flächen, vor allem die künftigen Erholungsgebiete, die der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollen, müssen wegen der Nutzung als Feldflughafen während des Dritten Reichs zudem auf Bomben im Boden und andere Kampfmittel untersucht werden. Neue Erschließungsstraßen werden notwendig sowie unter anderem die Verlegung von Wasser- und Abwasserleitungen. Aus dem Verkauf von Grundstücken erwarten die Fachleute Einnahmen von rund 24 Millionen Euro, dem stehen Aufwendungen von 18 Millionen gegenüber.

          Nach Abzug der Kreditzinsen rechnen sie mit einem Ertrag von fünf Millionen Euro nach Entwicklung und Vermarktung der Flächen. Allerdings sind Bodensanierungen dabei noch nicht berücksichtigt. Als nächster Handlungsschritt ist laut Maibach und Erb die Gründung eines Zweckverbands der beiden Kommunen zur Fortentwicklung der Bauleitplanung und Erschließung geplant. Außerdem müssen Kommunen und Planungsverband die Flächennutzungsplanung an die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie anpassen. Mit ersten Bauarbeiten rechnet Maibach frühestens Ende nächsten Jahres.

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