https://www.faz.net/-gzg-z47y

Erlensee : Wasserbüffel für die Artenvielfalt

  • -Aktualisiert am

Die Wasserbüffel sollen sich durch die Wiesen an der Kinzig fressen Bild: Rainer Wohlfahrt

Acht Wasserbüffel und ein Kalb beweiden nun das Naturschutzgebiet Weideswiesen-Oberwald. Sie sollen für mehr Artenvielfalt sorgen.

          2 Min.

          Unruhig warten acht schwarze Wasserbüffel und ein Kalb auf einem Viehanhänger, der in einem Sumpfgebiet steht. Der Besitzer der Tiere öffnet den Anhänger und vorsichtig betreten sie ihre neue Heimat. Sogleich sinken sie bis zum Bauch in die Seggen und Wasserschwaden ein, in die Grasarten also, die in dem nassen Gebiet wachsen. Das zehn Hektar große Areal gehört zum Naturschutzgebiet Weideswiesen-Oberwald bei Erlensee. Das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet zeichnet sich durch einen in Teilen naturnahen Verlauf der Kinzig, ausgedehnte Grünlandflächen mit Feuchtwiesen und Schilfbeständen sowie naturnahe Auen- und Bruchwälder aus.

          Die Wasserbüffel stammen aus einer Herde aus dem Vogelsberg. Die Gemeinde Erlensee, der das Land gehört, der Landesbetrieb Hessen-Forst, das Forstamt Hanau-Wolfgang und die Obere Naturschutzbehörde in Darmstadt haben sich gemeinsam für das Beweidungskonzept entschieden, Landwirt Siegfried Leinberger stellt dafür einen Teil seiner Herde zur Verfügung.

          Sanfte Pflege durch die extensive Beweidung

          Eine der Kühe der neuen Herde übernimmt die Führung bei der Erkundung, und die anderen folgen ihr ruhig im Gänsemarsch. Neugierig recken sie ihre Köpfe in die Luft und blähen die Nüstern, um sich in ihrer neuen Umgebung zu orientieren. Vorerst suchen sie Schutz bei einigen Pappeln und beginnen zu fressen, so wie es gedacht ist. Dafür sind sie hauptsächlich auf die sumpfige Weide gebracht worden, denn durch die extensive Beweidung soll das Gebiet sanft gepflegt werden. Für die Landwirtschaft sei das nasse Gebiet nicht rentabel, weil es nicht zu mähen sei, sagt Günter Hunold vom Forstamt Hanau-Wolfgang. Auch Rinder und Schafe eigneten sich nicht für die Beweidung des nassen Geländes. Wenn man das Gebiet nicht pflegte, würde es jedoch nach und nach brach fallen, „verwalden“ und dadurch artenärmer werden.

          Für die Wasserbüffel sei das Sumpfgebiet fast perfekt, denn es entspreche ihrem natürlichen Lebensraum. Sie sind unempfindlich gegenüber hohen Wasserständen und können das ganze Jahr über auf der Weide gelassen werden. Ihr Verdauungssystem kann große Mengen an Wasser- und Sumpfpflanzen wie Schilf, Binsen, Ampfer und Sauergräser aufnehmen und daraus Nährstoffe gewinnen, im Gegensatz zum modernen Rind. Außerdem haben Wasserbüffel breitere Klauen und Zwischenklauenspalten sowie eine weichere Fessel als Rinder, so dass sie auch auf feuchtem Grund sicheren Halt finden. Und so beginnen sie auch gleich zu galoppieren und erforschen die Grenzen des eingezäunten Gebietes.

          Lebensräume für viele Arten

          Durch die Bewegung der Büffel entstünden neue Kleinstrukturen im Grünland, denn sie trampelten Pfade und durch ihr Suhlen bildeten sich Tümpel, erklärt Mathias Ernst von der Naturschutzbehörde. Diese Strukturen schaffen günstige Lebensräume für viele Arten, zum Beispiel für Amphibien, Vögel, Insekten und auch Pflanzen. Die Wasserbüffel sorgen also dafür, die Artenvielfalt des Naturschutzgebietes zu erhalten und zu fördern.

          Angst müssen Spaziergänger vor den Tieren nicht haben - sie sind sehr ruhig, gutmütig und friedlich. Auch von Ausflüglern auf den Wegen lassen sich die friedfertigen Wasserbüffel nicht stören. Nur freilaufende Hunde könnten für Konflikte sorgen und würden von den Büffeln von der Weide gejagt, sagt Hunold.

          Das Beweidungskonzept wird in einer Masterarbeit der Universität Gießen wissenschaftlich begleitet. Falls es sich bewährt, sollen weitere Wasserbüffel dazukommen. Hunold ist zuversichtlich: „Mein Bauchgefühl ist positiv.“ Auch den Büffeln scheint das Konzept zu gefallen: Sie probieren die Gräser und die Schilfarten und beginnen zu weiden.

          Weitere Themen

          Frankfurt wächst nicht mehr

          Heute in Rhein-Main : Frankfurt wächst nicht mehr

          Seit der Corona-Pandemie stagniert Frankfurts Wachstum, im vergangenen Jahr wurde ein Plus von nur 273 Personen verzeichnet. Die Impfquote in Hessen liegt hinter den anderen Bundesländern. Die F.A.Z.-Hauptwache blickt auf die Themen des Tages.

          Topmeldungen

          Söder am Dienstag in München

          Entscheidung für Laschet : Wie Söder sich verkalkuliert hat

          Tagelang hatte es so ausgesehen, als könnte Markus Söder sich im Ringen um die Kanzlerkandidatur durchsetzen. Doch Armin Laschet gelang es offenbar am Sonntagabend, das Blatt zu wenden – bei einem denkwürdigen Zusammentreffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.