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Erdfunkstelle : Aus dem All über Usingen ins Fernsehen

Erdfunkstelle Usingen: Die einstige Telekom-Tochter gehört seit zwei Jahren zum französischen Sendenetzbetreiber TDF Bild: Verena Müller

Mitten im spannenden Spielfilm ist das Bild weg - für Richard Geitner ist das geradezu eine Horrorvorstellung. Er ist einer von 140 Menschen in der Erdfunkstelle in Usingen, die Radio- und TV-Signale und andere Daten aus dem All empfangen und weiterverteilen.

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          Mitten im spannenden Spielfilm ist das Bild weg - schon für den gewöhnlichen Fernsehzuschauer ein großes Ärgernis, für Richard Geitner ist das geradezu eine Horrorvorstellung. Vor allem will der Leiter Servicemanagement nicht, dass sein Arbeitgeber Media Broadcast den Ausfall in der Übertragungskette zu verantworten hat. Etwa, weil plötzlich kein Strom da ist, um die Bilder vom Satelliten einzufangen und ins Netz einzuspeisen. Deshalb führen zur Erdfunkstelle Usingen zwei unabhängige Stromleitungen. Außerdem befinden sich in einem Gebäude Hunderte Batterien, auf die bei einem Totalausfall sofort umgeschaltet würde. In der Zwischenzeit könnte ein Dieselgenerator anspringen, der wiederum in einem anderen Komplex steht. Und wenn der ins Stottern gerät, gibt es praktischerweise noch einen zweiten.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Die vernetzte Welt reagiert auf Ausfälle empfindlich. „Verfügbarkeit, Flexibilität, Zuverlässigkeit“ hat Helmut Egenbauer, Sprecher der Media-Broadcast-Geschäftsführung, deshalb als die Werte des Unternehmens bezeichnet. Flexibilität haben auch 45 Mitarbeiter beweisen müssen, deren Arbeitsplatz von Frankfurt nach Usingen verlagert worden ist. Platz gefunden haben sie in der Erweiterung des Zentralgebäudes, die gestern offiziell eröffnet worden ist. In Usingen sind jetzt 140 Menschen damit beschäftigt, Radioprogramme, Fernsehbilder und Datenströme aus dem All zu empfangen und weiterzuverteilen. Der „Teleport“, wie die Erdfunkstelle unternehmensintern heißt, ist damit zum größten und strategisch wichtigsten Standort von Media Broadcast geworden.

          100 Parabolantennen mit bis zu 20 Metern Durchmesser

          Die einstige Telekom-Tochter gehört seit zwei Jahren zum französischen Sendenetzbetreiber TDF und hat einschließlich Technik und Umzug 6,2 Millionen Euro investiert. „Kontinuität für Usingen“ sicherte Egenbauer auch in neuen langfristigen strategischen Überlegungen zu. Auf der 1937 zum Feldflugplatz ausgebauten Schafweide hatte die Bundespost 1955 eine erste Kurzwellenstation errichtet. Bald darauf prägten die ersten beeindruckenden Satellitenschüsseln das Bild des 140 Hektar großen Geländes, von dem ein großer Teil eigentlich auf Neu-Anspacher Gemarkung liegt. 100 Parabolantennen mit bis zu 20 Metern Durchmesser stehen hier heute. Die meisten empfangen Daten, ein Drittel dient dem Senden. Bis 2003 hat die Telekom von Usingen aus sogar ihren eigenen Satelliten gesteuert. Doch das ist vorbei.

          100 Parabolantennen mit bis zu 20 Metern Durchmesser stehen an der Erdfunkstelle
          100 Parabolantennen mit bis zu 20 Metern Durchmesser stehen an der Erdfunkstelle : Bild: Foto Verena MŸller

          Nicht weniger beeindruckend als die Antennen ist die NOC genannte Schaltzentrale im Zentralgebäude. Im „Network Operation Center“ werden nach Worten von Technik-Vorstand Ulrich Liebenow alle Netze von Media Broadcast überwacht. Auf Dutzenden Fenstern der großen Bildwand kontrollieren die Mitarbeiter rund um die Uhr unter anderem die Kanäle des Internet-Fernsehens T-Home. Aber auch Debatten aus dem Bundestag, die Bundespressekonferenz sowie das Bundeswehrfernsehen für die Soldaten in Afghanistan oder am Horn von Afrika überträgt das Unternehmen. An den Wochenenden kommen Bundesligaspiele hinzu. Für Wahlen oder einzelne Sportveranstaltungen können Kunden nicht nur Übertragungswagen, sondern auch die nötigen Satellitenkanäle mieten. Messdaten von Schiffen und Bojen werden an Eumetsat in Darmstadt weitergeleitet.

          DVB-T oder Hörfunksendeanlagen

          Neben den Satellitenverbindungen werden in Usingen die 300 Sendeanlagen für das terrestrische digitale Fernsehen DVB-T oder Hörfunksendeanlagen kontrolliert. An einem bestimmten Punkt jedoch kommt die digitale Welt nicht ohne den Menschen aus. „Wenn ein Modul im Fernsehturm auf dem Alexanderplatz ausfällt“, sagte Servicemanagement-Leiter Geitner, „sehen die Kollegen das hier auf dem Monitor und schicken in Berlin einen Techniker rauf.“

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