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Eppstein : Streit in Kirchengemeinde über Gedenktafeln für Kriegstote

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Seit 1925 hängt die Tafel mit dem mannshohen Ritter und der Inschrift "Das Reich muß uns doch bleiben" zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in einer Fensternische der Eppsteiner Talkirche gleich neben der Kanzel.

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          Seit 1925 hängt die Tafel mit dem mannshohen Ritter und der Inschrift "Das Reich muß uns doch bleiben" zur Erinnerung an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs in einer Fensternische der Eppsteiner Talkirche gleich neben der Kanzel. Ganz in der Nähe ist eine zweite Tafel zum Gedenken an die Gefallenen des Zweiten Weltkriegs angebracht. Immer wieder ist der Ritter, der mit seiner stahlhelmähnlichen Kopfbedeckung als Soldat gedeutet werden kann, Anlaß für Unmut. Und auch die Inschrift, die zwar dem Luther-Lied "Eine feste Burg ist unser Gott" entliehen ist, aber von der kaisertreuen Frankfurter Künstlerin Lina von Schauroth eben ganz anders, als es der Reformator wollte, interpretiert wurde, erregt Widerstand.

          Schon in den achtziger Jahren hatte der damalige Pfarrer in der Kirchengemeinde für Aufregung gesorgt, als er zumindest den Ritter mit einem Tuch während des Gottesdienstes verdeckte. Nun hat der Kirchenvorstand zwar mit einer deutlichen Mehrheit von neun zu zwei Stimmen beschlossen, eine neue Form der Würdigung für die Opfer beider Weltkriege zu finden - aber dies wiederum stößt in Eppstein auf Empörung. 70 Unterschriften wurden in der 1900 Mitglieder starken Gemeinde gegen jede Veränderung gesammelt. Eine erste Gemeindeversammlung mußte ohne Ergebnis beendet werden. Am Sonntag, 21. März, soll um 11 Uhr nach dem Gottesdienst im Gemeindehaus bei einer Versammlung nun eine Lösung gefunden werden, mit der Befürworter und Gegner von Ritter und Spruch gleichermaßen zufrieden sein können.

          Inzwischen haben Pfarrerin Heike Schuffenhauer und Jürgen Cremer sowie Traute Lassner aus dem Kirchenvorstand versucht, die in der Burgstadt emotional ausgetragene Debatte etwas zu erhellen. Das Thema beinhalte "einige Brisanz" und werde leider von vielen Gerüchten begleitet. So sei es falsch, daß der Soldaten in der Kirche nicht mehr gedacht werden solle. Allerdings wollten die Befürworter einen neuen, zeitgemäßen Weg wählen. Geplant ist der Pfarrerin zufolge ein Plexiglas mit unterlegter Schrift, das auf der hinteren linken Seite des Kirchenschiffs angebracht werden soll. Den gefallenen Soldaten beider Weltkriege, so die Vorstellungen des Kirchenvorstands, soll ebenso der eine Soldat hinzugefügt werden, der bei der alten Tafel vergessen worden war. Außerdem solle der zivilen und politischen Opfer gedacht werden, darunter auch des politisch verfolgten Fotografen Paul Schiemann, der an den Folgen seiner Verschleppung kurz nach dem Zweiten Weltkrieg verstorben war. Dessen Tochter habe mit ihren Kindheitserinnerungen an die Eppsteiner Verhältnisse wohl viele Ängste aufgerührt, befürchtet Pfarrerin Schuffenhauer. Sie werde von den Eppsteinern deshalb als Nestbeschmutzerin empfunden. Von den Kritikern der Pläne des Kirchenvorstandes war telefonisch keiner zu erreichen.

          Am 21. März soll über Folgendes abgestimmt werden: Entweder stimmt die Talkirchengemeinde für eine Abdeckung des Ritters. Oder eine neue Gedenktafel wird installiert, wobei die zwei bestehenden unangetastet bleiben. Falls keine dieser beiden Varianten eine Mehrheit findet, soll eine Arbeitsgemeinschaft aus Befürwortern und Gegnern eingerichtet werden, die über eine neue Gestaltungsmöglichkeit nachdenken soll. lat.

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