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Erlensee : Vom Atomwaffenlager zum Logistikzentrum

Zeitenwende: Hinter dem früheren Hubschrauberlandeplatz stehen Autos eines neu angesiedelten Dienstleisters. Bild: Marcus Kaufhold

Vor zehn Jahren hat die amerikanische Armee den Fliegerhorst in Erlensee aufgegeben. Hunderte Stellen sind seither dort entstanden, doch das ist nicht das Ende der Entwicklung.

          Im Februar 2006 packte der 20 Jahre alte Jacob Truex der „127th Aviation Support Bataillon“ im Fliegerhorst von Erlensee-Langendiebach einen 40 Pfund schweren Rucksack, setzte ihn auf und lief damit eine Strecke von fünf Kilometern in gut 22 Minuten. Das hatte vor ihm noch kein Soldat geschafft. Sogar die weltweit erscheinende amerikanische Armeezeitung „Stars and Stripes“ widmete dem Rekordläufer die Titelseite.

          Luise Glaser-Lotz

          Korrespondentin der Rhein-Main-Zeitung für den Main-Kinzig-Kreis.

          Entlang der Strecke wurde der Sprinter von Kameraden angefeuert. Die jungen Männer waren dankbar für die Abwechslung, viele waren zuvor erst aus dem Einsatz im Irak zurückgekehrt. Doch es sollte das letzte Spektakel auf dem Fliegerhorst sein, der Mitte der dreißiger Jahre von den Nationalsozialisten eingerichtet und nach Kriegsende von den Amerikanern als Militärflughafen genutzt worden war. Mit dem Abzug der Fliegerbrigade der 1. Panzerdivision mit ihren 1200 Soldaten und 1800 Familienangehörigen wurde das Ende der amerikanischen Ära in Erlensee eingeläutet.

          Der Vergnügungspark war schnell vom Tisch

          In dem Ort sah man das Ende des Fliegerhorsts mit gemischten Gefühlen. Einerseits war die Zeit des ohrenbetäubenden Fluglärms und der Angst vor den dort gelagerten Atomsprengköpfen und Kurzstreckenraketen vorbei, andererseits gingen mit den Amerikanern auch Freunde weg. Vermisst wurden sie auch als Kunden der Geschäfte und solvente Mieter von Privathäusern, denn die Army zahlte ordentlich. Als Hinterlassenschaft blieb eine der größten zusammenhängenden militärischen Konversionsflächen Deutschlands, deren rund 250 Hektar nach einer sinnvollen neuen Nutzung verlangten.

          Zu den ersten Plänen zählte die Einrichtung einer ADAC-Übungsstrecke und die Ansiedlung eines Freizeitparks, für das sich ein Projektentwickler einsetzte. Doch man habe sich nicht von einem Investor abhängig machen wollen, sagt Bürgermeister Stefan Erb (SPD). Deshalb wurden gemeinsam mit der Nachbarstadt Bruchköbel, auf deren Gemarkung etwa 30 Prozent des Militärareals liegt, andere, sicherere Wege eingeschlagen. Eine Machbarkeitsstudie wurde in Auftrag gegeben und 2011 ein Zweckverband gegründet, den Erb und sein Bruchköbeler Amtskollege Günter Maibach (CDU) leiten.

          Zwei Jahre später erwarb der Zweckverband für rund fünf Millionen Euro gut 90 Hektar des Areals von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), um es als Logistik-, Dienstleistungs- und Freizeitstandort zu vermarkten. Seitdem hat sich viel getan. Das fängt beim Bau einer Zufahrt und von Erschließungsstraßen an, führt über die Verlegung von Kanalrohren und Stromleitungen bis hin zum Verkauf und zur Nutzung eines Großteils der Fläche. Dabei war bei jedem Bauvorhaben der Boden auf Altlasten und vor allem nach Bomben zu untersuchen, die von den Alliierten gegen Kriegsende dort abgeladen worden waren und vereinzelt sich noch dort befanden.

          Die Erinnerung an mitunter heikle Räumungsaktionen dürfte bald verblassen, wenn im November das erste Spiel des „1. FC Erlensee“ auf dem Fliegerhorst angepfiffen wird. Das neue Vereinsheim wird bis dahin zwar noch nicht fertig sein, aber die drei Fußballplätze können schon bespielt werden. Gut drei Millionen Euro lässt sich die Stadt die Anlage im nordöstlichen Zipfel des Fliegerhorsts kosten. Dafür gewinnt sie eine Fläche in der Stadtmitte für 120 Wohnungen, und sie ist den Ärger der Anwohner los, die sich über Fußballlärm beklagen.

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