https://www.faz.net/-gzg-wxx9

Energieversorger : Norwegisches Wasser spült die HSE nach oben

Natürliche Energie: Der Löwenanteil des Entega-Ökostroms stammt aus norwegischen Wasserkraftwerken Bild: E-Co/HSE

Der Stromerzeuger HSE in Darmstadt hat die Zahl der Ökostrom-Kunden binnen Jahresfrist auf 360.000 geschraubt. Bis Ende 2009 will er in Deutschland Marktführer bei Strom aus erneuerbaren Energien werden. Parallel plant die HSE ein neues Gaskraftwerk.

          Der Storch, der den rechten Flügel zur Hand geformt hat und den Daumen hoch hält, erscheint in diesen Wochen fast allgegenwärtig. Mit diesem Motiv bewirbt der Darmstädter Energielieferant Entega die Alternative „Ökostrom statt Atomstrom“. Und das mit großem Erfolg: Führte die Entega-Mutter Südhessische Energie AG (HSE) im Mai 2007 noch etwa 2000 Ökostromkunden in der Kartei, so sind es mittlerweile 360.000, wie HSE-Vorstandschef Albert Filbert bei der Vorlage der Jahresbilanz 2007 des Konzerns sagte. Unter dem Strich hat die Entega etwa 55.000 neue Kunden gewonnen. Und dabei soll es nicht bleiben.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Regionalversorger HSE will die Nummer Eins bei Strom aus regenerativen Energien werden – „und zwar in Deutschland“, wie er hervorhob. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen unter dem Strich mehr als 40.000 weitere Stromverbraucher das Entega-Angebot annehmen. Dieses ist mit dem sogenannten OK-Power-Zertifikat ausgezeichnet, das vom Öko-Institut, dem World Wildlife Fund Deutschland und der Verbraucherzentrale NRW vergeben wird. Der von der Entega vertriebene Ökostrom stammt zum Großteil aus norwegischen Wasserkraftwerken sowie aus Solar- und Windkraftanlagen, wie Vertriebsvorstand Holger Mayer sagte.

          „Wir kaufen keine Kernenergie ein“

          Zwar gilt Kernenergie bei ihren Verfechtern als klimafreundlich, weil bei ihrer Produktion kein Kohlendioxid frei wird – doch nutzt die Entega laut Mayer keinen Atomstrom. Derzeit verkaufe sie zu 55 Prozent Ökostrom und zu 45 Prozent Strom aus Gas und Kohle. „Wir kaufen grundsätzlich gar keine Kernenergie ein“, fügte er hinzu. „Die Entega hat den Atomausstieg für sich komplett vollzogen.“ Dies gelte auch für die Grundversorgung, die vor allem über Strom aus Gaskraftwerken sowie Kohlekraftanlagen erfolge.

          Um Schwankungen bei der Produktion von Solar- und Windenergie auszugleichen, kaufe die HSE am Markt nach – „und wir kaufen es teuer nach“, merkte Filbert an. Vor diesem Hintergrund hat die HSE sich an einem neuen Gas- und Dampfkraftwerk in Bayern beteiligt und plant am Stammsitz eine mit Gas betriebene Spitzenlastanlage für 45 bis 50 Millionen Euro. Filbert bekräftigte die gut neun Monate alte Ankündigung, bis 2015 rund 400 Millionen Euro in neue Anlagen zur Produktion erneuerbarer Energien zu investieren. Das Unternehmen schaue sich europaweit nach Möglichkeiten um.

          Kapital für Investitionen will sich die HSE über eine Anleihe besorgen, die sie bei institutionellen Investoren wie Banken und Versicherungen platzieren will. Auf diesem Wege will der Konzern die Tochtergesellschaft, in der die Netze ausgegliedert sind, „ausfinanzieren“: Durch die Anleihe auf die Netztochter besorgt sich das Unternehmen frisches Geld für Investitionen in die „zukunftsgerichtete Daseinsvorsorge“, wie es den Ausbau der eigenen Energieerzeugung nennt.

          Weniger Dividende

          2007 verkaufte der Versorger wegen des milden Wetters im Auftaktquartal in den ersten sechs Monaten bis zu einem Viertel weniger Gas, Strom und Wärme. Auch wenn die Nachfrage im Schlussquartal recht stark ausfiel, sanken die Umsätze auf 1,028 Milliarden Euro nach knapp 1,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Allerdings kletterte der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 78,7 Millionen Euro auf 87 Millionen Euro.

          Der Bilanzgewinn der HSE sank indes um 3,7 Millionen Euro auf 39,7 Millionen Euro. Allerdings hatte der Konzern im Jahr zuvor seine Anteile an der Kraftwerke Mainz-Wiesbaden AG verkauft und dadurch einmalig 34 Millionen Euro erlöst. Angesichts dessen müssen sich die Anteilseigner der HSE mit 39,4 Millionen Euro Dividende bescheiden; 2007 waren 43,4 Millionen Euro geflossen. Die Zahl der Mitarbeiter stieg zuletzt von 1999 auf 2329 was der Integration zweier Töchter in den Konzern geschuldet ist.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Merkel verteidigt Klimapaket : „Politik ist das, was möglich ist“

          Nach der Koalitionseinigung auf eine Klimastrategie verteidigt Angela Merkel das Paket – und lobt ausdrücklich das Engagement Greta Thunbergs und der Klima-Aktivisten auf den Straßen. Umweltverbände und die Opposition zeigen sich hingegen enttäuscht.

          Verfassungsschutz bei Youtube : Humor gegen Dschihadismus

          Nordrhein-Westfalens Verfassungsschutz will den Salafismus dort bekämpfen, wo er bisher freie Hand hatte: in der Youtube-Welt der Jugend. Ein Satire- und ein Informationsformat klären über das Thema auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.