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Energie aus 26 heißen Quellen : Wiesbaden heizt mit Thermalwasser

  • -Aktualisiert am

Die Quellen machten die Stadt als Kurort bekannt Bild: dpa

Mit 26 heißen Quellen verfügt die Stadt über ungewöhnliche Energielieferanten. Jetzt wird die Energie des Thermalwassers zum Heizen eines Gebäudes genutzt - weitere sollen folgen.

          Bis zu 67 Grad heiß ist das Wasser, das in Wiesbaden an vielen Stellen aus tiefen Erdschichten an die Oberfläche drängt. Im sogenannten Quellenviertel sieht man es zur kälteren Jahreszeit sogar aus den Gullydeckeln dampfen. Jetzt will die Stadt diese nach Meinung von Umwelt- und Kulturdezernentin Rita Thies (Die Grünen) unerschöpfliche Ressource zur Gewinnung von Heizenergie nutzen.

          Nahe der Kleinen Schwalbacher Straße, die gegenwärtig von der Stadtentwicklungsgesellschaft aufwendig umgestaltet wird, hat Thies eine „Nahwärmeinsel“ offiziell in Betrieb genommen, die kein Blockheizkraftwerk der bekannten Art ist und sich auch nicht auf Solarenergie oder Holzhackschnitzel stützt, sondern ausschließlich auf Thermalwasser.

          „Europaweit einzigartige regenerative Energiequelle“

          Der erste gewerbliche Kunde, der mit der so gewonnenen Heizenergie versorgt wird, ist die Kaffeerösterei Hepa, die unlängst ihr Café an der Kleinen Schwalbacher Straße eröffnet hat. Auch die anderen, noch im Bau beziehungsweise Umbau befindlichen Gebäude der SEG an der Straße sollen von der „Nahwärmeinsel“ aus versorgt werden. Die Anschlussleistung liegt laut Thies zunächst bei etwa 200 Kilowatt, was umgerechnet für die Erwärmung von 40 Wohnungen reichen würde.

          Den Gewinn der Anlage für den Klimaschutz bezifferte die Dezernentin auf jährlich rund 85 Tonnen weniger Kohlendioxid-Emissionen. Würde die Stadt das ihr voll verfügbare Energiepotential der Thermalquellen nutzen, ließe sich nach ihrer Berechnung etwa zehn Mal so viel Ausstoß an den klimaschädlichen Gasen vermeiden.

          Thies kündigte an, diese „europaweit einzigartige regenerative Energiequelle“, die sich hervorragend zur Beheizung von Wohnungen und Gebäuden nutzen lasse, in einen Gesamtenergieplan für Wiesbaden einzubeziehen. Das legten nicht nur die dramatische Veränderung des Klimas und der permanente Anstieg der Energiepreise nahe, sondern auch die Versorgungsrisiken aufgrund politischer Unwägbarkeiten.

          Thermalwasser aggressiv aufgrund des Salzgehalts

          Wiesbaden darf laut wasserrechtlicher Genehmigung noch drei Jahrzehnte lang jährlich 650.000 Kubikmeter Thermalwasser aus den fünf Primärquellen fördern, zu denen der Kochbrunnen, die Salmquelle, die Große und Kleine Adlerquelle sowie die Schützenhofquelle zählen. In der Vergangenheit wurde das wegen seines hohen Salzgehalts sehr aggressive Thermalwasser nur sehr partiell zur Beheizung etwa der Wohnungen im einstigen Palasthotel genutzt.

          Von der Kaiser-Friedrich-Therme aus, die seit einigen Jahren über eine verbesserte Enteisungs- und Entmanganungs-Anlage verfügt, wird auch das Aukammbad gespeist – auf dem Weg dorthin gibt es einige Leitungsanschlüsse unter anderem zur Beheizung des Rathauses. Der von dem aggressiven Wasser ausgehenden Korrosionsgefahr begegnet man heute vor allem mit dem Einsatz glasfaserverstärkter Kunststoffrohre und -armaturen, einem Wärmeüberträger aus Titanlegierungen und Armaturen aus besonders robustem Edelstahl.

          Für die „Nahwärmeinsel“ wird Wasser aus der Kaiser-Friedrich-Therme in einem vorhandenen, begehbaren Schacht zur Brunnenkammer der Schützenhofquelle geleitet und von dort über einen Wärmeaustauscher. Dieser überträgt die Wärme des Thermalwassers auf das „normale“ Wasser, das dann erwärmt durch das Parkhaus Coulinstraße und unter dem Gemeindebadgässchen, dem Michelsberg, der Hochstättenstraße sowie der Mauritiusstraße durch zur Kleinen Schwalbacher Straße und in die dortigen Häuser gelangt.

          Die Anlage kostet ihrer aufwendigen Technik wegen rund 440.000 Euro. Um die Wärme zu einem wirtschaftlichen Preis anbieten zu können, wird die Stadt laut Thies mit 100.000 Euro zur Finanzierung beitragen; außerdem soll sie vom Klimaschutz- und Innovationsfonds der Eswe Versorgungs AG mit 87.600 Euro gefördert werden.

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