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Emil von Behring : Forscher, Unternehmer, Nobelpreisträger

Der erste deutsche Nobelpreisträger für Medizin: Marburg hat Emil von Behring ein Denkmal gesetzt. Bild: Florian Manz

Sanofi Aventis als einer der Behring-Nachfolgeunternehmen hat den Nachlass und das Archiv des Gründers Emil von Behring der Marburger Universität zur Aufarbeitung übereignet.

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          Er schuf die Grundlagen, dass Marburg bis heute eine der bedeutenden deutschen Standorte der pharmazeutischen Industrie und Forschung ist. Seine herausragenden Entdeckungen zur körpereigenen Immunabwehr und seine Forschungen zur Entwicklung der Serumtherapie gegen Diphtherie und Tetanus, wofür er mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wurde, fallen in seine Marburger Zeit. Auch in der Kommunalpolitik seiner Wahlheimat nahm Emil von Behring Einfluss. So kümmert er sich als Stadtrat beispielsweise um die Verbesserung der Trinkwasserversorgung und sorgte für die Etablierung eines Gesundheitsamts in Marburg.

          Wolfram Ahlers
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Authentische Einblicke in das vielschichtige Leben und Wirken eines herausragenden Mediziners, Wissenschaftlers und Unternehmers des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts und einer der prägenden Persönlichkeiten Marburgs gibt ein ungewöhnlich umfangreicher Nachlass. Das Behring-Archiv zählt zu den größten und wichtigsten Konvoluten seiner Art. Schon seit einigen Jahren befinden sich wesentliche Teile der Sammlungen in der nach Behring benannten Bibliothek für Geschichte und Ethik der Medizin der Marburger Universität. Nun hat das Unternehmen Sanofi-Aventis Deutschland GmbH als eine der Nachfolger der Behring-Werke dieses Archiv der Philipps-Universität übereignet. Damit ist sichergestellt, dass Behrings Nachlass auf Dauer in Marburg bleibt und Projekte zur Aufarbeitung dieser bedeutenden Dokumente zur Wissenschaftshistorie fortgeführt werden können.

          Ausstellung im Schloss

          Aus Anlass der Vertragsunterzeichnung zum Eigentümerwechsel, an dessen Zustandekommen auch die Stadt Marburg mitwirkte, zeigt die Arbeitsstelle für Geschichte der Medizin der Universität in Zusammenarbeit mit dem Fachdienst Kultur der Stadt eine Ausstellung im Schloss, in der die wesentlichen Stationen im Leben von Emil von Behring anhand von Exponaten aus dem Archiv nachgezeichnet werden. Nach den Vorstellungen der Ausstellungsmacher könnte diese Präsentation später zu einer Dauerausstellung erweitert und eine der Hauptanlaufstellen für den geplanten Behring-Pfad durch Marburg werden. Die Stadt will mit diesem Projekt eine weitere Touristenattraktion schaffen. Der Rundgang, der mit den Wohn- und Arbeitsstätten Behrings bekannt macht, wo der erste Nobelpreisträger für Medizin von 1895 bis zu seinem Tode 1917 lebte, forschte und lehrte, soll im nächsten Jahr fertig gestellt sein.

          Dankesbrief an Behring
          Dankesbrief an Behring : Bild: Florian Manz

          Zu verdanken sind die außergewöhnlich vielen biographischen Dokumente Behrings Frau Else, die sich für ihr soziales Engagement in Marburg ebenfalls einen Namen machte. Sie sorgte dafür, dass so gut wie alle persönlichen Aufzeichnen für die Söhne und deren Familien aufbewahrt wurden. Dazu zählt eine rund 1700 Briefe umfassende Korrespondenz, die Privates ebenso enthält wie Reflektionen des Arbeitsalltags oder Berichte über Versuche, die Behring in seinen Laboren machte. Regen Austausch pflegte Behring unter anderem mit Paul Ehrlich, mit dem er Methoden entwickelte, wie sich die Wirksamkeit von Seren verbessern ließ.

          Erstausgaben der Bücher über Diphtherie, Tetanus und Tuberkulose

          In dem Nachlass finden sich zudem Hunderte handschriftliche Aufzeichnungen etwa zur Entdeckung von Seren, aber auch Originale von Patentanmeldungen und Verträgen des Geschäftsmanns und Unternehmers Behring. Hinzu kommt eine Vielzahl von Erstdrucken mit Veröffentlichungen von Behrings in Fachzeitschriften, Erstausgaben seiner Bücher über Diphtherie, Tetanus und Tuberkulose. Auch Orden und Urkunden, darunter die des Nobelpreises von 1901, finden sich im Nachlass. Erhalten geblieben ist nicht zuletzt die mehr als 1000 Bände umfassende Privatbibliothek des Forschers.

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