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Eizellen einfrieren : Wenn die biologische Uhr lauter tickt

  • -Aktualisiert am

Für schlechte Zeiten: Immer mehr Frauen lassen Eizellen einfrieren. Bild: Regina Recht / VISUM

Um nicht kinderlos zu bleiben, lassen Frauen mit spätem Kinderwunsch ihre Eizellen einfrieren. Die Nachfrage nach „Social Freezing“ steigt.

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          Drei Jahre ist es her, dass „Social Freezing“ über Thomas Hahn „hereingebrochen“ ist, wie er sagt. Der Leiter des Kinderwunschzentrums in Wiesbaden erinnert sich noch gut an die erste Patientin, die danach fragte: Eine 35 Jahre alte Bankerin, Single, keine Kinder. Sie wurde für zwei Jahre nach London versetzt und glaubte nicht, dort den Mann zu treffen, der Vater ihrer Kinder sein könnte. Deshalb wollte sie ihre Eizellen einfrieren lassen, um sie nach der Menopause noch befruchten und einsetzen lassen zu können. Die nötigen Geräte und das Wissen habe er gehabt, sagt Hahn. Allein auf den Grund für die Anfrage sei er nicht vorbereitet gewesen.

          Das Einfrieren unbefruchteter Eizellen praktizieren Reproduktionsmediziner seit Jahren, etwa in der Behandlung von Krebspatientinnen, da die Chemotherapie die Fruchtbarkeit beeinträchtigt. Der Begriff bezieht sich auf das Motiv, aus „sozialen“ statt wie sonst üblich aus medizinischen Gründen gewissermaßen die biologische Uhr anzuhalten. Die Idee entstand in den Vereinigten Staaten, wo inzwischen Unternehmen wie Apple und Facebook Angestellten den Eingriff sogar finanzieren.

          Fruchtbarkeit nimmt mit 35 Jahren stark ab

          In Deutschland ist „Social Freezing“ noch vergleichsweise wenig bekannt. Robert Emig, Leiter des Kinderwunschzentrums in Mainz, schätzt die Zahl der Frauen, die sich mit dem Wunsch an ihn wenden, auf etwa zwei im Monat. Thomas Hahn nennt ähnliche Zahlen. Beide Mediziner beobachten allerdings, dass die „Nachfrage“ allmählich steige.

          Viele Frauen kämen mit ihrem Anliegen allerdings zu spät in das Kinderwunschzentrum, sagt Hahn. Das liege zum einen daran, dass die Berufsausbildung lange dauere und sie zu spät mit der Familienplanung begännen. Zum anderen verlören sie durch die selbstbestimmte Familienplanung, die Verhütungsmittel ihnen ermöglichten, das Gefühl für ihre abnehmende Fruchtbarkeit: „Man sollte der Pille Informationen beilegen, dass die Eizellen einer Frau altern und die Fruchtbarkeit ab dem 35. Lebensjahr stark abnimmt.“

          Bis zu fünf Operationen können nötig sein

          Die Wahrnehmung der Frauen werde außerdem durch Prominente wie Halle Berry und Birgit Schrowange verzerrt, die nach dem 40. Geburtstag noch Kinder bekommen hätten, sagt Emig. Das wecke falsche Erwartungen, zumal sich heute viele Menschen jünger fühlten, als sie seien. „Ich habe hier regelmäßig Frauen im Alter von 40 Jahren, die Kinder wollen und erstaunt sind, dass ich keine Wunder vollbringen kann.“

          Bis zu welchem Alter das Einfrieren der Eizellen sinnvoll sei, sei bei jeder Frau unterschiedlich, sagt Hahn. Es gebe Frauen, die mit 42 Jahren noch ausreichend viele Eizellen hätten, die befruchtet werden könnten, während andere mit 38 Jahren kaum noch fruchtbar seien. Nach der Beratung wird deshalb zunächst die Fruchtbarkeit der Patientin durch eine Ultraschall- und Hormonuntersuchung überprüft. Anschließend erhält sie Hormonpräparate, die ihre Eizellenproduktion erhöht. Nach etwa vier Wochen entnimmt der Arzt unter Vollnarkose Keimzellen. Nicht bei allen Frauen werden mit dem Eingriff ausreichend viele brauchbare Eizellen gewonnen, so dass bis zu fünf Operationen notwendig sein können. Die Eizellen werden dann eingefroren und gelagert.

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