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Einstein von Darmstadt : Selfies mit dem Stadtkater

  • -Aktualisiert am

Lokalgröße: Kater Einheit stromert durch ganz Darmstadt Bild: Cornelia Sick

In Darmstadt ist Einstein berühmt. Sogar einen Facebook-Auftritt mit 2300 Mitgliedern hat das Tier. Dabei kehrt der Kater immer wieder nach Hause zurück.

          3 Min.

          Zu Hause ist Kater Einstein in einer gemütlichen Altbauwohnung im Westen des Darmstädter Martinsviertels. Hier entspannt er beim Blick aus dem Sprossenfenster im Hochparterre, lässt seinen Blick über den Hinterhof schweifen und sammelt neue Energie für seine Streifzüge durch die Stadt. Sein Revier reicht vom Jugendstilbad über den Marktplatz und die Bismarckstraße bis zum Herrngarten. Dort kennt er jedes Haus und jede Ecke – und fast alle kennen ihn.

          Der unerschrockene Stadtkater mit dem cremefarbenen Kuschelfell ist inzwischen eine lokale Berühmtheit. Seine erst Mitte September gegründete Facebook-Gruppe „Einstein der Stadtkater“ hat schon knapp 2500 Mitglieder, Tendenz steigend. Fotos zeigen ihn selig schlummernd in der Lobby eines Hotels und auf den Armen lachender Mitarbeiter. Im Gasthaus „Goldene Krone“ lümmelt er auf einem Schemel vorm Klavier. In einem Café im Martinsviertel hat er seinen eigenen Tisch, der im Winter natürlich unter einem Wärmepilz steht. Gastronomen legen Schlafkissen für ihn bereit, Gäste kraulen seinen Bauch, Passanten schießen Selfies und laden Videos hoch, auf denen sie mit Einstein spielen. Einstein im Blumenladen, Einstein vorm Ratskeller, Einstein in einer Kaffeebar – der Kater kommt herum. Selbst auf nächtlichen Streifzügen wird er entdeckt und fotografiert, so wie vor wenigen Tagen morgens um viertel vor drei. Und zwischen all den Katzenbildern taucht auch ein anderes Motiv immer wieder auf: lächelnde Gesichter.

          Dass ihr Norwegischer Waldkater so viele Menschen begeistern würde, hätten seine Halter Sascha und Sarah, die ihren Nachnamen nicht in der Zeitung lesen wollen, nicht gedacht, als sie das inzwischen zweieinhalb Jahre alte Tier von einer Züchterin kauften. Die junge Familie wünschte sich lediglich ein Haustier. „Ich war eigentlich eher der Hundetyp“, sagt Sarah, während Einstein schnurrend auf ihrem Arm ruht. Da die Mutter ihres Freundes jedoch zwei Waldkatzen besitzt und Sascha auch eine solche wollte, ließ sich Sarah überzeugen.

          Nach einiger Internet-Recherche entschied sich das Paar für Einstein – der damals noch Aron hieß. Mit diesem Namen konnte sich die Sechsunddreißigjährige beim besten Willen nicht anfreunden. Ein Bekannter schlug daraufhin Einstein vor. Kein halbes Jahr später bewies der Kater, dass er den Namen offenbar zu Recht trägt. „Er wurde aus der Bibliothek gefischt“, sagt Sarah und lacht. Einstein war der Hinterhof zu klein geworden, ihn hatte die Abenteuerlust gepackt. Der Ausflug in die Hochschule sollte nicht sein letzter gewesen sein.

          „Anfangs haben wir ihn dauernd im Tierheim abholen müssen“, erzählt Sascha. Immer wieder sei der menschenfreundliche Kater dort abgegeben worden. „Die Leute dachten, er wäre ausgebüxt.“ Irgendwann habe Sascha die Nummer des Tierheims schon beim kurzen Blick aufs Telefon erkannt, so oft wurde angerufen. Einstein landete auch schon auf einem Hof für Fundtiere bei Weiterstadt und nächtigte bei den Polizisten des ersten Reviers in Darmstadt. Ständig tauchte er auch auf einer Homepage für gefundene Tiere auf. „Dabei wurde er nie vermisst“, hebt Sarah hervor. Er sei bloß gerne unterwegs.

          Eine Katzenklappe erleichtert dem umtriebigen Kater, den auch die Kastration nicht zu einem Stubentiger machte, das Kommen und Gehen. Ein mit der elektronischen Klappe gekoppelter Chip sorgt dafür, dass nur Einstein zu Sarah, Sascha und Söhnchen Karl aufs Sofa schlüpfen kann. „Und wir wissen dadurch auch genau, wann er nach Hause kommt“, sagt Sascha. Meist tauche er zuverlässig zur Fütterungszeit auf. Kuscheln könne er zwar überall, gegessen aber werde zu Hause, scherzt Sarah. „Dann wissen wir auch, was er bekommt.“ Denn bei aller Begeisterung der Darmstädter für ihren Kater, sähe das Paar es am liebsten, wenn Einstein nicht gefüttert würde. „Er hat ja ein Zuhause.“ Dank der Facebook-Gruppe, die übrigens nicht Sarah und Sascha gegründet haben, habe sich das inzwischen auch herumgesprochen.

          Ins Tierheim gebracht werde der Kater ebenfalls nicht mehr. Und wenn Einstein einmal länger als gewohnt seinem Zuhause fernbleibt, sorgt ein Blick in den Account für Beruhigung. „Irgendjemand postet immer etwas, und so wissen wir, wo unser Kater steckt“, sagt Sascha. Inzwischen passe gefühlt die halbe Stadt auf Einstein auf. Werde das Tier geärgert oder gejagt, spreche sich das in Windeseile herum. Beruhigend, findet das Sarah. Denn dass ihr Kater auf seinen Wegen durch die Stadt auch in Gefahr geraten kann, ist seinen Haltern bewusst. Dennoch könnten sie das Tier nicht einsperren. „Er will einfach raus.“

          Vielleicht gibt es demnächst noch ein Mitglied in der Familie, das gerne heraus möchte, zumindest dreimal am Tag. Als Einstein außer Hörweite ist, erzählt Sascha von seinem Wunsch: „Ich hätte gern auch einen Hund.“ Der aber, versichert er, bleibe an der Leine.

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