https://www.faz.net/-gzg-t30f

Einschulung : Schule beginnt und soll nicht mehr ausfallen

  • Aktualisiert am

Mit Ranzen und Tüten: Kinder bei der Einschulung Bild: dpa

58.000 Jungen und Mädchen sind am Dienstag in Hessen eingeschult worden. Die CDU-Landesregierung hängt mit dem Versprechen, es werde keine Stunde ausfallen, die Meßlatte hoch.

          2 Min.

          58.000 Jungen und Mädchen sind am Dienstag in Hessen eingeschult worden, und so begann für sie, was immer noch gerne als der Ernst des Lebens bezeichnet wird. Und ernst ist es ja tatsächlich, etwa mit dem Thema „Unterrichtsgarantie plus“. Die wird zum Beispiel die Erstkläßler in der Grundschule Reichenbach noch nicht interessieren, ihre Eltern schon eher.

          Die CDU-Landesregierung hängt mit dem Versprechen, es werde keine Stunde ausfallen, die Meßlatte hoch, und darum waren auch mehrere Kabinettsmitglieder und Ministerpräsident Roland Koch in die Schulen gekommen, alle mit der Botschaft: Es wird gut. Und wo es nicht so sei, solle unter der „Stundenausfall-Hotline“ 0611/3682019 Meldung gemacht werden.

          Eltern zweifeln an „verläßlicher Schule“

          Der Wiesbadener Stadtelternbeirat will dem Projekt „Unterrichtsgarantie plus“ nicht im Wege stehen und an der Verwirklichung des Konzepts „konstruktiv-kritisch mitwirken“. Das hat der Vorsitzende der Elternvertretung, Horst Hanke, Kultusministerin Karin Wolff (CDU) gestern schriftlich wissen lassen.

          Vorsicht im Straßenverkehr: Die Schule hat wieder begonnen
          Vorsicht im Straßenverkehr: Die Schule hat wieder begonnen : Bild: picture-alliance/ dpa

          Gleichzeitig meldet der Beirat aber „einige Zweifel“ an, ob der von der Ministerin eingeschlagene Weg am besten geeignet sei, Unterrichtsausfall zu vermeiden und eine „verläßliche Schule“ zu schaffen. Bloße Betreuung sei noch kein Unterricht; den könnten nur qualifizierte Kräfte gewährleisten. Zudem habe die Elternvertretung den Eindruck gewonnen, daß das Konzept zu viele bürokratische Hürden enthalte und pragmatische Lösungen an den Schulen erschwere.

          Der Stadtelternbeirat wird laut Hanke zusammen mit den Wiesbadener Schul- und Klassenelternbeiräten und in Verbindung mit dem Gesamtpersonalrat der Lehrer genau verfolgen, wie das Modell an den einzelnen Schulen realisiert werde. Auf Basis der Erkenntnisse wolle man dann konstruktive Vorschläge zur Weiterentwicklung machen. Weil sicher auch die Ministerin an der Optimierung des Konzepts interessiert sei, heißt es in dem Schreiben, erwarte man von ihr, daß sie die Eltern daran beteiligen werde.

          Roland Koch besucht Erstkläßler in Reichelsheim

          Anna, Moritz und Charis haben an ihrem ersten Schultag einen Ehrengast. Weil sie die einzigen hessischen Drillinge mit Schultüte sind, ist Roland Koch (CDU) gestern nach Reichelsheim gekommen. Der Ministerpräsident will ihnen und den anderen 62 Erstkläßlern an der Grundschule im Ried zum Schulanfang alles Gute wünschen. Von Spaß ist in seinem Grußwort die Rede, auch von Arbeit und vielen Freunden. Trotzdem sind noch nicht alle von den Vorzügen des neuen Lebensabschnitts überzeugt, und ein Kind weint laut auf.

          Erfahrene Schüler - sie gehen in die 3. Klasse - beruhigen die Neuankömmlinge. Als Gitarren- und Xylophonklänge vom Band ertönen, treten sie vor den Vorhang. Dann singen sie, daß die Schule ein Ort ist, an dem sie schreiben, rechnen und lesen lernen. Warum das von Nutzen sein könnte, hören Anna, Moritz, Charis und die übrigen wenig später.

          Denn die Drittkläßler haben sich ein kurzes Stück überlegt: Das Kindergartenkind Jule verspürt keine rechte Lust auf die Schule. Schließlich wartet dort eine Lehrerin mit furchteinflößend großen Füßen und Händen auf sie. Das hat ihr wenigstens der ältere Bruder Thomas erzählt. Doch bei einem Einkaufsbummel trifft sie auf einen Polizisten und einen Bäcker. Die sagen ihr zum einen, wie sie sicher eine Kreuzung überquert und einen Teig anrührt. Zum anderen erzählen sie, daß sie ohne die Schule nie eine Polizistenkappe oder Bäckermütze bekommen hätten. Und daß die Lehrerin mit den riesigen Gliedmaßen die freundlichste Stadtbewohnerin ist. Jule glaubt ihnen - und vielleicht auch das junge Publikum.

          Zumindest lassen alle ihre Schultüten mit den Feen, Delphinen und Michael Ballacks aus Glanzpapier bei den Eltern zurück und schultern die Ranzen. Ein paar winken den Müttern und Vätern. Danach laufen Anna, Moritz, Charis und ihre neuen Klassenkameraden in einer langen Reihe zu den Klassenräumen. Für den Fall, daß Koch sich geirrt haben sollte und der Spaß und die neuen Freunde auf sich warten lassen, verspricht die Schulleiterin allen süße Brezeln. Die ungefähr halb so groß sind wie die Erstkläßler.

          Weitere Themen

          Topmeldungen