https://www.faz.net/-gzg-p732

: Ein Stadtmuseum in die Goldene Krone in Darmstadt?

  • Aktualisiert am

Das älteste Haus Darmstadts, das Gasthaus und Szenelokal Goldene Krone, soll verkauft werden. Der derzeitige Besitzer Heinz Unverricht aus der Brauerei-Dynastie Wiener erwartet dem Vernehmen nach rund ...

          2 Min.

          Das älteste Haus Darmstadts, das Gasthaus und Szenelokal Goldene Krone, soll verkauft werden. Der derzeitige Besitzer Heinz Unverricht aus der Brauerei-Dynastie Wiener erwartet dem Vernehmen nach rund 600000 Euro für das Gebäude, in dem seit knapp 30 Jahren eine Jugend- und Musikszene zu Hause ist. Nicht erst nach dem kürzlichen Tod des Gaststättenbetreibers Tilman Wenger hat diese Szene hier kaum noch Zukunft. Seit Jahren kämpft die Goldene Krone mit abnehmendem Erfolg um ihr Publikum, die erfolgreiche Musikszene in der Centralstation hat das meiste abgezogen.

          Auf das Kaufangebot ist nach Aussage des Vorstandsvorsitzenden Hans-Jürgen Braun auch die städtische Bauverein AG angesprochen worden. Auch wenn ein solcher Erwerb kaum ein betriebswirtschaftlicher Erfolg werden könnte, will Braun sich dem Erhalt des letzten Darmstädter Altstadtgebäudes nicht verschließen. Er würde es aus der Verantwortung einer städtischen Gesellschaft gegenüber der Stadt "unter die Fittiche des Bauvereins" nehmen, "wenn das preislich vernünftig wäre", sagte Braun und fügte einschränkend hinzu: "Wir reißen uns aber nicht unbedingt darum." Der Bauverein habe bereits das Alte Rathaus erworben, in dem eine bodenständige Gastronomie ansässig ist, eine solche mit Altstadtflair könnte Braun sich auch in der Goldenen Krone vorstellen. Im Obergeschoß könnte dann der seit langem gehegte Plan eines Stadtmuseums verwirklicht werden. Ursprünglich sollte dieses im Alten Pädagog eingerichtet werden, doch hier wurden inzwischen weitere Schulräume geschaffen. Mit Stadtmuseum und Altstadtlokal könnte der Charakter der Goldenen Krone als Kultureinrichtung mit Gastronomie erhalten bleiben.

          Daß Brauns Begeisterung für den Erwerb eingeschränkt ist, hat seinen Grund. In das Gebäude müßte erheblich investiert werden, "ein Vielfaches des Kaufvertrages", was in die Millionen gehen dürfte. "Wir würden das in der beim Bauverein gewohnten Solidität machen", sagte Braun. Das Haus werde noch von einer Dampfheizung beheizt, die es zu ersetzen gelte, auch Elektroinstallationen, die Fenster rundum und die Sanitär- und Kücheneinrichtungen müßten erneuert werden. Schließlich gelte es, den Brandschutz für ein solches Haus mit öffentlicher Funktion zu beachten, auch da seien Investitionen nötig. "Es stand ja schon einmal zur Debatte, die Krone deswegen zu schließen", erinnert Braun sich an seine Zeit als Baudezernent. Damals sei man kulant mit den Betreibern verfahren. Einzig die Statik des um 1660 errichteten Hauses scheint solide zu sein. Dafür sorgt nicht zuletzt ein 1929 eingezogenes inneres Stahlgerüst der Darmstädter Firma Donges, das die Goldene Krone möglicherweise in der Bombennacht vor 60 Jahren vor dem Einsturz bewahrt hat.

          Neben dem Bauverein, dessen Aufsichtsgremien in der übernächsten Woche über das Projekt beraten wollen, soll es zwei weitere Interessenten geben. Wie solide diese Angebote sind, steht dahin. Braun weiß, daß jeder Käufer um beträchtliche Investitionen nicht herumkommt. Und für jeden stelle sich dann auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. ziz.

          Weitere Themen

          Wie im Film

          Musical „Bodyguard“ : Wie im Film

          Liebe in Zeiten der Gefahr: „Bodyguard – Das Musical“ kommt zur Weihnachtszeit nach Frankfurt. In der Alten Oper wird die Geschichte vom Personenschützer und der Diva aufgeführt.

          „Ich glaube an das Buch“

          Deutsche Buchbranche : „Ich glaube an das Buch“

          Auf den Tübinger Buchhändler folgt die Verlegerin aus Mainz: Karin Schmidt-Friderichs ist die neue Chefin der deutschen Buchbranche. Sie ist erst die zweite Frau an der Spitze des Vereins.

          Topmeldungen

          Bildungsministerin Karliczek : Die Unterfliegerin

          Bildungsministerin Anja Karliczek gilt als ungeschickt, die Länder wollen sie in der Debatte um Bildungszusammenarbeit sogar ausbooten. Sie macht trotzdem weiter. Ein Porträt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.