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Luchs aus Harz zugewandert : „M12“ durchstreift den Taunus

Migrant: „M12“ heißt der Luchs, der am Freitag auf dem Sportfeld der Frankfurt International School in Oberursel chillte Bild: Vera Thiers

Arbeiter haben ihn aus dem Steinbrecher eines Quarzitwerks heraus schauen sehen, Schüler entdeckten ihn auf einem Sportplatz: Ein Luchs läuft im Taunus umher. Zuvor war er Hunderte Kilometer weiter nördlich entfernt zu Hause.

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          Der Sportunterricht an der Frankfurt International School hat am Freitag verspätet begonnen. Die Kinder bestaunten aus sicherer Entfernung eine große Katze, die sich als Luchs entpuppte. „Er war überhaupt nicht scheu“, sagt Vera Thiers, Sprecherin der Schule. Sie konnte sich auf 20 Meter nähern und Fotos machen. Eine Rückfrage beim Opel-Zoo in Kronberg ergab, dass dort kein Luchs vermisst wurde.

          Bernhard Biener
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Nun ist auch klar, weshalb: Das Tier ist aus dem Harz in den Frankfurter Raum eingewandert. Der hessische Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland teilte am Mittwoch mit, dass es sich bei einem am Freitag entdeckten Luchs um ein männliches Tier handelt, das den Namen „M12“ trägt. Im Januar war er schon in Hanau und davor sogar im Südwesten der Republik gesehen worden (siehe Kasten).

          „Er ging in aller Ruhe die Treppe hinauf“

          Die als scheuer Jäger bekannte Wildkatze ließ sich erst von der Polizei stören. Die Beamten konnten den Luchs durch lautes Klatschen zum Aufstehen bewegen. „Er ging in aller Ruhe die Treppe hinauf und durch ein Tor, das wir aufgemacht hatten, in den Wald“, sagt Thiers.

          Für den Luchsbeauftragten Uwe Neun vom Forstamt Weilrod ist es der erste sogenannte C-1-Beleg, seit der Luchs hier nicht mehr heimisch ist. Das bedeutet, die Sichtung ist durch Fotos zweifelsfrei belegt. Tatsächlich sind die charakteristischen Pinselohren nicht zu übersehen. Allerdings ist die Begegnung vom Sportfeld nicht die erste. „Seit Mitte August habe ich mehrfach Meldungen bekommen“, sagt Neun.

          Im Quarzitwerk in Friedrichsdorf-Köppern schaute morgens ein Luchs aus dem Steinbrecher – einer Maschine, die im Betrieb einen Höllenlärm macht. Einige Tage zuvor machte ein Jäger im Stadtwald von Rosbach eine Videoaufnahme. Seither ist ein Luchs auf einem Weg neben der Saalburgchaussee, bei Bad Homburg-Dornholzhausen und am Forellengut gesehen worden. Weil die Orte nah beieinander liegen, könnte es sich um dasselbe Tier handeln, vermutet Neun. Ihn erstaunt, dass der Luchs wenig menschenscheu ist. Das sei aber auch bei Exemplaren aus dem Harz beobachtet worden. „Sie haben offenbar keine schlechten Erfahrungen mit Menschen.“

          2018 mit Sender ausgestattet

          Laut BUND steht auch die Reiseroute von M12 fest: Das Tier war demnach im April 2018 bei Bad Pyrmont mit einem Sender ausgestatett worden. Der Luchs wanderte laut BUND zunächst durch Nordrhein-Westfalen und kam Mitte August 2018 nach kurzen Stippvisiten für längere Zeit nach Hessen. Im November 2018 sei allerdings bei Vogelsberg der Sender ausgefallen, hieß es. Nach einer Sichtung von „M12“ in Baden-Württemberg wurde der Luchs im Januar 2020 bei Hanau sowie ab August mehrmals im Raum Taunus beobachtet.

          Zwar wandern dem BUND zufolge alle erwachsenen Jungluchse auf der Suche nach einem Revier umher. Die von „M12“ zurückgelegte Strecke sei allerdings ungewöhnlich. Erstaunlich sei auch, dass „M12“ das dicht besiedelte Rhein-Main-Gebiet durchquert habe, hieß es. Luchse gelten demnach als sehr scheu. (dpa)

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