https://www.faz.net/-gzg-vcac

Klaus-Peter Willsch : Ein Hinterbänkler gerät unter Beschuss

In der Kritik: Klaus-Peter Willsch Bild: F.A.Z. - Michael Kretzer

Der „Rheingau-Taunus-Monatsanzeiger“ von Klaus-Peter Willsch verbreitet konservative Meinungen und Texte aus dem Dunstkreis der Jungen Union. Nun ist der CDU-Bundestagsabgeordnete in der Defensive: wegen Rüstungsanzeigen in seiner Zeitung.

          Der „Rheingau-Taunus-Monatsanzeiger“ ist kein aufregendes Blatt. In 90.000 Exemplaren gedruckt und an alle Haushalte im Wahlkreis verteilt, verbreitet der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch (CDU) als Herausgeber darin schon seit fünf Jahren seine durchweg konservativen Kommentare zur Kreis-, Landes- und Bundespolitik.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Willsch, Kreisvorsitzender seiner Partei und seit 1998 im Bundestag, wollte damals auch eine „Gegenöffentlichkeit“ zu den Lokalzeitungen herstellen, von denen sich die CDU und vor allem Willsch nicht immer fair behandelt fühlten. Inzwischen verkehrt Willsch mit den Redakteuren aus Wiesbaden vorzugsweise schriftlich.

          Eigenanzeigen der CDU

          Dass der wenig lesefreundlich gestaltete „Monatsanzeiger“, dessen von Hobbyjournalisten verfasste Texte aus dem Dunstkreis der Jungen Union zudem in der Regel weder anregend noch unterhaltsam sind, derzeit für Aufsehen sorgt, liegt allein an den Anzeigen. Aber nicht an denen eines Rheingauer Weinguts oder einer Rüdesheimer Backstube. Zunächst waren Eigenanzeigen der CDU ein Stein des Anstoßes, weil Willsch die Kosten dafür ganz oder teilweise mit seiner Abgabe an die Partei verrechnete. Willsch musste sich im Streit um die Berichterstattung des „Wiesbadener Kuriers“ schließlich sogar vom Berliner Kammergericht belehren lassen, dass eine „Zahlung“ nicht mit der Erbringung einer Sachleistung wie der Schaltung einer Anzeige identisch ist.

          Dass der 46 Jahre alte Volkswirt die einem Bundestagsabgeordneten auferlegte Parteiabgabe nicht oder nur teilweise abführte, sorgte nach den ersten Veröffentlichungen auch in den eigenen Reihen für Aufregung. Öffentlich wagte sich aber nur ein langjähriges Parteimitglied, der frühere Kreislandwirt Herbert Enders, aus der Deckung. Er fasste die Stimmung in der Partei so zusammen: „Wir können uns mit unserem Bundestagsabgeordneten und Kreisvorsitzenden nicht mehr schmücken. Er demontiert sich persönlich und schadet der eigenen Partei.“

          Willsch könne sich von seinen Abgaben nicht mit dem Argument freikaufen, eine eigene und verlustreiche Monatszeitung herauszugeben. Das fanden natürlich auch die Grünen im Landtag, die vor wenigen Wochen kritisierten: „Per Gerichtsurteil wird festgestellt, dass der CDU-Kreisvorsitzende gegen die eigene Beitragssatzung verstößt, und die Parteispitze findet das richtig.“ Nun sei die Landespartei gefragt.

          Innerparteiliche Wunden

          Der langsame Verfall von Willschs innerparteilicher Autorität begann aber schon in der Phase, als er den kompromisslosen Konfrontations- und Polarisierungskurs des früheren Landrats Bernd Röttger (CDU) bedingungslos unterstützte. Nach der Abwahl Röttgers 2005 und der Kommunalwahl 2006 gab es in der CDU-Fraktion viele Stimmen, die einer stabilen großen Koalition den Vorzug vor dem wackeligen Dreierbündnis mit FWG und FDP gaben, das Willsch verfocht und das prompt zu Beginn dieses Jahres scheiterte.

          Auch die von Willsch durchgesetzte Ablösung von Frieder Rothenberger als Kreistagsvorsitzender und seine Ersetzung durch seinen engen Parteifreund, den Landtagsabgeordneten Peter Beuth (CDU), schlug innerparteiliche Wunden. Ebenso die Willsch zugerechnete Nominierung von Eberhard Stetter (CDU) als Erster Kreisbeigeordneter, die von der CDU-Fraktion zurückgenommen wurde, um die noch laufenden Verhandlungen mit der SPD nicht zu gefährden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die Faust geballt, der Blick geht nach Berlin: Robert Lewandowski zieht mit dem FC Bayern ins DFB-Pokalfinale ein.

          Furioses 3:2 in Bremen : FC Bayern nach Spektakel im Pokalfinale

          Die Münchener führen im Halbfinale des DFB-Pokals lange, dann trifft Werder Bremen binnen weniger Sekunden gleich zwei Mal. Doch am Ende jubelt trotzdem der FC Bayern – Trainer Kovac stellt zudem eine beeindruckende Bestmarke auf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.