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Wissenschaftsministerium : „Vor dem wichtigsten Umbruch seit Humboldt“

  • -Aktualisiert am

Ralph Alexander Lorz (li.) mit Ministerpräsident Koch im Wiesbadener Rathaus Bild: picture-alliance/ dpa

Ralph Alexander Lorz hat die Seiten gewechselt: Der Juraprofessor wurde Stellvertreter und Staatssekretär von Hessens Wissenschaftsminister Udo Corts (CDU). Dabei ist der Grenzgänger seit jeher auch ein Homo politicus.

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          Er ist ein Mann, der gern über Grenzen hinaus denkt, plant und handelt. Die internationalen Verflechtungen von Politik, Recht, Wirtschaft und Kultur waren eines seiner Spezialgebiete als Wissenschaftler. Zuletzt hatte er an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf den Lehrstuhl für deutsches und ausländisches öffentliches Recht, Völkerrecht und Europarecht inne. Mit der Übernahme des Staatssekretärspostens im hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst Mitte vergangenen Monats hat Ralph Alexander Lorz wiederum eine Grenze überschritten: Er wechselt von der Wissenschaft in die Politik, wird vom Juraprofessor zum Stellvertreter von Minister Udo Corts (CDU).

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Als Wanderer zwischen den Welten betätigte sich Lorz schon in frühester Jugend: Geboren in Nürnberg, kam er im Alter von fünf Jahren zunächst nach Frankfurt, wuchs dann in Wiesbaden auf und legte dort das Abitur ab. „Wiesbaden ist so etwas wie meine Heimatstadt“, sagt der heute Einundvierzigjährige, aber auch die fränkischen Ursprünge wirken noch heute nach: Im Fußball teilt er seine Begeisterung zwischen Eintracht Frankfurt und dem 1. FC Nürnberg auf.

          „Mit Leib und Seele Christdemokrat“

          Der Grenzgänger ist seit jeher auch ein Homo politicus. „Ich bin mit Leib und Seele Christdemokrat“, sagt Lorz. Schon mit zwölf trat er in die Schüler-Union ein, drei Jahre später in die Junge Union, und mit Erreichen der Volljährigkeit erwarb er die Mitgliedschaft in der CDU. Die SPD-Kulturpolitik im Hessen der siebziger Jahre, mit Zwangsförderstufe und Gesamtschuldiskussion, habe ihn zur Union getrieben. „Ich hatte das Gefühl, man versucht, mich zu indoktrinieren, und so etwas mag ich generell nicht.“

          Als stellvertretender Kreisvorsitzender und stellvertretender Bezirksvorsitzender der Jungen Union sowie von 1995 bis 2001 als Mitglied im Kreisvorstand der Wiesbadener CDU engagierte sich Lorz aktiv für seine Partei. „Man erwirbt sich das Recht zu meckern nur, wenn man auch bereit ist, etwas zu tun.“ Als Student an der Universität Mainz entschied er sich für Rechtswissenschaften und Volkswirtschaftslehre, weil er wissen wollte, „was diese Gesellschaft juristisch und ökonomisch zusammenhält“.

          „Wahnsinnig spannend“

          Wäre es ein Studium rein nach Neigung geworden, hätte Lorz nach eigenem Bekunden Philosophie, Geschichte und klassische Philologie gewählt, persönliche Vorlieben, die sich auch in seinem Promotionsthema „Kant und die Menschenrechte“ widerspiegeln. Es folgten ein Referendariat an der deutschen Botschaft in Washington und ein Studium an der Harvard Law School, wo er sich in europäischem und internationalem Recht profilierte und außerdem der Faszination Amerika erlag. 1999 dann die Habilitation an der Universität Mannheim und ein Jahr später die Übernahme des Lehrstuhls in Düsseldorf.

          Seit 1994 ist der neue Staatssekretär mit der CDU-Landtagsabgeordneten Birgit Zeimetz-Lorz verheiratet, mit der er einen sieben Jahre alten Sohn, Philip, hat. Als ihn zum Jahreswechsel das Angebot erreichte, als Staatssekretär die Nachfolge des Parteilosen Joachim-Felix Leonhardt anzutreten, der inzwischen den hauptamtlichen Vorstandsvorsitz der Behring/Röntgen-Stiftung in Marburg übernommen hat, musste Lorz nicht lange überlegen. Die Aussicht, Hochschulpolitik mitgestalten zu können, finde er „wahnsinnig spannend“, stehe die Wissenschaftslandschaft in Deutschland derzeit doch „vor dem wichtigsten Umbruch seit Humboldt“: mehr Autonomie, mehr internationaler Wettbewerb, mehr Qualität in Forschung und Lehre.

          Was das zweite Ressort des Ministeriums, die Kunst, betrifft, beschreibt sich Lorz als „interessierter Laie“. Er liebt die Lyrik Heinrich Heines, liest ansonsten aber vor allem Fach- und Dokumentarliteratur. Er hört Beethoven, Verdi und Wagner, aber auch Jazz, und wenn er sich körperlich betätigen möchte, greift er zum Squashschläger oder springt ins Schwimmbecken. Dann allerdings in der Regel, ohne über gewisse Grenzen hinauszugehen.

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