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Staatsweingüter : Ein Flaschenlager wie eine Kathedrale

Unterirdisch: das Flaschenlager der neuen Zentralkellerei Bild: F.A.Z. - Michael Kretzer

Trotz Widerstands von Winzern und der Stadt Eltville gehen die Arbeiten voran: Der Rohbau der unterirdischen Zentralkellerei der hessischen Staatsweingüter ist fertig.

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          Von der einst gewaltigen, 80 Meter langen, 60 Meter breiten und bis zu 13 Meter tiefen Baugrube ist nichts mehr zu sehen. Der Betondeckel ist endlich fertig, die Rohbauarbeiten an der unterirdischen Zentralkellerei der Hessischen Staatsweingüter am Betriebshof der Domäne Steinberg sind nahezu abgeschlossen. Die Arbeiten hinken allerdings – je nach Gewerk – vier bis acht Wochen hinter dem ehrgeizigen Zeitplan hinterher.

          Oliver Bock
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Diese Verzögerung und die Erwartung eines ungewöhnlich frühen Erntebeginns schon Mitte September haben Geschäftsführer Dieter Greiner erstmals auch öffentlich zu dem Eingeständnis bewogen, dass die Trauben für den Jahrgang 2007 noch einmal am alten Standort in der Schwalbacher Straße in Eltville angeliefert und dort zu Most gepresst werden müssen.

          Eröffnung der Kellerei im Mai

          Damit ist die geplante, zumindest provisorische Inbetriebnahme der Kellerei schon zu einem Lesebeginn im Oktober endgültig vom Tisch. Nun will sich das Staatsweingut mit dem Umzug mehr Zeit nehmen. Als Fertigstellungstermin für das Bauwerk einschließlich der Außenanlagen gibt Greiner nun den Monat Februar an. Danach will das landeseigene Weingut möglichst schnell umziehen, womöglich auch mit gerade erst vergorenen Jungweinen im Tank. Im Mai 2008 soll die neue Kellerei dann zeitgleich mit der ebenfalls neuen Vinothek im benachbarten Kloster Eberbach bei einem Fest offiziell eröffnet werden.

          Optisch ist die Baustelle davon noch weit entfernt. Die Betongrube ist zwar geschlossen, doch noch stehen alle vier Kräne um die Baustelle und eine Heerschar von Bauarbeitern ist mit dem Schweißen von Stahlteilen, dem Montieren von Lüftungsschächten oder dem Verlegen der ersten rötlichen Bodenfliesen beschäftigt. Erst im August wird die Betondecke unter dem neben der Baustelle zwischengelagerten Mutterboden unsichtbar werden, in dem dann neue Rebstöcke Halt finden sollen. Sie werden wohl bewässert werden müssen, denn nur zwei Meter Erde über den die Decke entlastenden Styroporblöcken als Zwischenschicht sind für eine anspruchsvolle Pflanze wie einen Rebstock knapp bemessen.

          Unter der Decke zeigen die Räume die Dimensionen einer Kathedrale. Greiner führt seine Besucher gern durch die künftige, acht Meter hohe Traubenannahme, wo allein die Schwerkraft den Transport des sensiblen Leseguts besorgen soll, was der Qualität des Wein ebenso förderlich sein wird wie die Tatsache, dass alle Tanks künftig gekühlt werden können. Größter Raum ist das gewaltige Flaschenlager für bis zu 1,2 Millionen Flaschen, weit vor dem großen Tanklager, wo bis 1,8 Millionen Liter Wein der Vermarktung harren können. Die ersten Edelstahltanks werden nun allerdings nicht vor November aufgestellt werden können.

          Unregelmäßigkeiten bei einem Subunternehmen

          Erledigt ist aus der Sicht von Greiner die Affäre um die vermeintlich mit Dumpinglöhnen bezahlten osteuropäischen Arbeiter eines der 15 Subunternehmer des Stuttgarter Generalunternehmers Wolff und Müller. Insgesamt arbeiten sogar 35 verschiedene, teils auch in der Region beheimatete Firmen auf der Baustelle. Dem mit dem Rohbau beauftragten Subunternehmen, das nach den Unterlagen von Greiner gegenüber Wolff und Müller neben einigen anderen Referenzen monatliche Bestätigungen der Arbeiter über ihre ordnungsgemäße Bezahlung vorgelegt hatte, wurde inzwischen gekündigt.

          Wolff und Müller hat laut Greiner die dabei entstandene Lücke an der Baustelle mit eigenen Arbeitskräften geschlossen. Für Greiner ist der Fall insofern abgeschlossen, als er zudem auf den Vertrag mit dem Generalunternehmen verweisen kann, dass Subunternehmen dem deutschen Lohn und Tarifrecht unterliegen und Wolff und Müller für Verstöße gegen das Entsendegesetz haftet. Ob daraus Forderungen der Staatsweingüter abgeleitet werden oder gar ein Rechtsstreit die Folge ist, vermochte Greiner noch nicht zu sagen. Ihm liegt vor allem die schnelle Fertigstellung der Kellerei am Herzen, die nach der Maxime möglichst großer Flexibilität und möglichst kurzer Wege gebaut wird.

          Gerade nach den Erfahrungen mit der schwierigen Ernte des Jahrgangs 2006 will Greiner künftig in der Lage sein, schneller zu ernten und mehr Trauben in kürzerer Zeit zu verarbeiten, um Verluste etwa durch plötzlich einsetzenden Dauerregen zu begrenzen. Die 15,5 Millionen Euro teure Kellerei sei insofern kein „Prunk und Protz“, sondern versetze das Staatsweingut endlich in die Lage, die Qualität aus den unbestreitbar guten Lagen im Keller „kompromisslos zu erhalten“.

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