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Ehemaliges Theater : Suche nach Walhalla-Mieter in ganz Europa

Ungenutzt: Das Walhalla-Theater in Wiesbaden steht schon lange leer und muss für viel Geld saniert werden. Bild: Frank Röth

Vage Aussichten: Die Revitalisierung des ehemaligen Theaters wird in Wiesbaden noch Jahre auf sich warten lassen. Schneller geht es mit dem Neubau von zwei Großsporthallen.

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          Die Sanierung des Walhalla-Theaters ist vielleicht ein kleines Stück näher gerückt. Der Wiesbadener Magistrat hat beschlossen, in ganz Europa nach Interessenten zu suchen, die in dem altehrwürdigen Gebäude in zentraler Lage einen Kulturbetrieb etablieren wollen. Sofern sich Interessenten melden, die das Theater für rund zehn Euro je Quadratmeter mieten wollen, will die Stadt in einen Dialog treten, um die Vorstellungen möglicher Betreiber genauer kennenzulernen. Klar ist, dass die Stadt einen künftigen Kulturbetrieb im Walhalla-Theater, dessen Sanierung mehr als 30 Millionen Euro kosten wird, jährlich mit Millionenbeträgen subventionieren muss. Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) sprach nach der Sitzung des Magistrats von einer „offenen Wunde“ in der Innenstadt, die es im Sinne der Stadtgestaltung zu heilen gelte.

          Oliver Bock

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Rheingau-Taunus-Kreis und für Wiesbaden.

          Politisch unumstritten ist das jetzt gewählte Vorgehen in der Rathauskooperation nicht. Die Grünen halten den Zeitpunkt für ein solches Interessenbekundungsverfahren für denkbar ungeeignet. Es sei illusorisch, jetzt einen Betreiber für das Walhalla zu finden, meint Dorothea Angor, die kulturpolitische Sprecherin der Grünen-Rathausfraktion. Es sei in der Pandemiephase nicht absehbar, wann die Gesellschaft wieder zu einem kulturellen Leben des gemeinsamen Erlebens zurückfinde. Die Grünen fürchten, dass Gegner der Sanierung des Walhallas durch eine vergebliche Suche nach einem Mieter Oberhand gewinnen könnten. Die Grünen werfen daher abermals die Frage nach einer Zwischennutzung des Gebäudes auf, die der Oberbürgermeister bislang eindeutig negativ beantwortet hatte.

          Der Magistrat hat zudem zwei bedeutende Hallenprojekte im Volumen von insgesamt mehr als 30 Millionen Euro beschlossen. Knapp 21 Millionen Euro entfallen auf den Neubau einer Großsporthalle an der Friedrich-Ebert-Schule. Wiesbaden will dabei ein Mietmodell nutzen. Die kommunale Wibau GmbH wird das Gebäude errichten, und die Landeshauptstadt wird den Komplex nach der Fertigstellung zum Jahresende 2022 für die Dauer von 30 Jahren für jährlich 1,4 Millionen Euro mieten. Danach geht die Halle in das Eigentum der Stadt über.

          Eine neue Halle für ursprünglich 14,3 Millionen Euro

          Zudem kalkuliert die Stadt mit jährlichen Personalkosten von 140.000 Euro und einmaligen Einrichtungskosten in Höhe von 200.000 Euro. Die bestehende Halle wird abgerissen, weil ihre Sanierung als unwirtschaftlich verworfen worden war. Ursprünglich hätte die neue Halle nur 14,3 Millionen Euro kosten sollen, doch gab es an der zunächst beschlossenen Planung noch Korrekturen, auch am Raumprogramm.

          Laut Sportdezernent und Oberbürgermeister Mende wird die Halle künftig von fünf Berufsschulen mit zusammen mehr als 10.000 Schülern sowie von zahlreichen Vereinen genutzt. Am vorgesehenen Standort sei der Neubau Teil des „zentralen Vorhabens der Stadtgestaltung“. Trotz der hohen Kosten wurden den Vereinen nach Angaben von Mende nicht alle Wünsche erfüllt, beispielsweise im Hinblick auf die Anlagen zum Lauftraining. Andernfalls hätte das Budget noch deutlich erhöht werden müssen.

          Mit dem ebenfalls beschlossenen Neubau einer Drei-Felder-Sporthalle an der Hermann-Ehlers-Schule in Erbenheim hat das Vorhaben eine große Gemeinsamkeit: Auch diese Halle wird deutlich teurer als im Jahr 2016 geplant und entschieden. Statt ursprünglich sieben Millionen Euro rechnet die Stadt nun mit Kosten in Höhe von 10,8 Millionen Euro. Darin sind allerdings auch die Ausgaben für neue Sportgeräte enthalten.

          Die höheren Kosten erklärt die Verwaltung mit der zunächst nicht mit berechneten Erschließung, der Gestaltung der Außenanlagen und der Ausstattung. Zudem muss ein Regenrückhaltebecken gebaut werden, und es gibt Mehrausgaben für eine eigene Feuerwehrzufahrt. Baubeginn soll im Juli 2021 sein, die Fertigstellung wird für November 2022 erhofft. Dann wird sie tagsüber von den Schülern der Integrierten Gesamtschule und am Abend von Vereinen genutzt werden können.

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