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Ehemaliges Kaufhaus Joh : Läden, Praxen und ein Dachrestaurant

Perspektiven: Ein Investor schmiedet Pläne für das leerstehende Gebäude. Fest steht, dass es nicht wieder als Kaufhaus genutzt wird. Bild: Frank Röth

Seit Jahren steht das ehemalige Kaufhaus Joh an der Kaiserstraße in Friedberg leer. Nun soll das Gebäude wieder genutzt werden - nur nicht wieder als ein Universalkaufhaus.

          Die aus rotem Sandstein gestaltete Fassade gehört zwar nicht zu den schönsten an der Kaiserstraße, aber das stattliche Gebäude aus den späten siebziger Jahren prägt das Bild im südlichen Teil der Straße. Über Jahrzehnte zählte das Warenhaus der Kaufhauskette Joh zu den vielfrequentierten Adressen an der Kaiserstraße, war es doch einer der wenigen Vollsortimenter in der Region. So bedauerten viele Kunden, dass auch das Friedberger Haus im Zuge der Insolvenz des Handelsunternehmens mit Stammsitz in Gelnhausen im Herbst 2013 geschlossen wurde und rund 50 Arbeitsplätze in der Wetterauer Kreisstadt verlorengingen. Zumal, so wurde kolportiert, die Umsätze in Friedberg bis zuletzt stimmten.

          Wolfram Ahlers

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für Mittelhessen und die Wetterau.

          Abgesehen von einer zeitweiligen Nutzung des Erdgeschosses durch einen Laden für Sonderposten, steht das Gebäude seither leer. Ein neuer Betreiber fand sich nach dem Verkauf des Anwesens durch einen britischen Immobilienfonds nicht. Nun aber soll es mit der Ruhe hinter den Pforten ein Ende haben, im ehemaligen Kaufhaus wieder Geschäftsleben stattfinden. Die Bauträgergesellschaft 3V Invest aus Grünwald bei München hat die Immobilie erworben und erste Pläne entwickelt.

          Universalkaufhaus - kein gutes Zukunftsmodell

          Im Gespräch mit dieser Zeitung begründete Rainer Damaschke, Geschäftsführer von 3V Invest, das Engagement in Friedberg mit der guten Lage des früheren Kaufhauses, der ordentlichen Bausubstanz des Gebäudes und nicht zuletzt mit dem Trend, Innenstädte wieder zu beleben. Tatsächlich handelt es sich nach seinen Angaben um das erste größere Vorhaben seines Unternehmens im Rhein-Main-Gebiet, das sich ansonsten neben einigen Auslandsprojekten vor allem im Münchner Umland betätigt. Was genau im ehemaligen Joh einziehen soll, steht nach seinen Angaben noch nicht fest. Ein Universalkaufhaus wie zuvor will Damaschke dort aber nicht mehr etablieren. Auch wegen des florierenden Internetgeschäfts hält er ein Warenhaus, das sich nicht spezialisiert und quasi alles unter einem Dach anbietet, für kein gutes Zukunftsmodell.

          Ihm schweben vielmehr Ladenzeilen mit Geschäften unterschiedlicher Branchen vor, darunter auch solche, die Nischen in der Angebotspalette ausfüllen könnten. Wofür sich vor allem die unteren Stockwerke eignen würden. Darüber, so ein erstes Konzept, könnten sich Büros, Praxen und Kanzleien niederlassen. Auch ein Fitnessstudio sei möglich, entsprechende Anfragen habe er schon. Für das Dachgeschoss hält Damaschke als Lösung ein Restaurant mit Terrasse zur Rückseite des Hauses mit Blick auf die Stadtkirche für attraktiv. Wofür aber ein separater Zugang erforderlich wäre. Modernisieren und einladender gestalten will der Bauträger den Eingang und die Schaufensterfront. Wie der Umbau im Innern, wo insgesamt rund 7000 Quadratmeter zur Verfügung stehen, vonstattengehen wird, richtet sich nach Angaben Damaschkes danach, wer dort mit welchem Platzbedarf einziehen will. Zunächst einmal geht es darum, ein Mix künftiger Mieter zusammenzustellen, um dann im Detail die Neugestaltung festzulegen.

          In einem ersten Schritt hat 3V Invest ein Friedberger Architekturbüro damit beauftragt, eine Analyse der Bausubstanz vorzunehmen, Skizzen für die mögliche künftige Aufteilung des Hauses zu fertigen und ein neues Brandschutzkonzept vorzulegen. Bis etwa zum Spätsommer soll all das auf dem Tisch liegen, die Pläne sollen dann in Zusammenarbeit mit der Stadt weiterentwickelt werden. Damit verbunden ist auch die Erarbeitung eines Finanzierungskonzepts. Damaschke spricht nach erstem Überschlag von Investitionen in zweistelligem Millionenvolumen. Vorgesehen ist, dass in der ersten Hälfte des Jahres die ersten Läden eröffnen.

          Ladenmix könne das Angebot noch vielschichtiger machen

          Für die Stadt ist es nach den Worten von Bürgermeister Michael Keller (SPD) von Bedeutung, das ehemalige Kaufhaus als einen der Anker in der Einkaufsmeile Kaiserstraße wieder zu beleben. Dass den Kommunalpolitikern die künftige Nutzung des Hauses ein besonderes Anliegen ist, brachten sie schon damit zum Ausdruck, dass die städtischen Gremien eine Veränderungssperre erließen. Damit wollten sie verhindern, dass sich auf dem Anwesen beispielsweise Spielhallen oder Wettbüros ansiedeln. Was die Bemühungen seitens der Stadt konterkarieren würde, die Kaiserstraße aufzuwerten.

          Gleich vor der Tür des früheren Kaufhauses nämlich hat die Stadt das erste größere Projekt in diesem Zusammenhang schon verwirklicht: Sie ließ den Elvis-Presley-Platz neu gestalten und vergrößern. Wovon der Wochenmarkt profitiert und womit zugleich ein Treffpunkt geschaffen wurde, an dem etwa kulturelle Veranstaltungen stattfinden können. Aber auch sonst lässt es sich auf der mit Bänken ausgestatteten Fläche gut verweilen, beim Einkaufsbummel eine Pause einlegen. Als weiteres Vorhaben plant die Stadt, den unteren Abschnitt der Kaiserstraße in Richtung Landratsamt zu verschönern, Gehwege zu sanieren, zu verbreitern und ansprechender zu gestalten.

          Dazu passt nach Ansicht des Magistrats das Konzept für das frühere Joh. Ein Ladenmix könne das Angebot auf der Kaiserstraße noch vielschichtiger machen, also mehr Menschen in die Innenstadt holen, findet der Bürgermeister und meldet auch gleich einen Wunsch an: Im Kellergeschoss solle wieder ein Einkaufsmarkt einziehen. Zu Zeiten von Joh gab es dort eine Rewe-Filiale. Den Wiedereinzug eines Markts für den täglichen Bedarf hält Keller schon deswegen für angezeigt, weil für die nächsten Jahre in der Kaiserstraße Zuzug ansteht. Auf dem Anwesen des Kaiserhofs lässt ein Bauträger das historische Gebäudeensemble instand setzen und modernisieren, um dort mehr als drei Dutzend Wohnungen einzurichten. Unweit davon, auf dem ehemaligen Areal der Firma Reuss, will ein weiterer Investor eine Wohnanlage in ähnlichem Umfang errichten.

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