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Ehec : Taunusbäche „stark verschmutzt“

Dass ein Bach Keime enthält, ist nichts Ungewöhnliches. Bild: dapd

Ein Bach oder Fluss, an dem Kläranlagen lägen, habe nicht die Wasserqualität eines Badesees, sagt das Sozialministerium. Dort würden immer wieder Keime gefunden. „Das ist nicht ungewöhnlich“, so das Ministerium.

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          Auf die besorgte Frage einer Bürgerin, ob nach dem Fund des gefährlichen Ehec-Erregers im Erlenbach auch Gefahr für Wassersportler auf dem Main bestehe, gibt das Sozialministerium eine vermutlich wenig beruhigende Antwort: Ein „gewisses Risiko“ habe schon vor dem Fund am vergangenen Freitag beanstanden. Ein Bach oder Fluss, an dem Kläranlagen lägen, habe nicht die Wasserqualität eines Badesees. Dort würden immer wieder Keime gefunden. „Das ist nicht ungewöhnlich“, so das Ministerium. In Hessen werde deshalb vom Baden in Fließgewässern grundsätzlich abgeraten.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Umweltministerium hatte sich in der Vergangenheit immer wieder gegen das Schwimmen im Main ausgesprochen. Auch nicht für einmalige Veranstaltungen wie den Ironman wollte das Ministerium seine Zustimmung gegeben. Zwar habe sich der ökologische Zustand der Flüsse gebessert, aber hygienisch sauber seien sie nicht. Das gereinigte Abwasser der Kläranlagen fließe in die Gewässer, bei Starkregen kämen ungeklärte Abwässer hinzu, hieß es. Im Fall des Ehec-Fundes im Erlenbach steht die Quelle der Verunreinigung noch nicht fest, ein Zusammenhang mit der Kläranlage im Bad Homburger Stadtteil Ober-Erlenbach wird jedoch vermutet.

          Nicht ganz überraschend

          Der Leiter der Frankfurter Stadtentwässerung, Werner Kristeller, weist darauf hin, dass es in Deutschland nur wenige Kläranlagen gebe, die über teure Entkeimungsanlagen verfügten. An der Isar in München seien solche installiert worden, damit die Münchener den Fluss zum Baden nutzen könnten. In Hessen gibt es keine Kläranlage, die die Darmbakterien-Art Escherichia coli, zu der auch der Ehec-Erreger gehört, aus dem Wasser entfernt. Das sei nicht Stand der „üblichen Abwassertechnik“, heißt es.

          Für die Fachleute in den Ämtern kommt die Nachricht vom Ehec-Fund im Erlenbach denn auch nicht ganz überraschend. Wenn Menschen von dem Bakterium infiziert seien, müsse dieses zwangsläufig irgendwann über die Kläranlagen in den Flüssen landen.

          Auch Eschbach, Sulzbach oder Westerbach sind in den vergangenen Jahren immer wieder verunreinigt gewesen

          Dem Bericht des Frankfurter Gesundheitsamts über die Oberflächengewässer der Stadt vom Jahr 2008 ist zu entnehmen, dass am Erlenbach in den vergangenen wiederholt Salmonellen und Ehec-Erreger nachgewiesen wurden, allerdings nicht die jetzt aufgetauchte, besonders gefährliche Variante des Ehec-Keims.

          Auch Eschbach, Sulzbach oder Westerbach sind in den vergangenen Jahren immer wieder verunreinigt gewesen. Alle Taunusbäche, aber auch Nidda und Main werden aus hygienischer Sicht als „kritisch belastet“ bis „sehr stark verschmutzt“ eingestuft. Zum Erlenbach heißt es, „Parkanlagen und Schulsportplätze können mit diesem Wasser nicht beregnet werden“. Landwirtschaftliche Betriebe, die nicht Bachanlieger sind, müssen sich die Wasser-Entnahme vom Regierungspräsidium erlauben lassen. Wie die Behörde bestätigte, hat sie drei Genehmigungen erteilt, von denen zwei am Freitag zurückgezogen wurden: Ein Bauer im Frankfurter Stadtteil Nieder-Erlenbach darf normalerweise Zuckerrüben und Kartoffeln, ein anderer seine Zierpflanzen mit Bachwasser gießen. Ein Betrieb in Bad Vilbel beregnete auf diese Weise bisher seine Kartoffeln.

          „Es ist völlig klar, dass die Kläranlage kein Trink- und auch kein Badewasser produziert“

          Der Wehrheimer Bürgermeister Gregor Sommer (CDU), derzeit Sprecher des Abwasserverbands Oberes Erlenbachtal, hat unterdessen die Informationspolitik des Sozialministeriums kritisiert. Bis heute sei der Zweckverband als Betreiber der Kläranlage im Bad Homburger Stadtteil Ober-Erlenbach nicht informiert worden. „Ich habe alles aus dem Radio und der Zeitung erfahren.“ Es gebe keinerlei Anweisung, wie weiter zu verfahren sei. „Dabei sind die Bürger verunsichert und fragen nach.“

          „Es ist völlig klar, dass die Kläranlage kein Trink- und auch kein Badewasser produziert“, sagte Sommer. Auch dass der Bach rieche, sei nicht ungewöhnlich. Zumal nach dem trockenen Frühjahr die Menge des gereinigten Abwassers zeitweise doppelt so hoch sei wie die des natürlichen Bachwassers. Doch auch, was die Konsequenzen für die Kläranlage angeht, erwartet Sommer Informationen aus Wiesbaden. „Wenn wir weitere Filter oder Anlagen einbauen sollen, muss man uns das sagen.“

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