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Nach Infektion in Spanien : Uniklinik Frankfurt schließt Ebola-Ansteckung aus

Höchste Sicherheitsstufe: In der Isolierstation in Frankfurt wird ein Ebola-Patient aus Uganda behandelt. Bild: dpa

Eine Ansteckungsgefahr für das medizinische Personal durch den Ebola-Patienten in Frankfurt sieht das Uniklinikum nicht. Der Sicherheitsstandard der Isolierstation sei sehr hoch.

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          Die erste Ebola-Ansteckung in Europa, die am Dienstag bekanntgeworden ist, verunsichert auch in der Rhein-Main-Region manche Menschen. Denn seit Freitag wird am Uniklinikum Frankfurt ein Ebola-Patient aus Afrika behandelt. Obwohl noch unklar ist, wie sich die Pflegehelferin in Spanien infiziert hat, schließt das Frankfurter Klinikum eine Ansteckung von Personal oder Besuchern aus. Die Sonderisolierstation werde nach höchsten Sicherheitsstandards betrieben, sagte ein Sprecher am Dienstag. In ihren Räumen herrsche Unterdruck, damit keine Luft – und mit ihr Erreger – entweichen könnten.

          Ingrid Karb

          Blattmacherin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Um eine Infektion über Blut- und Körpersekrete des Patienten zu verhindern, trügen Ärzte und Pfleger Ganzkörperschutzanzüge mit gesicherter Atemluftzufuhr. Wenn Mitarbeiter das Isolierzimmer verließen, würden sie zunächst mit Desinfektionsmitteln abgeduscht und zögen dann mit Hilfe von speziell geschulten Kollegen die Schutzausrüstung aus. Klar festgelegte Verfahrensabläufe brächten ein Höchstmaß an Sicherheit für die behandelnden Ärzte und Pflegekräfte bei der Versorgung des Patienten.

          Freiwillige Ärzte helfen in Krisenregionen

          Die Aufnahme von Infizierten ist jedoch nur ein Aspekt im Kampf gegen die Seuche. Darüber hinaus will die Bundesregierung auch in den betroffenen Ländern Guinea, Sierra Leone, Liberia, Nigeria und Senegal helfen. Nicht nur die Bundeswehr und große Hilfsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz oder „Ärzte ohne Grenzen“ engagieren sich, auch kleinere Hilfsvereine, Stiftungen und Unternehmen aus der Rhein-Main-Region wollen helfen.

          Die hessische Landesärztekammer unterstützt Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU), DRK-Präsident Rudolf Seiters und Bundesärztekammer-Präsident Frank Ulrich Montgomery, die Ärzte und medizinisches Personal dazu aufgerufen haben, als Freiwillige in Afrika zu helfen. Zugleich macht die Kammer auf Hürden für den Einsatz deutscher Ärzte aufmerksam. Anders als in europäischen Nachbarländern gebe es keine Regeln, die Angestellten die Freistellung vom Dienst für den Einsatz in Krisen- und Katastrophengebieten erleichterten. Sie erhielten weder eine Garantie auf Weiterbeschäftigung nach ihrer Rückkehr noch einen Ausgleich für den Verdienstausfall.

          Isolierstationen von hessischem Hilfswerk

          Das Rote Kreuz erwartet von Helfern eine Freistellung von etwa acht Wochen. Benötigt würden für den Betrieb eines mobilen Krankenhauses in Liberia jeweils 170 Ärzte und Pfleger, die alle vier Wochen wechseln sollten. Eine Woche werde das medizinische Personal auf den Einsatz vorbereitet, drei Wochen müssten nach Einsatzende verstreichen, bevor die Helfer wieder Kontakt zu Patienten in Deutschland haben dürften. Bisher ist in Frankfurter Krankenhäusern nicht über Freistellungen gesprochen worden, wie eine Umfrage dieser Zeitung ergab.

          Die in Bad Homburg ansässige Else-Kröner-Fresenius-Stiftung hat über das Medikamentenhilfswerk „action medeor“ zwei Isolierstationen mit zusammen 44 Behandlungsplätzen nach Monrovia in Liberia geschickt. Zu den Zelten mit Schleuse gehören Sanitäranlagen mit Wasserfilter und eine Müllverbrennungseinheit. Die Stiftung hat nach eigenen Angaben dafür eine halbe Million Euro aufgewandt. Sie ist größte Aktionärin des Gesundheitskonzerns Fresenius und bezieht ihre Einkünfte aus dessen Dividenden.

          Außerdem werden von deutschen Hilfsorganisationen Freiwillige in den betroffenen Ländern unterstützt. Das Rote Kreuz gibt an, bisher 3500 einheimische Helfer geschult zu haben. Auch die in Frankfurt ansässige Hilfs- und Menschenrechtsorganisation Medico International setzt für die Präventionsarbeit auf lokale Partner. Die Organisation engagiert sich schon länger in Sierra Leone.

          Dort ist auch der kleine gemeinnützige Verein „Pfefferminz-Green“ aktiv, den das Bad Homburger Ehepaar Stella und Steen Rothenberger 2006 gegründet hat. Im vergangenen Jahr hatte er zusammen mit nichtstaatlichen Hilfsorganisationen eine Schule und einen Kindergarten eröffnen können. Jetzt geht es in erster Linie um die Bekämpfung von Ebola. „Es gibt Initiativen vor Ort, die Aufklärung leisten können“, berichtet Stella Rothenberger, die den direkten Kontakt nach Afrika pflegt. Mit Hilfe von Spenden könnten sie freiwillige Helfer bezahlen, Broschüren drucken lassen, Desinfektionsmittel besorgen und nicht zuletzt Lebensmittel für betroffene Familien kaufen. Ein Container des Vereins, der ursprünglich Schulmaterialien enthalten sollte, wurde dank Spenden von Pharmaunternehmen und Ärzten um Atemschutzmasken und Desinfektionsmittel ergänzt.

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