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E-Learning an Hochschulen : Wurzelbehandlung auf dem Bildschirm

  • -Aktualisiert am

Anschaulich: Doktorand Peter Schulz hat die Zahnmedizin-Plattform Ilkum mitentwickelt Bild: Peter Pulkowski

E-Learning ist mehr als Dokumente aus dem Internet herunterladen. Wissenschaftler und Studenten nutzen die neuen Medien - an hiesigen Hochschulen wird bis Semesterbeginn das Angebot aufgestockt.

          Wie paukt eigentlich so ein Student der Zahnmedizin? Er wälzt dicke Fachbücher, könnte man meinen. Vielleicht lädt er sich auch von der Homepage seiner Fakultät PDFs herunter, Skripte, Literaturlisten, Beispielfälle. Doch dass er gemütlich im Sessel sitzt, mit einem Gerät, das dieser Tage hin und wieder in schicken Cafés und in den Händen von Reisenden in der 1. Klasse von ICEs gesichtet wird - das scheint unwahrscheinlich. Doch genauso ist es, oder zumindest wird es bald so sein: Denn Peter Schulz, Doktorand der Zahnmedizin an der Universität Mainz, ist ein Fan des E-Learnings. Und des iPads.

          Gemeinsam mit seinem Professor Wilfried Wagner hat Schulz eine E-Learning-Plattform entwickelt, die auch mit dem neuen Tablet-Computer kompatibel ist. Dass den heute noch kaum ein Student besitzt, mache nichts, sagt Schulz. Die Mediziner sind überzeugt davon, dass in Zukunft moderne Technik eine immer größere Rolle im Studium spielen wird. Mit einem normalen Computer kann man die Plattform aber auch heute schon nutzen. „Ilkum“ heißt sie, was für „Interaktiver Lernzielkatalog der Universitätsmedizin Mainz“ steht. Das klingt zwar sperrig, bedeutet aber nichts anderes, als dass dort die Studenten Texte, Bilder und Videos zu allem finden, was in ihrem Studium wichtig ist; ein „Wikipedia mit Benefits“ nennt Schulz das.

          Modernes Rollenspiel von Juristen

          Dass E-Learning mehr ist, als Vorlesungsmitschriften ins Internet zu stellen, hat sich in den vergangenen Jahren herumgesprochen. Nicht nur an der Universität Mainz tüfteln Wissenschaftler - oft gemeinsam mit Studenten - an interaktiven Plattformen im Netz, um den Lernstoff dort zu präsentieren. Und zwar so, dass die Vorzüge des Mediums auch genutzt werden. „Es gibt keinen Bereich, in dem neue Medien keinen Sinn machten“, sagt Claudia Bremer, Geschäftsführerin der E-Learning-Einrichtung „studiumdigitale“ an der Universität Frankfurt. Mehrere hundert Projekte betreuen sie und ihre Kollegen. Nach anfänglicher Skepsis mancher Fachbereiche seien nun alle dabei. Die Juristen etwa seien erst etwas später mit der Technik warm geworden: „Aber nun haben sie ein tolles, ganz modernes Rollenspiel entwickelt.“

          In den Semesterferien wird an den Hochschulen im Rhein-Main-Gebiet deshalb daran gearbeitet, zum Wintersemester neue E-Learning-Projekte fertigzustellen. Auch Zahnmedizindoktorand Schulz will „Ilkum“ noch mit mehr Inhalt füllen. Zwar nutzen er und seine Kommilitonen das, was bisher online gestellt wurde, schon seit einigen Wochen; doch zu den rund 80 Patientenfällen, auf die sie momentan zugreifen können, sollen bis zum Oktober noch 120 neue kommen. Das Material haben sie schon; doch das Einpflegen in das System ist aufwendig. Die Krankheitsbilder der Patienten, die in den Vorlesungen der Zahnmediziner zu Gast waren, müssen in Wort und Bild beschrieben werden; dazu gibt es Grundlagen der Zahnmedizin, Vorlesungstexte der Professoren, Fachartikel und weiterführende Hinweise. Man könne die Seiten ganz nach seinen Wünschen durchsuchen, sagt Schulz, und so „ganz schnell und einfach“ an Informationen kommen.

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