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Druiden in Rhein-Main : Draußen bei Wind und Wetter

Nach dem Job unter den Sternenhimmel, so leben die Druiden. Die Naturreligion hat auch im Rhein-Main-Gebiet ihre Anhänger. Volkert Volkmann ist einer von ihnen. Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

Nach dem Job unter den Sternenhimmel, so leben die Druiden. Die Naturreligion hat auch im Rhein-Main-Gebiet ihre Anhänger. Volkert Volkmann ist einer von ihnen.

          Durch das mit Runen verzierte Portal tritt der Druide in die Hütte. Er durchschreitet einmal den Raum und setzt sich auf eine schmale Holzbank, auf der ein paar Tierfelle liegen. Zu seiner Rechten sitzen die Barden, zu seiner Linken die Ovaten. Alle blicken auf den Druiden in dem weißen Gewand mit Knotenmustern. Mit strengem Blick wacht über allem von einer Ecke der Hütte aus der Keltenfürst vom Glauberg. Der Druide greift zu dem Trinkhorn, setzt es an den Mund und trinkt einen Schluck Wasser. „Thor weihe dieses Horn“, sagt er. Der magische Kreis ist eröffnet.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Es ist angenehm warm in der Essküche, und der Duft von Orangentee liegt in der Luft. Volkert Volkmann ist ein Mann mit einem Lächeln auf den Lippen, langen Haaren und einem wachen Blick. Der Klang seiner Stimme ist auch warm, so dass man ihm gerne zuhört. Das weiße Gewand hat er abgelegt, er trägt jetzt ein kariertes Hemd und eine schwarze Hose. Volkmann erzählt von Asterix und Obelix. „Den Druiden Miraculix kennt wohl fast jeder“, sagt er. Miraculix, der weise Mann, der mit seiner goldenen Sichel die Mistelzweige im Wald schneidet und für das Dorf den Zaubertrank braut, damit es unbesiegbar bleibt. So sieht sich Volkmann nicht. Er ist Vorsitzender des Yggdrasil-Kreises, einem keltischen Verein aus Frankfurt und zudem der ranghöchste Druide Deutschlands.

          Das romantisierende Bild von Miraculix und Merlin

          Druiden waren bei den Kelten Priester, begabte Magier und Hellseher, sie berieten die Stammesführer und sprachen Recht. Sie waren im Klan die Hüter des Wissens und überwachten religiöse Zeremonien. Soweit das romantische Bild von Miraculix und Merlin, besser vielleicht: das romantisierende. Doch bei diesen religiösen Festen wurden auch Tiere geopfert und Menschen. Nachdem es für die Druiden nach der Christianisierung des Kontinents schwer geworden war, ihren Glauben auszuleben, erfreut sich die Bewegung seit den vergangenen 200 Jahren wieder steigender Beliebtheit. In Großbritannien leben heute noch schätzungsweise 10.000 Druiden, die zwar die Bräuche der Kelten weiterführen, mit Opferritualen aber nichts mehr zu tun haben. Vor kurzem wurde, nach mehreren vergeblichen Anläufen, in Großbritannien das Druidentum offiziell als Religion anerkannt.

          Auch in Deutschland gibt es noch Druiden. Volkmann schätzt, dass es im Rhein-Main-Gebiet rund 500 Anhänger der Naturreligion sind. Einige von ihnen treffen sich einmal in der Woche in der mit Runen verzierten Hütte im Taunus, genannt Nemeton. Sie ist eigentlich ein umgebauter Schweinestall und sieht bei Tageslicht nicht ganz so mystisch aus wie nachts. „Eigentlich sind wir immer in der Natur, egal bei welchem Wetter“, sagt Volkmann. In der Hütte sei man nur zu Beginn und am Ende einer Zeremonie. Der einzige Zugang zur Naturreligion sei die eigene Erfahrung. Bei den Zeremonien wird unter Sternen gesungen, getanzt und Harfe gespielt, um die Götter anzurufen.

          Die Großmutter war naturreligös

          Volkmann wuchs bei seinen Großeltern auf. Mit seinem Großvater war er viel wandern, seine Großmutter war naturreligös. „Sie waren weise Menschen, so wie man sie sich vorstellt“, sagt Volkmann. Mit sieben Jahren erlebte er seine erste Weihe im Kreis der Druiden. Mit 18 Jahren reiste er nach Schottland und England, um mehr über die Religion zu erfahren. Zurück in Deutschland, begann er ein Biologiestudium. Als er eine schwere Allergie bekam und die Naturheilkunde ihm helfen konnte, entschloss er sich, das Studium aufzugeben und eine Naturheilkundepraxis zu eröffnen. Für ihn sei das wegen der Verbindung zum Druidentum der perfekte Beruf, sagt er.

          Mit seiner Frau hat Volkmann drei Kinder. Seine Tochter hat genau wie er mit sieben Jahr ihre erste Weihe erlebt. Druiden feiern sogenannte Übergangsfeste an markanten Punkten im Leben eines Menschen, beim Eintritt ins Erwachsenenalter zum Beispiel oder später bei der Eheschließung. Die Übergangsfeste begleiten die Gläubigen von der Geburt bis zum Tod. Wie er stünden auch die anderen Mitglieder seines Kreises mitten im Leben, sie seien Anwälte, Lehrer oder Bankangestellte, sagt Volkmann. Nicht jeder könne aber so offen wie er über das Druidentum sprechen - weil mancher Vorgesetzte das im schlimmsten Falle für rechtsextrem und im harmlosesten Falle für Spinnerei halte, erzählt Volkmann.

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