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Dreieich : Stadt ohne Bürgermeister

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Der Bürgermeister von Dreieich, Berthold Olschewsky (parteilos), wechselt zum 1. Juli in die freie Wirtschaft. Bis zum Ablauf seiner Amtszeit, Mitte Februar, wird er ohne Bezüge beurlaubt.

          Bürgermeister Berthold Olschewsky (parteilos) wechselt zum 1. Juli in die freie Wirtschaft. Seinem Wunsch, von diesem Zeitpunkt an bis zum Ende seiner Amtszeit am 13. Februar 2007 ohne Dienstbezüge beurlaubt zu werden, hat der Magistrat am Montag entsprochen. Olschewsky, dem noch Urlaub zusteht, verbringt damit Ende Mai seinen letzten Arbeitstag bei der Stadt.

          Er werde künftig für ein internationales Unternehmen der Dienstleistungsbranche tätig sein, teilte Olschewsky mit. Dabei handele es sich um keine Beratungsfirma und auch um keinen Automobilkonzern. Als Bürgermeister hatte sich Olschewsky sehr für die Ansiedlung des BMW-Gebrauchtwagenzentrums in Dreieich engagiert. Die Entscheidung über seinen beruflichen Wechsel sei in der Osterwoche gefallen, so Olschewsky. Sowohl den Ersten Stadtrat Dieter Zimmer (SPD) als auch Stadträtin Andrea Müller (CDU) habe er vorab informiert.

          Neubesetzung nach Ablauf der Amtszeit

          Vom 1. Juli bis Mitte Februar wird die Stadt also ohne Bürgermeister auskommen müssen. Die Stelle kann erst nach Ablauf der Amtszeit neu besetzt werden. Er habe nicht zurücktreten können. Damit hätte er alle ihm zustehenden Versorgungsansprüche aufgegeben, teilte Olschewsky mit. Die Arbeit im Rathaus werde künftig auf den Schultern der beiden verbleibenden hauptamtlichen Magistratsmitglieder ruhen. Zimmer, Sozialdezernent und Kämmerer, wird ebenso wie Müller, die für das Bauressort zuständig ist, bei der Bürgermeisterwahl antreten. Die Hessische Gemeindeordnung regelt, daß diese sechs bis drei Monate vor Ablauf der Amtszeit stattfinden muß, also zwischen 13. August und 13. November.

          Der 49 Jahre alte Olschewsky, der früher der CDU angehörte, hat eine Verwaltungslaufbahn hinter sich. Im Oktober 1994 wählten die Stadtverordneten den damaligen Leiter des städtischen Hauptamts in Dreieich zum hauptamtlichen Ersten Stadtrat. Als der Dreieicher Bürgermeister Bernd Abeln (CDU) im September 2000 als Staatssekretär nach Wiesbaden ging, trat Olschewsky zur Direktwahl an und setzte sich im Januar 2001 auf Anhieb mit 53,7 Prozent gegen zwei Mitbewerber durch.

          „Atmosphärische Störungen“

          In seine Amtszeit fielen der Beginn der Arbeiten an der Nordostumgehung Götzenhain und die schwere Krise des Vereins „Bürgerhilfe Dreieich“, der die Trägerschaft des Altenpflegeheims „Haus Dietrichsroth“ in Dreieichenhain inzwischen an die Johanniter abgegeben hat. In der Phase der Reorganisation hatte Olschewsky den Vorsitz übernommen. Unter dem Kämmerer Olschewsky erhöhte sich aber auch der Schuldenstand der Stadt, der Anfang der neunziger Jahre bei etwas über 40 Millionen Euro gelegen hatte, auf 71,3 Millionen Euro Ende 2005.

          Vor einem Jahr war es zum Bruch zwischen dem Bürgermeister und seiner Partei gekommen. Olschewskys Absicht, einen Dienstwagen im Wert von 73.000 Euro zu leasen, hatte der Magistrat zwar zugestimmt, die CDU nahm dies gleichwohl zum Anlaß, öffentlich zu erklären, sie wolle Olschewsky nicht wieder als Bürgermeister-Kandidaten vorschlagen.

          Die Kontroverse um den Dienstwagen war nur die Spitze eines Eisbergs: Aus der Union verlautete damals, seit geraumer Zeit gebe es „atmosphärische Störungen“ zwischen Partei, Fraktion und Bürgermeister. Möglicherweise wird nun Olschewskys Nachfolger das geleaste Fahrzeug nutzen. Der neue Arbeitgeber stellt dem scheidenden Bürgermeister einen anderen Dienstwagen zur Verfügung.

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