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Verurteilter Doppelmörder : Wiederaufnahmeverfahren bleibt möglich

  • -Aktualisiert am

Beobachterin: Anja Darsow verfolgt das Verfahren gegen ihren Mann Bild: dpa

Der wegen zweifachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilte Andreas Darsow darf auf ein neues Beweisaufnahmeverfahren hoffen. Sein Anwalt verweist auf „Irrsinn der Gerichte“ in der Vergangenheit.

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          Der vor elf Jahren wegen zweifachen Mordes zu lebenslänglicher Haft verurteilte Andreas Darsow aus Babenhausen im Landkreis Darmstadt-Dieburg, der immer wieder seine Unschuld beteuert hat, darf auf ein neues Beweisaufnahmeverfahren hoffen. Die Zivilkammer des Landgerichts Darmstadt hatte am Mittwoch über die Frage zu beraten, ob Darsow dem Land Hessen knapp 70.000 Euro für Zahlungen nach dem Opferentschädigungsgesetz an die behinderten Tochter des damals getöteten Ehepaars zahlen muss.

          Darüber hat das Gericht am Mittwoch noch nicht entschieden, sondern sich nach knapp einer Stunde Verhandlung, in der beide Seiten ihre Argumente austauschten, auf den 30. März vertagt. Dann soll verkündet werden, wie das Gericht weiter verfährt. Entscheidet es auf Grundlage der bisherigen Akten aus dem Strafverfahren oder fordert es ein unabhängiges Gutachten zu der Tat an, in dem vor allem geklärt werden soll, ob Darsow überhaupt der Mörder sein konnte?

          Zweifel an der Schuld

          Schon ein privates Gutachten, das Verteidiger Gerhard Strate hatte erstellen lassen, ergab, dass die Annahmen der Ermittler im Zusammenhang mit einem selbst gebauten Schalldämpfer aus einer PET-Flasche und Bauschaum falsch sind. Sogar Videoaufnahmen wurden damals gefertigt, die laut Strate belegen, dass die Ermittler von völlig falschen Annahmen ausgehen.

          Während der Anwalt des Landes Hessen an dem bisherigen Urteil keinen Zweifel hat, ist Strate nach wie vor von der Unschuld seines Mandanten überzeugt. Auch ein psychiatrisches Gutachten, das eine renommierte Gutachterin im Auftrag der Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt erstellte, in der Darsow einsitzt, sieht in dem Verurteilten nicht unbedingt einen Tätertypen, wie sie nach einer achtstündigen Begutachtung feststellte.

          Für das Zivilgericht sei das Urteil aus dem Strafverfahren nicht unbedingt bindend, sagte die Richterin. „Die Kammer muss sich selbst eine Überzeugung der Schuld bilden“. Eine vom Gericht vorgeschlagene gütliche Einigung über den Schadenersatz hatten beide Seiten abgelehnt.

          Verteidiger hofft auf neues Gutachten

          „Der Beschuldigte ist durchaus überführt“, bezog sich der Anwalt des Landes Hessen auf das bisherige Urteil gegen Darsow. Verteidiger Strate forderte hingegen, das Gericht müsse sich eine eigene Meinung bilden und betonte, ein Schalldämpfer hätte auf einer Waffe des Typs P38, auch als „Tigerpanzer der Pistolen“ bezeichnet, nichts genutzt, denn es handele sich um eine Überschallwaffe, bei der jeder Schuss einen Überschallknall erzeuge.

          Dass bisher alle Bemühungen für eine Wiederaufnahme des Verfahrens gescheitert sind, bezeichnete Strate als „Irrsinn der Gerichte der nur passieren kann, wenn sie einen schlechten Tag hatten“. Strate sagte nach dem Prozess, er hoffe nun, dass das Gericht ein neues Gutachten anfordere, auf dem dann ein Wiederaufnahmeverfahren aufgebaut werden könnte.

          Darsows Ehefrau Anja, die im Prozess neben Strate Platz genommen hatte, weil ihr Mann nicht geladen war, sagte. „Ich habe ein leicht aufloderndes gutes Gefühl. Wir brauchen einen neuen Prozess“. Hinter ihr und ihrem Mann lägen nun fast zwölf Jahre des Hoffens. „Wir schauen jetzt auf den 30. März“. Absurd findet sie die Klage des Landes Hessen, denn ihr Mann besitze derzeit nichts außer drei T-Shirts und einer Hose. „Er hat nicht mal mehr ein eigenes Konto“.

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