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Dommuseum in Mainz : Gewichtiges im Gewölbekeller

Schwergewichte: Die Skulpturen im Gewölbekeller des Doms zeigen die Mantelteilung des heiligen Sankt Martin. Bild: Samira Schulz

Im Dommuseum ist eine Sonderschau zum Machtanspruch der Mainzer Erzbischöfe zu sehen. Dabei geht es auch um die vergängliche Schönheit ihres Doms.

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          Diese Reihenfolge spricht für sich: Ganz vorne der Papst, dahinter die Bischöfe und dann erst Kaiser und Könige, die als „Selige“ jedoch allesamt auserwählt sind und sich auf den Weg ins Paradies machen dürfen. Ganz anders sieht es auf der gegenüberliegenden Seite, also bei den „Verdammten“, aus, wo der Geizhals, die eitle Dame und viele weitere vom Teufel eingefangene Sünder auf ihre verdiente Strafe, also das Fegefeuer, warten.

          Markus Schug
          Korrespondent Rhein-Main-Süd.

          Die nur noch in Fragmenten erhaltene und zum früheren Westlettner des Mainzer Doms gehörende „Weltgerichtsdarstellung“ zählt zu den interessantesten und schönsten Stücken, die derzeit im wiedereröffneten und umgestalteten Gewölbekeller des Mainzer Dom- und Diözesanmuseums zu sehen sind. Das Werk wird dem bis heute namenlos gebliebenen Naumburger Meister zugeschrieben. Man begegnet ihm auf dem neu konzipierten Rundgang durch die Kirchengeschichte und den 1000 Jahre alten Willigis-Dom, der – passend zur aktuellen Kaiser-Ausstellung im Landesmuseum – unter der Überschrift „Die Macht der Mainzer Erzbischöfe – von Bonifatius zum Naumburger Meister“ angelegt wurde.

          Eine derartige Machtfülle

          Schnell wird deutlich, wer im Mittelalter die „Königsmacher“ gewesen sind, die sich dabei nicht zuletzt auf Bonifatius berufen konnten. Schließlich hatte er im Jahr 751 Pippin den Jüngeren gesalbt und damit den Übergang vom einstigen Königsgeschlecht der Merowinger zu den Karolingern vollzogen. Weshalb die Mainzer als größte Kirchenprovinz des Heiligen Römischen Reiches und unter Berufung auf ebendiesen „juristischen Präzedenzfall“ über Jahrhunderte hinweg eine bedeutende Rolle innehatten, wenn es um ähnliche Dynastiewechsel und die Vergabe von Spitzenposten im Land ging.

          Spätestens vom 13. Jahrhundert an verfügte der Mainzer Erzkanzler zudem als Leiter des sich entwickelnden Kurfürstenkollegs über eine derartige Machtfülle, dass es den Nachbarn in Köln und Trier vermutlich angst und bange geworden sein dürfte. Das damit einhergehende Selbstverständnis der Mainzer Kirchenfürsten verdeutlicht in der noch bis April präsentierten Sonderschau zum Beispiel der um 1249 entstandene Krönungsgrabstein des Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein. Darauf ist ein offenbar einflussreicher Kirchenmann zu erkennen, dem zwei beinahe kindlich wirkende – jedenfalls deutlich kleinere – weltliche Herrscher an die Seite gestellt wurden. Dass auf der rund 450 Quadratmeter großen Ausstellungsfläche, die sich übrigens in einem gleichfalls aus dem Mittelalter stammenden Gewölbekeller befindet, vor allem Schwergewichtiges zu sehen ist, versteht sich von selbst.

          Eine luftig aufgebaute Sammlung

          Denn die steinernen Zeugnisse sind viel zu schwer, um sie etwa in den oberen Etagen des Dommuseums aufzustellen, wo dafür unter anderem die Schatzkammer besucht werden kann. Knapp eine Million Euro habe die auch mit viel Eigeninitiative möglich gewordene Modernisierung des Hauses an der Domstraße schon gekostet, sagte Museumsdirektor Winfried Wilhelmy nach Abschluss der Arbeiten im Untergeschoss. Nun müsse noch die Barock-Abteilung hergerichtet werden, dann sei das Werk vollendet.

          Gerade im Keller, der eine erfreulicherweise eher luftig aufgebaute Sammlung skulpturaler Meisterwerke vom neunten bis zum 13. Jahrhundert beherbergt, könne auch nicht ständig umgeräumt oder hin- und hergeschoben werden, so der Direktor. Was die Auswahl der insgesamt 67 passenden Objekte nicht einfacher gemacht habe. Ein wenig Platz, etwa für in Bälde zurückkehrende Leihgaben oder aktuelle Ergänzungen, ist bei alledem bewusst gelassen worden. Schließlich hat es sich Wilhelmy zufolge schon mehr als einmal gezeigt, dass in den eigenen Magazinen einiges liege, was nur noch nicht entdeckt worden sei.

          Ihm selbst ist es gerade erst gelungen, das bekannte Bild des „Bassenheimer Reiters“ neu zu interpretieren. Demnach sollte das Relief des Naumburger Meisters, das 1681 vom Domkapitel wegen der damals gewünschten Barockisierung abgegeben worden war, nicht mehr länger als Solitär gesehen, sondern als Teil eines einst aus drei Motiven bestehenden Hochaltarretabels im Westchor des Doms verstanden werden, wie eine eigens neu angefertigte Rekonstruktion künftig verdeutlicht.

          Dabei gibt der vermutlich in Nordfrankreich ausgebildete und ziemlich reiselustige Steinbildhauer, der im 13. Jahrhundert auf seinem Weg von Reims bis Naumburg und Meißen an vielen Orten und eben auch in Mainz Station gemacht haben dürfte, der Wissenschaft bis heute Rätsel auf. Fraglich ist etwa, ob der Unbekannte seine Kunstwerke alle selbst geschaffen hat oder sich, als eine Art Werkstattleiter, womöglich auf viele Steinmetz-Gehilfen verlassen konnte.

          Näheres zur Ausstellung „Die Macht der Mainzer Erzbischöfe“ findet sich im Internet unter www.dommuseum-mainz.de.

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