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Direktwahl : Bürgermeisterwahl in Seligenstadt

  • Aktualisiert am

Seit der Kommunalwahl 2001 ist für die Seligenstädter CDU die Welt wieder in Ordnung: Mit 50,8 Prozent gelang es ihr, nach zwölf Jahren die absolute Mehrheit zurückzuerobern. 19 der 37 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung fielen an die Union, die seither die Stadtpolitik allein bestimmt.

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          Seit der Kommunalwahl 2001 ist für die Seligenstädter CDU die Welt wieder in Ordnung: Mit 50,8 Prozent gelang es ihr, nach zwölf Jahren die absolute Mehrheit zurückzuerobern. 19 der 37 Sitze in der Stadtverordnetenversammlung fielen an die Union, die seither die Stadtpolitik allein bestimmt. Auch im Magistrat verfügen die Christlichen Demokraten über die absolute Mehrheit, wenngleich der Bürgermeister der SPD angehört. Hinzuzufügen ist das Wort "noch", denn die Amtszeit des 62 Jahre alten Rolf Wenzel endet am 31. Dezember.

          An diesem Sonntag wird seine Nachfolgerin oder sein Nachfolger gewählt. Dabei ist eines heute schon sicher: Sie oder er wird nicht der SPD angehören. Die Gunst der 14837 Wahlberechtigten in der knapp 20800 Einwohner zählenden Stadt im Osten des Kreises Offenbach versuchen zwei "Einheimische" zu erringen: die parteilose Rechtsanwältin Dagmar Nonn-Adams und der CDU-Fraktionsvorsitzende Joachim Bergmann. In den Reihen der SPD fand sich niemand, der für das Bürgermeisteramt kandidieren wollte. Die Partei unterstützt daher Nonn-Adams, die außerdem FDP und Freie Wähler Seligenstadt (FWS) sowie eine Wählerinitiative hinter sich weiß. Für Bergmann ist es der zweite Versuch, an die Spitze der Stadtverwaltung zu gelangen: Bei der Direktwahl 1997 war er Wenzel deutlich unterlegen. Neben der CDU macht sich auch eine Wählerinitiative dafür stark, daß Bergmanns Sprung ins Rathaus diesmal gelingt.

          Wenzel gilt als populärer Bürgermeister, der mit stets freundlichem und verbindlichem Auftreten die Menschen für sich einnimmt. Er ist seit 1992 im Amt; gewählt wurde er damals von SPD und FWS, die seit 1989 zusammenarbeiteten, und auf diese Weise die Ära der CDU-Bürgermeister in Seligenstadt - Willi Brehm (1972 bis 1985) und Karl Schmidt (1986 bis 1991) - beendeten. 1998 ging die Kooperation der Sozialdemokraten mit den Freien Wählern in die Brüche. Wenzel, der sich nach eigenen Worten sicher gewesen wäre, die Bürgermeister-Direktwahl auch diesmal zu gewinnen, gab schon im Oktober vergangenen Jahres zu verstehen, daß er nicht wieder kandidieren werde. Für seine Entscheidung machte er gesundheitliche Gründe geltend. Die Mehrheitsverhältnisse dürften indes auch zu seinem Verzicht beigetragen haben.

          Während Bergmann das Argument anführt, daß Stadtverordnetenversammlung und Bürgermeister vom nächsten Jahr an wieder "an einem Strang ziehen" sollten, plädiert Nonn-Adams dafür, "politischen Beton aufzubrechen" und eine derzeit festzustellende "totale Verkrustung" zu überwinden: Nötig sei ein Bürgermeister, der dieses Amt nicht aus Ideologie und wegen des Erhalts von Machtstrukturen, sondern um der Sache willen anstrebe. Daß sie keiner Partei angehöre, sieht Nonn-Adams als Vorteil an: Dies erlaube ihr, unabhängig von Parteibindungen gute Lösungen zu entwickeln und breite Mehrheiten zu gewinnen. Die 48 Jahre alte Juristin, deren Anwaltsbüro sich in Offenbach befindet, kann eine mehr als zwanzigjährige Berufserfahrung vorweisen. Kommunalpolitisch ist sie bisher nicht in Erscheinung getreten. Nonn-Adams wirkt als Vorstandsmitglied in der Ende 2000 von Wenzel initiierten Arbeitsgemeinschaft Stadtmarketing Seligenstadt mit und ist Sprecherin von deren "Arbeitsgruppe Stadtbild".

          Nonn-Adams ist außerdem Vorsitzende des Schulelternbeirats der Einhardschule, einer kooperativen Gesamtschule, Vorsitzende des Kreiselternbeirats und Mitglied des Landeselternbeirats. Die vom Kreis beschlossene Aufteilung der Einhardschule in ein Gymnasium und eine selbständige Haupt- und Realschule wird von ihr unterstützt - eine Haltung, die manchem Sozialdemokraten Kopfschmerzen bereiten könnte. Nach Ansicht von Nonn-Adams kommt es in der Kommunalpolitik einer Stadt wie Seligenstadt allerdings weniger auf Partei- als auf Sachpolitik an.

          Bergmann weist darauf hin, viele Vorhaben seien nicht zu verwirklichen, wenn man den Bürgermeister nicht stelle und Beschlüsse verzögert oder nicht ausgeführt würden. Der Stillstand müsse beendet werden. Eine solide Finanzpolitik hat sich der 46 Jahre alte Haushaltsexperte Bergmann für den Fall seiner Wahl auf die Fahnen geschrieben; ein transparentes Finanzmanagement will er im Rathaus durchsetzen.

          1997 hatte Bergmann den Vorsitz der CDU-Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung übernommen; er ist Mitglied im Vorstand des Abwasserverbandes Schleifbach und der Verbandsversammlung der Sparkasse Langen-Seligenstadt. Die Stadtverwaltung kennt er aus eigenem Erleben: Dort wurde er zum Verwaltungsangestellten ausgebildet und dort leitete er später die Bauverwaltung sowie das Amt für Wirtschaftsförderung. 1995 wechselte Bergmann zum Zweckverband Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach mit Sitz in Seligenstadt, wo er die Leitung der Rechnungsprüfung übernahm. Bergmann ist im Seligenstädter Vereinsleben verwurzelt; vor drei Jahren schwang er als Fastnachtsprinz das närrische Zepter. Den Bau der Südwestumgehung, deren erster Abschnitt kürzlich eröffnet wurde, bezeichnete er als einen der größten Erfolge der CDU. Als Bürgermeister will er sich noch eines weiteren "Dauerbrenners" annehmen und darauf hinwirken, daß der Bahnübergang am Wasserturm langfristig durch eine Unterführung wie in Obertshausen ersetzt wird.

          EBERHARD SCHWARZ

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