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Digitalisierung von Museen : Eine eigene Welt

  • -Aktualisiert am

Die Hölderlin-App "Stempelpass" führt im Jubiläumsjahr (250. Geburtstag Hölderlins) zu den Stationen des Dichters in Bad Homburg. Bild: Wolfgang Eilmes

Es ist nicht mehr als recht und billig, wenn eine Million des Corona-Schuldenpakets der Landesregierung in die Digitalisierung von Museen fließt. Aber sie hat nicht den Zweck, analoge Besuche überflüssig zu machen.

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          In dem Corona-Schuldenpaket der Landesregierung ist viel Geld für Zwecke enthalten, die mit der Pandemie überhaupt nichts zu tun haben. Die Kultur hingegen leidet extrem unter den Corona-Folgen. Schon von daher ist es nicht mehr als recht und billig, wenn eine Million von den zwölf Milliarden Euro in die Digitalisierung von Museen fließt. Aber man darf die Zusammenhänge nicht missverstehen.

          Der Lockdown führte zur vorübergehenden Schließung vieler Häuser. Und manches digitale Angebot hat den verhinderten Besuchern die karge Zeit ohne Ausstellungen etwas erleichtert. Aber es ist nicht der Zweck der Digitalisierung, Museumsbesuche dadurch überflüssig zu machen, dass man via Computer dreidimensionale Bilder von Objekten zeigt und die entsprechenden Informationen dazu liefert. Das muss gesagt werden, denn wenn wer noch kein Museum von innen gesehen hat, ahnt nicht, was ihm dort entgeht.

          Zum Beispiel die heitere, von persönlichen Eitelkeiten nicht freie Atmosphäre der Ausstellungseröffnungen. Dort treffen sich immer wieder dieselben Leute, aber sie freuen sich, jedenfalls meistens, sehr darüber. Sie sind gut informiert, tauschen sich kundig aus und wechseln auch noch ein paar Worte zum Weltgeschehen. Wichtiger aber ist natürlich die tatsächliche Nähe zum Objekt. Im Louvre zeugen die Menschentrauben, die sich regelmäßig vor der Mona Lisa bilden, von einer Faszination, die sich nur mit der unmittelbaren physischen Gegenwart des Kunstwerkes erklären lässt.

          Aber nicht allein darauf kommt es an, sondern auch auf die Räume. Die Uffizien in Florenz beispielsweise waren ursprünglich nicht in erster Linie als Ausstellungshaus geplant, sondern für Ministerien und Ämter. Wer wollte bestreiten, dass allein die Säle in ihrer Erhabenheit eine einzigartige Aura verströmen, die in der digitalen Welt schlichtweg nicht vorkommt?

          Aber auch die Museen, die erst gebaut wurden, um dort schon existierende Sammlungen unterzubringen, sind oft architektonische Meisterleistungen. Das private Reinhard-Ernst-Museum, das gerade an der Wilhelmstraße in Wiesbaden entsteht, ist eines von zahllosen Beispielen. Solche Häuser bieten den Besuchern mitten in der Stadt die Möglichkeit, den Lärm der Straße hinter sich zu lassen und sich der intellektuellen Aufgabe zu stellen, die Botschaft eines Künstlers zu verstehen. Wenn Apps den Menschen helfen, in diese Welt hineinzufinden, erfüllen sie einen guten Zweck.

          Ewald Hetrodt
          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

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