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Digitale Kommune : Mit verknüpften Daten zu weniger Staus

  • -Aktualisiert am

Dicht: Staus wie dieser hier auf der Rheinstraße in Darmstadt sollen durch intelligente Datennutzung seltener auftreten Bild: dpa

Ihre Entwicklung steht kurz vor dem Abschluss: Eine neue digitale Plattform in Darmstadt informiert über den Verkehrsfluss, den Müll in den Parks und die Auslastung von städtischen Ämtern.

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          Die Stadt Darmstadt setzt weiter auf Digitalisierung: Am 1. Januar 2021 geht eine städtische Datenplattform online. „Aus Sensoren, Prozessen und Abläufen entstehen viele neue, wertvolle Daten“, teilte die Stadt bei der Präsentation der Plattform mit. Und weil es zum Thema und der momentanen Pandemie-Zeit passt, hielt die Stadt die Pressekonferenz zur Plattform nicht nur live, sondern auch im Internet ab. Teilnehmer konnten sich über einen vorab veröffentlichten Link von außen zuschalten. „Zum ersten Mal in dieser Form“, sagte Darmstadts Oberbürgermeister Jochen Partsch (Die Grünen) zur Begrüßung. Wegen Corona hatte die Stadt um eine Online-Teilnahme der gut 20 Journalisten gebeten, Vertreter von beteiligten Unternehmen taten es ihnen gleich.

          Denn auch ohne Virus-Krise soll in Zukunft vieles online möglich sein, der neuen Plattform soll dabei eine entscheidende Rolle zukommen. Sie werde Datenströme aus den 14 Handlungsfeldern der Digitalstadt Darmstadt, darunter die Felder Mobilität, Umwelt und Verwaltung, sammeln und vernetzen, erläuterte Partsch. Die Digitalstadt ist eine städtische Gesellschaft, die sich der Koordination von Projekten widmet.

          Wer alles von den Daten profitiert

          Dadurch werde sie nicht nur den Bewohnern der Stadt zugutekommen, so Partsch. Auch Verwaltung, Stadtwirtschaft und andere administrative Bereiche könnten auf die digitalen Informationen zugreifen. Geplant seien zwei Bereiche, ein öffentlicher und ein interner, zu dem ausschließlich städtische Mitarbeiter und Institutionen Zugang haben. Der öffentliche Bereich solle in Zukunft Bürgern unter anderem in Echtzeit anzeigen, wie hoch die Besuchszahlen in Ämtern gerade sind und wie viele Anrufer noch in der Warteschleife des Bürgertelefons ausharren. Danach könnten dann eigene Erledigungen oder Anrufe ausgerichtet werden. Auch könne die Plattform, die es übrigens voraussichtlich nicht als App-Version geben wird, auch berichten, welche Unterflur-Müllcontainer in der Stadt überfüllt sind.

          „Zum ersten Mal in dieser Form“: Darmstadt, wo Oberbürgermeister Partsch regiert, präsentiert die neue Datenplattform sowohl live als auch digital. (Archivbild)
          „Zum ersten Mal in dieser Form“: Darmstadt, wo Oberbürgermeister Partsch regiert, präsentiert die neue Datenplattform sowohl live als auch digital. (Archivbild) : Bild: Frank Röth

          Für den Abfallentsorger EAD als einen der professionellen Anwender sollen sich später auch noch andere Nutzungsmöglichkeiten ergeben, wie René Kirch aus der städtischen IT-Abteilung erläuterte: Komme es etwa an einem Wochenende zu erhöhtem Personenaufkommen beispielsweise im Herrngarten und die Plattform registriere das, sei das ein Hinweis, Reinigungskräfte in den Park zu schicken. Weitere Daten über den „Vermüllungszustand“ der Darmstädter Parks könnten zudem Anwohner liefern.

          Rund 360 Kameras und 16 Umweltsensoren

          Auch das Verkehrsaufkommen in der Stadt soll über die Plattform registriert und bei Bedarf geregelt werden können, wie es hieß. Dazu würden unter anderem Daten aus Umweltmessungen mit Informationen aus dem Verkehrsrechner des Mobilitätsamts verknüpft. Steige die Umweltbelastung an bestimmten Stellen an, könne etwa der Verkehr entsprechend gesteuert werden, um die Luftqualität zu optimieren. Daten generiert die Stadt unter anderem aus rund 360 Kameras, die laut Homepage der Digitalstadt Darmstadt den Verkehr in der Stadt aufzeichnen, und 16 Umweltsensoren, wie sie etwa an der Hügelstraße stehen.

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          Wer sich nun angesichts der erhobenen Daten Sorgen um eine eventuelle Nachverfolgbarkeit macht, könne beruhigt sein, heißt es von der Stadt. „Aus den Sensoren und Prozessen werden keine personenbezogenen Daten verarbeitet“, hob Partsch hervor. Man wolle keine Informationen für ökonomisch interessierte Institutionen schaffen. Die gewonnenen Daten sollen vielmehr auf Servern des Darmstädter Rechenzentrums sowie in einer deutschen Datenschutzbestimmungen entsprechenden Cloud gespeichert werden. Welche Daten wo landeten, das hänge davon ab, wie sie verarbeitet würden und welchen Inhalt sie hätten.

          Die Datenplattform, die Partsch als „Herzstück der Digitalstadt“ bezeichnete, steht kurz vor dem Abschluss ihrer Entwicklung. Insgesamt rund sechs Millionen Euro kosten Installation und Betrieb der Plattform, auf fünf Jahre bis 2026 berechnet. Die Mittel stehen im städtischen Haushalt bereit. Für das erste Jahr ist eine Förderung des Landes Hessen in Höhe von knapp 800.000 Euro vorgesehen. Die Stadtverordneten hatten die Einrichtung Anfang September beschlossen.

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