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Digital-Stadt Darmstadt : Orientierung im Digital-Dschungel

  • -Aktualisiert am

Darmstadt: Angekündigt ist, nach der dritten Sitzung im Mai „Leitlinien zur Digitalstadt“ zu präsentieren. Bild: dpa

Darmstadt, das Vorzeige-Zentrum in Sachen Digitales? Der Ausbau der Stadt als solches wird gefördert. Doch der digitale Wandel muss auch mit Blick auf die Politik diskutiert werden. Ein Kommentar.

          Darmstadt ist, da kann man dem ehemaligen Staatssekretär Mathias Samson nur zustimmen, eine Kommune mit ungewöhnlich hoher digitaler Kompetenz. Die Dichte der Wissenschaftler, die sich an den Fraunhofer-Instituten, der Technischen Universität und der Hochschule mit IT-Sicherheit beschäftigen, ist europaweit einmalig. Schon aus diesem Grund hat der IT-Branchenverband Bitkom keinen Fehler begangen, als er 2017 das südhessische Oberzentrum als Siegerin des Wettbewerbs „Digital-Stadt“ kürte. Innerhalb von zwei Jahren, so der Auftrag, soll sich Darmstadt zur Vorzeigekommune mausern.

          Ob das am Ende gelingt, wird natürlich eine Frage der Kriterien sein, die als Erfolgsmaßstab angelegt werden. Nimmt man fachliche Kompetenz, die Bereitschaft von Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft zur Mitwirkung an dem Projekt und die finanzielle Förderung des Landes, dann sieht es nach gut einem Jahr ganz danach aus, als könnte Darmstadt seine Aufgabe als digitaler Experimentierraum erfüllen.

          Ob das mit Abschluss der Förderung im Jahr 2020 wirklich der Fall sein wird, dürfte aber entscheidend mit davon abhängen, ob die digitale Modellstadt sich nicht nur als technologischer Experimentier-, sondern auch als politischen Lernraum versteht. Samson schwebte ein „urbanes digitales Ökosystem“ in Südhessen vor, in einigen Teilen der Welt entwickelt sich seit einiger Zeit aber eher ein digitaler Dschungel, in dem Raubtiere lauern, die durch Fortschritte in der Künstlichen Intelligenz noch gefährlicher zu werden drohen. Samsons Hinweis, dass für die demokratische Ausgestaltung des digitalen Wandels die Bürgerbeteiligung ein „entscheidender Erfolgsfaktor“ ist, kann man nur unterstreichen.

          Der politischen Aufmerksamkeit der Bürgergesellschaft ist es zu verdanken, dass für diese Aufgabe mit dem Ethikbeirat ein Fachgremium eingerichtet wurde. Den Wunsch danach haben Parteien ebenso geäußert wie die Evangelische Stadtakademie. Der Beirat hat zweimal unter Ausschluss der Öffentlichkeit getagt. Angekündigt ist, nach der dritten Sitzung im Mai „Leitlinien zur Digitalstadt“ zu präsentieren. Man darf gespannt sein, ob diese Leitlinien Antworten zum immer dynamischeren technologischen Wandel formulieren, die über die Charta der digitalen Grundrechte hinausreichen und anderen Kommunen als praktische Handlungsanleitung dienlich sind.

          Rainer Hein

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Darmstadt.

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